Betrieb gibt der Natur etwas zurück. Den CO2-Ausstoß kompensiert Patisseur Göttinger und sein Team mit Arbeitskraft. Diese Idee forciert nun der Waldverband.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 25. Juni 2020 (05:19)
Ziehen an einem Strang und greifen dem Wald unter die Arme (v.l.): Sebastian Fischer, Josef Buxbaum, Viktoria Hutter, Thomas Göttinger, Bernhard Zotter und Franz Fischer.
NOEN

Der Borkenkäfer liebt die Trockenheit und hat in den letzten Jahren Fläche für Fläche an Fichtenwäldern verschwinden lassen. Thomas Göttinger kennt den Anblick, denn auf seiner Laufstrecke befindet sich eine Kahlfläche. „Ich wollte nicht mehr nur über den Käfer und die Klimaerwärmung lesen. Ich wollte etwas tun, weil ich selber gern in der Natur bin.“ Was aber kann man tun?

CO2-Ausstoß: Eine Gegenleistung

Ein Zusammentreffen mit Josef Buxbaum, betroffener Waldbesitzer aus Waldreichs, war die Initialzündung: Die Wiederaufforstung erfordert Arbeitskraft, eine Unterstützung hierbei wäre eine willkommene Hilfe. Göttinger ist Feuer und Flamme: „Je mehr ich nachgedacht habe, desto mehr war ich gefesselt.“

Er führt eine Dessertmanufaktur: „Ich möchte mein Unternehmen so nachhaltig wie möglich führen.“ Er sei bei Strom bezug, Heizung und Warmwasseraufbereitung im Betrieb CO -neutral unterwegs. Ihm geht es jetzt um den CO -Ausstoß bei der Auslieferung seiner Produkte.

Patisserie-Mitarbeiter pflanzten Bäume aus

Die Gegenleistung ist, dass 27 Mitarbeiter (einer war erkrankt) an einem bezahlten Arbeitstag ausschwärmten, um auf einer zwei Hektar großen Kahlfläche der Pfarre mit Bernhard Zotter, der dort den Wald betreut, Bäume einzusetzen. „Das hat ihnen sehr gut gefallen“, schildert Göttinger. „Wir werden das jedes Jahr machen.“

Buche, Ahorn, Lärche und Kiefer gedeihen dort – angepasst an Standort und Boden. Der Regen hilft derzeit dem Wachstum. Der Grundeigentümer bezahlt die Bäume und sorgt für das Werkzeug, der Betrieb übernimmt die Arbeit. „Das war eine flotte Geschichte, innerhalb von einem Tag ist aufgeforstet worden“, erzählt Buxbaum. „Wir haben einiges gelernt über das Baumpflanzen. Das war für alle Seiten gewinnbringend“, ergänzt Göttinger. „Die ungeübte Person schafft circa 100 Bäume am Tag. Das ist eine Riesenmenge – und dann hast du ein Hochgefühl.“

Waldverband baut nun Plattform auf

„Es ist geplant, dass das Projekt keine Eintagsfliege sein soll“, erklärt Buxbaum, der mit Göttinger in die Schule gegangen und Mitglied der Waldwirtschaftsgemeinschaft ist. Der Weg zum Waldverband NÖ ist da nicht weit: Man arbeitet an einer Plattform, in der hilfesuchende Waldbesitzer und helfenwollende Betriebe zusammengeführt werden. „Das wird ein Vorzeigeprojekt sein, von der Region für die Region“, ist Viktoria Hutter, Funktionärin im Waldverband NÖ, überzeugt.

Ein Workshop mit der Druckerei Janetschek ist in dieser Woche geplant. „Wir wollen im Herbst schon die ersten Bäume setzen“, sagt Hutter. Ist angedacht, Private anzusprechen? „Das ist derzeit noch Zukunftsmusik, momentan wollen wir auf Unternehmen fokussieren. Wenn das gut läuft, kann man immer noch weiterdenken.“

„Da geht einem das Herz auf“.

„Uns ist ganz wichtig, dass wir wirklich vor unserer Haustüre Projekte entwickeln“, betont Buxbaum. „Das sind Schäden, die der Klimawandel verursacht hat. Es wäre nur gerecht, wenn die Allgemeinheit mitwirken kann.“ Göttinger denkt als Naturmensch und Familienvater an seine Kinder, die eine nachhaltige Zukunft haben sollen. Er selbst profitiert persönlich: „Die Fläche liegt direkt an meiner Laufstrecke am Georgenberg. Ich renne hinauf – und ich sage Ihnen: Da geht einem das Herz auf“, kommt er ins Schwärmen. „Ich denke mir dann: Ich war dabei und habe diese Bäume gepflanzt.“ Waldverbandsobmann Franz Fischer hofft, dass sich dieses Feeling auf das ganze Waldviertel ausbreitet.

Bei Interesse: thomas@goettinger.com oder viktoriahutter_waldverband@gmx.at