Problemfelder: Ist Arzt-Verdienst zu gering?. NÖN-Leserin macht die Kassenarzt-Honorare für unbesetzte Stellen verantwortlich. Dem widerspricht die NÖGKK. Die Ärztekammer ortet andere Hürden.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 02. August 2019 (05:00)
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Symbolbild

Woran liegt es, dass Kassenstellen unbesetzt bleiben? „An den geringen Honoraren“, schreibt eine Arztgattin aus dem Waldviertel, die seit mehreren Jahren die Selbstständigkeit ihres Mannes begleitet.

Und sie liefert Zahlen: 8,48 Euro bekomme der Allgemeinmediziner pro Besuch. „Für dieses Honorar muss sich der Arzt so lange Zeit nehmen, wie es der Patienten wünscht.“ Er müsse davon die Angestellten, Miete, Material, Software und Steuer zahlen. Übrig bleiben würden 30 Prozent. „Es kommt oft vor, dass in den ersten Jahren die eigene Ordinationsassistentin mehr verdient als dem Arzt an Gewinn übrig bleibt.“

Die NÖ Gebietskrankenkasse spricht von einem „unrichtigen Bild“: Die erwähnte Ordinationspauschale je Konsultation „ist nur einer von vielen Teilbeträgen“, erklärt Walter Sohler, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Einzelleistungen wie Injektionen, Infusionen oder EKG-Untersuchungen müssten ebenso berücksichtigt werden. Hausärzte erhalten „für jede gültige Erstkonsultation pro Kalendervierteljahr eine ‚Grundvergütung‘ von 6,22“ sowie den Zuschlag von 1,85 Euro. Die NÖGKK habe mehrfach Honorare erhöht, zuletzt 2018.

Die Ärztekammer ortet anderweitig Probleme 

Die niedergelassenen Kassenärzte sind „mit sehr viel Bürokratie konfrontiert, gepaart mit zu wenig Zeit, um sich ausgiebig mit jedem einzelnen Patienten beschäftigen zu können“, erklärt Pressesprecherin Birgit Jung.

Zu wenig wollen im öffentlichen Gesundheitssystem arbeiten – und das aus gutem Grund, wie die NÖN-Leserin findet: Ärzte verdienen um „viele tausende Euro weniger“ als in einem Spital und haben als Selbstständige „während des Urlaubes hundertprozentigen Verdienstentgang“, dazu kommt „ein großer Verwaltungsaufwand für eine Ordination, der komplett allein gestemmt werden muss“. Die NÖGKK spricht dagegen davon, Maßnahmen zur Aufwertung der Kassenplanstellen gesetzt zu haben – wie flexible Ordinationsmodelle für eine bessere Work-Life-Balance. Mehrere Ärzte können sich zu Gruppenpraxen zusammenschließen. Das bringe mehr Freizeit und begrenze das unternehmerische Risiko.

„Wir schreiben zum Beispiel auch halbe Planstellen mit reduzierten Mindestordinationszeiten aus“, ergänzt Sohler. Ärzte können so zusätzlich im Spital arbeiten. Und: Sie können „sich bis zu 50 Prozent in der Ordination vertreten lassen“.

Die Ärztekammer wünscht sich besonders in Gegenden wie Groß Siegharts ein neues Modell im Primärversorgungsbereich. Mehrere Einzelordinationen könnten in einem Netzwerk zusammenarbeiten, um Belastungen abzufedern.

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