Corona-Krise: Test-Fuchs-Chef vorsichtig optimistisch. Luftfahrt-Zulieferbetrieb leidet unter Rückgang des Flugverkehrs. Militär-Aufträge und anstehendes Airbus-Großprojekt machen Hoffnung.

Von Michael Schwab. Erstellt am 24. November 2020 (12:25)
Bei Test-Fuchs setzt man große Hoffnungen in ein neues Airbus-Projekt und die Wasserstofftechnik.
Schwab

Der Luftfahrt-Zulieferbetrieb Test-Fuchs wurde hart von der Coronakrise getroffen. Der stark eingebrochene zivile Luftverkehr machte im August einen in der Firmengeschichte einmaligen Schritt notwendig: 54 Mitarbeiter wurden beim AMS-Frühwarnsystem zur Kündigung angemeldet.

„Nur“ knapp über 30 statt 54 Mitarbeiter abgebaut

Jetzt ist bei Test-Fuchs wieder vorsichtiger Optimismus eingekehrt. Neue Aufträge und interne Maßnahmen wie ein freiwilliger Gehaltsverzicht von einigen Prozent führten dazu, dass letztlich „nur“ knapp mehr als 30 Mitarbeiter abgebaut werden mussten. „Die Situation ist derzeit so, dass die Fluglinien nach wie vor auf einem niedrigen Auslastungsniveau operieren. Die Hersteller von Zulieferkomponenten und Firmen im langfristigen Wartungsbereich tätigen jedoch nach wie vor langfristige, strategische Investitionen“, fasst Geschäftsführer Volker Fuchs zusammen.

Hoffnung auf Airbus-Großprojekt

So laufe derzeit beim europäischen Flugzeughersteller Airbus das Projekt „A321XLR“, eine neue Langstreckenvariante des Airbus A321. „Dieses Flugzeug mit transatlantischer Reichweite passt genau in die Corona-Zeit. Es ermöglicht, transatlantische Flugverbindungen trotz des geringeren Passagieraufkommens wirtschaftlich zu betreiben“, ist Fuchs überzeugt. Auch im militärischen Bereich, auf den die Firma jetzt verstärkt ihren Fokus legt, konnte man zusätzliche Aufträge lukrieren.

Wasserstoff als zukunftsträchtige Sparte

Bei Test-Fuchs denkt man auch schon weiter in die Zukunft: „Wir haben vor Corona begonnen, uns auf die Wasserstofftechnik in der Luftfahrt zu fokussieren. Da wird sich schon bald einiges tun, und es gibt bereits Ausschreibungen dazu. Durch unsere Erfahrung mit kryogenen Ventilen für die Ariane-5-Rakete haben wir viel Know-How in diesem Bereich“, betont Fuchs, der seinen Betrieb gut für diese aufstrebende Technik gerüstet sieht.

Wasserstoff könnte etwa in Flugzeugen mit Hybridantrieb zum Einsatz kommen, die mit einem konventionellen Antrieb starten und im Reiseflug elektrisch mittels Wasserstoff-Brennstoffzellen angetrieben werden.

„Man darf natürlich in nächster Zeit kein großes Wachstum erwarten, man muss beim Wasserstoff schauen, wie es sich wirklich entwickelt“, schränkt Fuchs ein.

Kurzarbeit gibt es derzeit bei Test-Fuchs nicht, sie wäre auch keine geeignete Alternative zum Personalabbau gewesen. „Selbst wenn es die Möglichkeit gäbe, wären zwei Jahre in Kurzarbeit mit 20 Prozent Nettolohnverlust für viele Betroffene kein gangbarer Weg“, stellt Fuchs klar. Man habe versucht, die betroffenen Mitarbeiter so gut wie möglich in der Region zu vermitteln, viele hätten inzwischen wieder Jobs in der Metallbranche gefunden.

„Der freiwillige Gehaltsverzicht machte es möglich, den Personalabbau so gering wie möglich zu machen. Mein Dank gilt daher unseren Mitarbeitern, die diesen Schritt mitgetragen haben“, hebt Fuchs hervor. Diese Maßnahme sei auf zwei Jahre befristet und werde bei positver wirtschaftlicher Entwicklung auch früher aufgehoben, versichert Fuchs.