Bild-Raum, Porträts & ein Gebet in der Kunstfabrik. Die Galerie holt spannende Vielfalt zu sich – und vor allem viel aus der unmittelbaren Waldviertler Region.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 06. Februar 2020 (12:31)

Dort, wo früher ratternde Webstühle textile Bänder fertigten, hat heute die Kunst ein Zuhause, wobei: Das eine schließt das andere nicht aus. Die übrig gebliebenen Webstühle in der früheren Wagner-Fabrik stehen dennoch still, dafür wird der Kunst viel Raum geboten – und das Waldviertler Herz schlägt im Jahresprogramm für 2020 wieder hörbar. Die Kunstfabrik holt die Region in ihre Galerie.

Stefan Reiterer hat sich mit Terese Kasalicky (aus Klagenfurt) und Matthias Peyker (Villach) zusammengetan. Sie arbeiten eigenständig, Grundsätzliches ist aber das Verbindende. Sie schaffen eine Kombination zwischen Skulptur und Bildraum, arbeiten prozesshaft, stapeln aufeinander, collagieren, schleifen wieder weg, übermalen und verbrennen Altes oder Unnötiges. Reiterer ist aus Waidhofen und hat schon als Student in der Kunstfabrik Werke gezeigt. „Er startet gerade eine richtig internationale Karriere, stellte schon in New York aus“, schildert Günther Gross, künstlerischer Leiter der Kunstfabrik. Großbritannien und Mexiko zählen zu den weiteren Stationen des 32-Jährigen (Kunstfabrik: 6. Juni, 19 Uhr, bis 12. Juli).

Die Jugend vor den Vorhang zu holen, ist Gross überhaupt wichtig. Lena Kohlmayr aus Waidhofen, Tochter der Textildesignerin Gerda Kohlmayr, setzt sich mit ihrer Ausstellung „Vater Unser“ kritisch mit dem am weitest verbreiteten Gebet des Christentums auseinander. Ihre Arbeit seziert den Text, sucht die Ironie im Ritual – und verweigert sich, Antwort auf komplexe Fragestellungen zu sein. Die 32-Jährige studierte Architektur und Social Design an der Universität für Angewandte Kunst, wo sie jetzt arbeitet (3. Oktober, 19 Uhr, bis 8. November).

Der in Berlin geborene Bertram Castell lebt in Wurzeben (Bezirk Zwettl), seine regelmäßigen Streifzüge durch den Wald sind zur Lebensnotwendigkeit geworden. Für eines seiner Werke griff er 2016 zu Lattenrost, Weinreben und ein bisschen Farbe: Holz gehört zu den Materialien, mit denen der 88-Jährige gern arbeitet (14. März, 19 Uhr, läuft bis 19. April).

Franziska Maderthaner gilt bei dem Organisationsteam als Highlight. „Ich finde sie ganz interessant und bin froh, dass ich sie bei uns zeigen kann“, freut sich Gross. Die 58-Jährige ist seit 20 Jahren Professorin für Malerei und Grafik an der Universität für angewandte Kunst in Wien, arbeitet aber auch in Tiefenbach (Bezirk Krems). Sie wird ihre aktuelle Porträt-Serie zeigen, passend zu den Galerie-Räumen, befinden sie sich ja in der früheren Großbürgertum-Wohnung der Fabriksbesitzer. Das oft als konservativ geltende Genre der Portätmalerei lässt sie im 21. Jahrhundert ankommen – und sie inszeniert sich selbst als Rubens, den großen flämischen Barockmaler (18. Juli, 19 Uhr, bis 30. August).

Noch in Planung befindet sich das „Artists in Residence -Programm, das sich erstmals 2019 anlässlich „30 Jahre offene Grenze“ in Siegharts niederschlug. Drei tschechische Künstler werden einige Wochen in der Kunstfabrik arbeiten und ihr Werk zeigen. Österreichische Künstler fahren im Gegenzug nach Budweis. „Die Zusammenarbeit mit Tschechien ist für uns immer wichtig“, erklärt Gross.