Mehrkosten verärgern Eigentümer. Mehrkosten nach Sanierung und nicht regelbare Heizung sorgen für Aufregung. Hausverwalter Wild ortet Stimmungsmache.

Von Michael Schwab. Erstellt am 13. Februar 2020 (14:54)

Einige Wohnungseigentümer im Wohnhaus in der Feldgasse 7 in Groß Siegharts sind verärgert: Mehrkosten von 121.000 Euro gegenüber dem Kostenvoranschlag für die 2016 erfolgte Generalsanierung ohne befriedigende Erklärung, eine nicht durch die Eigentümer regelbare Fernwärme-Heizung und eine teils schlampige Ausführung der Arbeiten sind die Vorwürfe gegen die ausführende Baufirma und den Hausverwalter.

Die NÖN erhielt Abrechnungsunterlagen und sprach mit Betroffenen, die aber anonym bleiben wollen (Namen der Redaktion bekannt).

„Wir haben durch die Sanierung jetzt Heizkosten von 4.500 Euro für das gesamte Haus. Die Bewohner zahlen weniger als vorher.“ Hausverwalter Johannes Wild versteht die Aufregung nicht

Zur Ausgangslage: Das etwas über 40 Jahre alte Haus mit 20 Wohungen wurde 2016 einer Generalsanierung und thermischen Sanierung unterzogen. Im Zuge dessen wurde auch ein Aufzug installiert.

Vorwurf: Stiegen teurer als geplant. Während des Baus sei es jedoch zu nicht mit den Eigentümern abgestimmten Veränderungen gegenüber dem Plan und Kostenvoranschlag gekommen. Ein Beispiel: Während laut Plan einfache Stiegen über die Böschung in den Gartenbereich vorgesehen waren, wurde statt dessen eine aufwendige Variante mit einer Stützmauer gewählt – ohne Genehmigung durch die Eigentümerversammlung, klagt ein Betroffener. Der Hausverwalter Johannes Wild (Immobilien Wild) habe gesagt, er bestimme, was gemacht werde.

Vorwurf: von Planungen abgewichen

Nach diesem Schema sei es auch bei anderen Arbeiten zu Mehrkosten gekommen, sodass am Ende die veranschlagten Baukosten um rund 23 Prozent überschritten wurden. Gleichzeitig seien manche Arbeiten nicht in der erwarteten Qualität ausgeführt worden. Leitungen seien derart durch die Wärmedämmung verlegt worden, dass Kältebrücken entstehen.

Der Vorwurf der Wohnungseigentümer: Wild würde sich als Hausverwalter taub stellen und keine Erklärung für diese Diskrepanzen liefern.

Heizung als Zankapfel. Ein weiterer Zankapfel ist die Heizung, die laut den Beschwerdeführern nicht durch die Bewohner geregelt werden kann. Die Heizung wird per Fernwärme von der Firma Test-Fuchs gespeist, und man habe keinen Einfluss auf die Zeiten und die Temperatur der Wärmelieferung. Sogar aus dem Heizraum sei man ausgesperrt worden. Wild als Hausverwalter würde auch hier nicht reagieren, weshalb man sich gezwungen sah, direkt mit dem Wärmelieferanten zu reden, um eine bessere Lösung zu finden.

Johannes Wild: „Man macht sich gegenseitig verrückt.“

Die NÖN sprach mit Johannes Wild über die geäußerten Vorwürfe. „Das Projekt wurde von der Gemeinde und der Wohnbauförderungsstelle des Landes überprüft, es wurde alles abgenommen. Es gibt ein paar Mängel, die die Baufirma noch beheben muss, aber nichts Gravierendes“, stellt Wild klar. Seiner Ansicht nach werde hier von einigen Leuten Stimmung gemacht: „Man macht sich gegenseitig verrückt.“

Die beanstandete Stiegenkonstruktion sei durch das Hinzufügen der Lifttürme am Haus notwendig geworden, um den Durchgang zwischen Böschung und Gebäude zu erhalten: „Dazu musste die Böschung abgegraben werden, was dann die Mauer erforderlich machte.“

Heizung zentral geregelt. Dass die Heizung zentral geregelt wird, bestätigt Wild. Es kommt eine außentemperaturgesteuerte Regelung zum Einsatz. Wer ein abweichendes Temperaturbedürfnis habe, könne mit seinen Heizkörperthermostaten nachregeln. „Es gibt allerdings noch die alten Ringleitungen im Fußboden, daher wird der Boden auch dann warm, wenn man die Heizkörper abdreht“, räumt Wild ein. Die Regelung sei auf die kälteren Erdgeschoß-Wohnungen abgestimmt, da man sicherstellen müsse, dass dort niemand friert. Dadurch werde es allerdings in den oberen Wohnungen wärmer, was man dann eben durch die Einstellung der Heizkörperthermostate ausgleichen müsse.

An der Heizung herumgedreht. Doch anstatt diesen Weg zu wählen hätten im letzten Winter die Eigentümer an der zentralen Steuerung herumgedreht, mit dem Ergebnis, dass Wild laufend Anrufe erhielt, dass die Heizung verstellt werde. „Aus diesem Grund habe ich den Schlüssel für den Heizraum dann bei mir verwahrt“, sagt Wild zum Vorwurf, man habe die Eigentümer ausgesperrt. Schließlich habe er den Schlüssel wieder an einen Eigentümer ausgehändigt.

Aufregung für Wild unverständlich. Wild versteht die Aufregung um die Sanierung nicht: „Wir haben jetzt Heizkosten von 4.500 Euro für das gesamte Gebäude mit 1.600 m Wohnnutzfläche. Das macht 225 Euro für jede der 20 Wohnungen pro Jahr. Die Leute zahlen weniger als vorher und weil wir den Niedrigenergiehaus-Standard erreicht haben, profitieren jene Leute, die es dringend brauchen – ich denke da besonders an jene mit niedrigen Pensionen – von der vollen Wohnbauförderung“. Er selbst sehe das Projekt als Erfolg. Von 700.000 Euro, die als Darlehen aufgenommen wurden, seien dank der Förderung nur 500.000 Euro über 20 Jahre zurückzuzahlen.

Wild würde sich von den Beschwerdeführern erwarten, dass sie mit konkreten Mängellisten und Belegen kommen.