Kritik: „Zu lange gewartet bei Ärzten“. ÖVP-Stadträte werfen Bürgermeister zu lange Untätigkeit bei Inanspruchnahme der „Landarztgarantie“ vor.

Von Michael Schwab. Erstellt am 02. August 2019 (05:00)
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Links: Bürgermeister Gerald Matzinger weist die Kritikpunkte der ÖVP entschieden zurück.; Rechts: Stadtrat Ulrich Achleitner ist der Ansicht, dass Matzinger zu lange gewartet hat.

Warum gelang in Raabs, was in Siegharts derzeit nicht gelingen will – das Finden von Arzt-Nachfolgern?

Die beiden ÖVP-Stadträte Michael Litschauer und Ulrich Achleitner sehen eine mögliche Ursache – das Fehlen einer bezugsfertigen Praxis. „Wir haben keine freie Ordinationsstelle. Vorgesehen wären für die Ordinationen die Räumlichkeiten im Technologie- und Bildungszentrum, die derzeit für die Kleinkinderbetreuung benutzt werden“, bringt Achleitner die Problematik auf den Punkt. In Raabs habe man viel Geld in die Modernisierung des Arzthauses gesteckt. „Bei uns waren im ersten Budgetentwurf null Euro für die Arztpraxis vorgesehen. Wir haben dann immerhin 50.000 Euro hineinreklamiert“, sagt Achleitner.

Es wäre wichtig, Räumlichkeiten zu haben, die ein Arzt gleich nutzen kann, und nicht erst einen Umbau und eine Übersiedelung der Kinderbetreuung abwarten oder gar für die erste Zeit ein Provisorium nutzen zu müssen. Achleitner und Litschauer kritisieren auch, dass Bürgermeister Gerald Matzinger sich zu lange Zeit gelassen habe, um die „Landarztgarantie“ des Landes NÖ in Anspruch zu nehmen. „Das braucht alles eine gewisse Vorlaufzeit. Dass es heuer im Herbst kritisch werden könnte, war abzusehen, da wäre es klug gewesen, schon wesentlich früher anzusuchen“, meint Litschauer.

Bürgermeister weist Kritik zurück

„Die Schuld an der Misere liegt aber nicht nur an uns als Gemeinde, sondern auch an den Kassentarifen. Es gibt leider zwei Klassen von Ärzten – jene mit und jene ohne Hausapotheke. Wer keine Hausapotheke betreiben darf, ist benachteiligt. Wir hatten einen Bewerber, wo sein Berater ihm nach der Auskunft, dass in Groß Siegharts keine Hausapotheke möglich ist, abgeraten hat“, kritisiert Litschauer. Bürgermeister Gerald Matzinger weist die Kritik vonseiten der ÖVP zurück: „Es wäre ein großer Humbug, eine Ordination einzurichten, ohne zu wissen, was der Arzt haben will. Die beiden Räume im TBZ, die wir für die Praxis vorgesehen haben und die derzeit an die Firma Testfuchs und die Kinderbetreuung Waldviertler Zwutschgerl vermietet sind, wären sofort für einen Arzt verfügbar und könnten rasch umgebaut werden“, stellt Matzinger klar.

Mit beiden Mietern sei von Beginn an vereinbart gewesen, dass sie, wenn ein Arzt kommt, die Räumlichkeiten verlassen müssen – auch kurzfristig. Bedenken, dass ein Arzt-Kandidat womöglich Monate warten müsste, bis die Mieter ausgezogen sind, seien daher unbegründet. Für die Kinderbetreuung werde ohnehin an eine eigene bauliche Lösung gedacht. Geht sich das nicht aus, gibt es laut Matzinger „Notfallpläne“: „Wenn ein Arzt kommt, muss zuerst die Firma Testfuchs raus, das ist mit dem Betrieb auch so vereinbart. Dann kann der erste der beiden Räume schon mal genutzt werden. Sollten wir gleich zwei Ärzte finden, könnten wir die Kinderbetreuung wahrscheinlich in der Neuen Mittelschule unterbringen. Es wird sicher eine Lösung dafür geben“, beruhigt Matzinger.

In der Vorwoche beantragte er die „Landarztgarantie“ - Kritik, dass er damit zu lange gewartet habe, weist er entschieden zurück: „Es muss einmal klar gesagt werden – die Pflicht der ärztlichen Grundversorgung liegt bei den Krankenkassen, nicht dem Bürgermeister.“

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