Die Tür zur Kunst ist bald offen. Kunstfabrik und Lindenhof starten demnächst ihre Saison: „Wir sind sehr froh, dass wir wieder etwas zeigen können.“

Von Karin Widhalm. Erstellt am 06. Mai 2021 (04:02)

nd die Galerien öffnen gerade: Die Saison beginnt am kommenden Wochenende im Lindenhof Raabs (8. Mai) und in der Kunstfabrik Groß Siegharts (9. Mai) mit einem Soft-Opening. Günther Gross freut sich sehr darüber: „Wir sind froh, dass wir wieder etwas zeigen und einsteigen können. Und wir sind froh, dass es wieder die Möglichkeit gibt, Kunst anschauen zu können“, betont der künstlerische Leiter der Kunstfabrik.

Gültigkeit haben Abstandsregeln und Maskenpflicht. „Das, was wir nicht machen dürfen, ist eine Veranstaltung in Form einer Vernissage“, erläutert er. Aber: Die Künstler werden anwesend sein, jeder Besucher kann mit ihnen Gespräche führen. „Wir halten uns an die großen Häuser wie die NÖ Landesgalerie, die mit dem 3. Mai aufmachen, und haben die Öffnung auch mit dem Land NÖ abgesprochen.“ Gross möchte sich bei den Testbestimmungen die Kunstmeile in Krems als Vorbild nehmen, dort muss der Gast derzeit kein Corona-Testergebnis vorlegen (Stand: 3. Mai).

Erlebt die Kunstfabrik gerade harte Zeiten? „Von finanzieller Seite her nicht, das muss ich zugeben“, räumt Gross ein. „Die Sponsoren sind uns nicht abgesprungen“, und das Land NÖ hat trotz Lockdowns weiterhin Förderungen erteilt. „Was ist: Wir haben sehr viel verschieben müssen.“ Das, was zu sehen ist, hätte schon gezeigt werden sollen: Das Programm konnte 2020 coronabedingt nicht in der ganzen Fülle präsentiert werden.

Acht Ausstellungen waren in der Kunstfabrik geplant, fünf sind es letztlich geworden. Der Lindenhof hat gleich das gesamte Programm auf 2021 verschoben. „Franz Part hat eine Ausstellung mit abstrakter Kunst zusammengestellt. Das war kein üblicher Ablauf, aber trotzdem interessant.“ Eine Gruppe, die leidet, seien die Kunststudenten an der Universität, „dort geht gar nichts weiter, weil der Unterricht nicht stattfindet“.

Sie arbeiten oft in kleinen Wohnungen weiter. „Jene Künstler, die einigermaßen gut im Geschäft sind, haben Polster“, führt Gross aus. „Diejenigen, die in den letzten Jahren gerade so von der Kunst gelebt haben, denen geht es ganz schlecht. Da greift ein bisschen die Förderung.“ Existenzsorgen überwiegen dennoch: „Viele haben Nebenjobs, arbeiten zum Beispiel an Bühnenbildern in Theatern, aber vieles fällt weg.“

Andere konnten die Zeit nutzen: „Maler und Bildhauer arbeiten sowieso immer allein im Atelier, ihnen ist das gar nicht so nahe gegangen. Musiker leben vergleichsweise davon, dass sie das Publikum haben.“ Gross denkt an seine letzten Monate: „Ich selbst bin privilegiert, ich habe eine ganz Fabrik“, lächelt er. „Das ist für mich künstlerisch eine gute Zeit gewesen, normalerweise bin ich mehr mit der Organisation von Ausstellungen beschäftigt.“

Er hoffe „wie alle anderen Leute, dass endlich wieder alles auf ein normales Niveau zurückkehrt“, hält er das für wichtig. „Aber man sieht, wie anfällig wir sind: Das, was wir als selbstverständlich empfunden haben, ist auf einmal nicht mehr selbstverständlich“, führt Gross aus.

Eine Prognose, wie sehr sich die Kulturszene ändern wird, wagt er nicht: „Es kommt darauf an, wie weit das Sparprogramm geht. Das Land Niederösterreich ist schon ein Vorreiter“, würdigt der Kunstfabrik-Gründer. „Erwin Pröll hat das sehr gut aufgebaut, und ich hoffe, dass das so bleibt. Künstler werden mit Gefühl unterstützt. Natürlich, es könnte immer besser gehen, aber Niederösterreich ist an führender Stelle.“