Drei Künstler, eine Vision

Die künstlerischen Leiter der Galerien Thayaland stellen sich vor. Neben zwei alten Hasen gibt es einen Neuzugang.

Erstellt am 13. Januar 2022 | 04:47
Lesezeit: 4 Min

Drei Männer werden ab diesem Jahr für die künstlerische Leitung der Galerien Thayaland verantwortlich sein: Günther Gross, Gründer, Betreiber und Bewohner der Kunstfabrik Groß Siegharts, kuratiert die Ausstellungen in der Galerie und im Projektraum ebendort. Franz Part, langjähriger und erfolgreicher Kunstpädagoge im Gymnasium Waidhofen, beheimatet in Raabs, ist für die Veranstaltungen im Raum für Kunst im Lindenhof Raabs federführend.

Neu im Team ist Florian Schaumberger. Er lebt in der Unterpfinnigsteigmühle bei Eibenstein, arbeitet als Bildhauer hauptsächlich mit dem Werkstoff Stahl, kreiert aber auch Bronzeguss-Skulpturen. Er entwarf unter anderem das am Wiener Heldenplatz aufgestellte „Denkmal der Exekutive“ und die gigantische Skulptur aus Chromnickelstahl vor der Österreichischen Nationalbank in Wien, die mit einer Höhe von mehr als zehn Metern und einer Länge von zwölf Metern zu den monumentalsten Kunstwerken im öffentlichen Raum der Stadt zählt. Schaumberger wird die heuer erstmals geplanten Ausstellungen skulpturaler Objekte in der Galerie Lindenhof kuratieren.

Drei Kunstschaffende mit vielen Gemeinsamkeiten

Die drei Männer verbindet nicht nur die Liebe zur Kunst, sie sind zudem auch selber aktiv als Kunstschaffende tätig, und alle drei besuchten die Akademie der bildenden Künste in Wien.

„Wir wollen auf Kunst aufmerksam machen und hoffen vemitteln zu können, was Kunst bewegen kann“, sieht Günther Gross die Aufgabe des Kuratorenteams. Er selbst liebt besonders die experimentelle Kunst, der ab 23. April in der Kunstfabrik Raum gegeben wird: Johannes Bode und das Subetasch Kollektiv aus Gmünd werden im Projektraum ihre Arbeiten zeigen.

Am selben Tag findet in der Galerie der Kunstfabrik die Vernissage mit Arbeiten von Christian Murzek statt, dessen Werk die Verwendung von digitalen Prozessen reflektiert und in Malerei, Druckgrafik und Skulptur analoge Übersetzung findet.

Am 28. Mai wird in der Galerie die Ausstellung „Verwoben – Verbunden – Vernetzt“ der multimedialen Künstlerin Ida-Marie Corell mit Beteiligten des Kunstraums Retz eröffnet. Im Projektraum stellt zur selben Zeit der Musiker und Filmemacher Karl Kilian seine Werke vor, die er unter anderem aus alten Computern, gebrauchten Covid-Tests, aber auch aus Knochen schafft.

Bilder, die ein Gefühl von Verlorenheit und Leere vermitteln, zeigt Felix Malnig, Chronist der Einsamkeit, ab 9. Juli in der Galerie. Im Projektraum sind ab 9. Juli Arbeiten von Valeria Lehner zu sehen, welche die Künstlerin an der Schnittstelle von Mode und Technologie, Handwerk und Kreativität ausführt.

Christine Gironcoli-Melichars Malereien sind in dunklen, erdigen Farben gehalten, entstehen aus ärmlichen Materialien, Fundstücke werden in die Bilder integriert. Ab 20. August werden diese Werke in der Galerie der Kunstfabrik präsentiert.

Am 1. Oktober wird die Ausstellung „Digital Analog: Fridolin Welte – 3D-Drucke“ in der Galerie eröffnet. Im Projektraum findet die Vernissage von Werken der in Rumänien geborenen Künstlerin Renata Darabant statt, die sich mit der Funktion von Bildern als Kopie, als Beweisstück, als Zeuge von Prozessen beschäftigt.

Auch die „Artists in Residence“ wird es wieder geben, Künstler aus Österreich und Tschechien werden ein bis zwei Wochen in der Kunstfabrik arbeiten, Inspiration in den alten Räumen der ehemaligen Bandweberei finden, künstlerischen Austausch pflegen und am Ende ihre in dieser Zeit geschaffenen Werke ausstellen.

Malereien und Zeichnungen im Lindenhof

Im Raum für Kunst im Lindenhof beginnt die Saison am 7. Mai mit der Ausstellung von Bildern der Malerin Gabriele Schöne. Leerstellen – blinde Flecken – stechen aus farbiger Malerei und gemusterten Stoff-Applikationen hervor und bilden die Angelpunkte der Werke.

Die Gemälde und die raumbezogenen, von subtilem Humor geprägten Arbeiten des Künstlers Christian Hutzinger werden ab 18. Juni ausgestellt sein. In Barbara Höllers ab 31. Juli zu sehenden Bildern erschließen sich räumliche Gebilde durch Vervielfachung von Linien und Überlagerung von graphischen Strukturen. Zum Saisonabschluss werden Gustav Drehers Zeichnungen und Malereien ausgestellt, die beiden Techniken kombiniert er oftmals auch in ein und demselben Bild. Die Vernissage ist am 11. September.

Neue Ära der Skulpturen in der Galerie Lindenhof

Unter der künstlerischen Leitung von Florian Schaumberger wird die Galerie Lindenhof zum Raum der Skulpturen. „Da es eine Rampe zum Transport von schweren Objekten in diese Räumlichkeiten gibt, bietet es sich an, dort eine Bildhauer-Galerie zu etablieren“, erklärt Günther Gross.

Schaumberger formuliert seine Bedenken zum Schwinden der Bildhauerkunst und seine Motivation, dem entgegenzuwirken: „Es gibt fast keine öffentlichen Aufträge mehr für große skulpturale Objekte und auch immer weniger Künstler in diesem Genre. Eine Bronzeskulptur kostet sehr viel Geld. Hinter einem Steinobjekt steckt oft ein halbes Jahr Arbeit. Ich möchte dazu beitragen, die Bildhauerei wieder mehr in den Vordergrund zu rücken.“

Klassische Bildhauerei und Plastiken sollen immer vertreten sein, aber ebenso Objekte, die nicht dreidimensional konzipiert sind. Einmal im Jahr ist auch eine museale Ausstellung geplant. Als kleine Sensation bezeichnet Schaumberger die Präsentation der Arbeiten des 2016 verstorbenen griechisch-österreichischen Bildhauers Joannis Avramidis, dessen der griechischen Proportionslehre folgenden Skulpturen ab 18. Juni in der Galerie zu bestaunen sein werden.

Objekte des Grazer Bildhauers Kurt Straznicky werden ab 10. September ausgestellt. Straznicky verwendet für seine Arbeiten den Werkstoff Kunstharz, dessen semitransparente Beschaffenheit Volumen und Raum anstelle von Masse ermöglicht.

Auch die „NöART – Niederösterreich Gesellschaft für Kunst und Kultur“ wird heuer wieder eine Ausstellung im Lindenhof präsentieren. Die Vernissage für „Gestalt geben - Über die fantastische Wandelbarkeit der Dinge“ ist am 7. Mai in der Galerie angesetzt.

Vorsichtig optimistisch gibt sich Günther Gross zu den erwarteten Besucherzahlen: „Um eventuellen Lockdowns aus dem Weg zu gehen, beginnen wir die Ausstellungssaison erst Ende April. Der vergangene Sommer ist verhältnismäßig gut gelaufen, auch wenn wir weniger Besucher hatten als in den Jahren zuvor. Wir wollen zur Wiederherstellung der Normalität beitragen und halten uns selbstverständlich an die pandemiebedingten Regeln, um einen vernünftigen Ablauf zu ermöglichen.“