Künstlerin Andraschek: Der Dienst an den Seelen. Künstlerin Andraschek arbeitet in Groß Siegharts Kriegsopfer-Umgang auf. Kollege Heuer lässt Installation schnarchen.

Von Monika Freisel. Erstellt am 20. Juni 2021 (04:57)
440_0008_8102976_wai24bandl_sieg_andraschek.jpg
Rosa Andraschek setzt sich kritisch mit dem Gedenken an die Gefallenen und dem Akt der Verdrängung auseinander. Ihre Werke sind im Projektraum junge Kunst zu sehen.
NOEN

Die Erwartungen sind groß, wenn jemand vorgibt zu wissen, „so wird’s gemacht“. In der gleichnamigen Ausstellung in der Galerie der Kunstfabrik zeigt der 1962 geborene, in Wien lebende Künstler Johannes Heuer in Bildern, Objekten und Installationen jedoch nur teilweise, wie er „es gemacht hat“. Das Innere vieler Objekte bleibt großteils verborgen, obwohl es genauso sorgfältig gestaltet sei wie das Äußere.

Als Material für seine Arbeiten verwendet Johannes Heuer Flugzeug-Sperrholz, Lehm, Gips, Beton. In einem eigenen Raum sind Installationen zu sehen, die langsame Bewegungen ausführen, im nächsten Zimmer hängen Bilder aus Gips an den Wänden, die Heuer mit dem Rasiermesser geritzt und sparsam mit Farbe akzentuiert hat.

Blickfang ist die Installation „Serviço de Alma“ (spanisch für „Seelendienst“), die einen vollständig in kariertes Tuch gehüllten, künstlichen Menschen zeigt, der beim Betrachten seiner eigenen Tätigkeiten in dem im vis-à-vis aufgestellten Bildschirm gezeigten Film aus Langeweile eingeschlafen ist und – stromgetrieben – leise vor sich hin schnarcht.

„Alma“ ist das spanische Wort für Seele. Alma ist aber auch eine österreichische Käsemarke. In der Ausstellung im Kunstraum Retz im Mai 2018 hatte Johannes Heuer seinem artifiziellem Alter Ego, den er „alter Egon“ nennt, ein Stück Alma-Käse in die Hände gelegt. In der Kunstfabrik sitzt der alte Egon jedoch mit leeren Händen auf seiner Bank.

Sichtbar werden die unschuldig Ermordeten

Im Projektraum für junge Kunst präsentiert die 26-jährige Rosa Andraschek, Studentin an der Universität für angewandte Kunst in Wien, Fotografien und Frottagen zu einem in ihren Arbeiten immer wiederkehrenden Thema: die Erinnerung an die in den beiden Weltkriegen verfolgten, vertriebenen und ermordeten Menschen. Die Namen dieser Personen befinden sich manchmal auf Kriegerdenkmälern oder Kriegsgräbern, daneben die Namen der Wehrmachtsoldaten, der vermeintlichen Helden.

Bei den Frottagen überträgt Rosa Andraschek die Struktur der in die Gedenksteine gravierten Namen der unschuldig Ermordeten durch Abreiben auf aufgelegtes Papier und macht sie mit Wachsstiften sichtbar. Ihre analogen Fotografien zeigen nur vage angedeutet die Umgebung und Landschaft, wo sie diese Denkmäler gefunden hat, wie zum Beispiel in Sigmundsherberg, Maissau oder Hirtenberg.

Beide Ausstellungen in der Kunstfabrik sind noch bis 18. Juli zu sehen.