Test-Fuchs-Chef: „Mitarbeiter leisten Gewaltiges“. Marktstrategie in USA und China erfolgreich. Umsatz stieg mit 600 Mitarbeitern von rund 45 auf etwa 70 Millionen Euro.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 27. November 2019 (05:12)
Volker Fuchs

Jüngst gelang es Test-Fuchs, einen Millionenauftrag in China an Land zu ziehen (die NÖN berichtete). Für den Groß Sieghartser Luftfahrt-Zulieferbetrieb war dies ein Meilenstein der bereits vor Jahren begonnen globalen Marktstrategie. NÖN-Waidhofen-Redaktionsleiter Michael Schwab sprach mit Geschäftsführer Volker Fuchs über das Erreichte und die Pläne für die Zukunft.

NÖN: Warum begann Test-Fuchs, sich global auszurichten? Welche Überlegungen standen dahinter?

Volker Fuchs: Wir begannen erstmals vor acht Jahren, über unsere zukünftige Strategie nachzudenken. Wir waren damals zu 95 Prozent im europäischen Raum unterwegs und haben eine gewisse Marktsättigung gesehen. Wachstum wäre nur durch Verdrängung möglich gewesen, aber das war nicht unser Ziel.

Eine Alternative wäre der Wechsel in eine andere Branche gewesen – die Automobilbranche stand ganz oben auf der Liste, da man dort im Grunde ähnliche Testanlagen einsetzt, aber mit anderen Prüfzeiten und Stückzahlen. Schließlich trafen wir die Entscheidung, dass wir in der Luftfahrt bleiben wollen, aber internationaler werden müssen, sonst werden wir in den nächsten 20 bis 30 Jahren aus Europa verdrängt. Also haben wir mit einem externen Berater vor sechs Jahren einen richtigen Strategie-Prozess gestartet. Unser Ziel war klar: Die großen Luftfahrt-Zulieferer werden der Schlüssel für unser weiteres Wachstum sein.

Wofür brauchen große Zulieferer in Übersee überhaupt eine Firma Test-Fuchs? Haben die nicht ohnehin schon eigene Partner?

Fuchs: Die großen Zulieferer haben oft eigene Organisationen, die Prüfungen für sie ausführen. Es fällt ihnen aber oft schwer, das international abseits ihres Heimatmarktes auszuüben. Es ist nun einmal so, dass ein Europäer lieber mit einem Europäer reden will, und ein Chinese mit einem Chinesen. Wir bieten uns daher diesen Firmen vermehrt als Berater in ihren Produktionswerken an, und fungieren als Bindeglied zwischen den Kontinenten.

Das Reinigungsgerät „Waliclean“ zur Reinigung der Abfallleitungen eines Flugzeuges im Einsatz.
Test-Fuchs

Wie fängt man an, nach möglichen Partnerfirmen zu suchen?

Fuchs: Wir haben eine Liste der Top 16 der Luftfahrt-Zulieferer erstellt. Elf oder zwölf davon sind in den USA, daher war für uns klar, dass wir einen Standort in den USA brauchen. 2017 haben wir in Cleveland unsere amerikanische Niederlassung mit 20 Mitarbeitern eröffnet.

Wie sieht es jetzt, zwei Jahre nach dem Gang in die USA aus? Hat sich die neue Strategie schon bezahlt gemacht?

Fuchs: Auf jeden Fall. Wir hatten sehr gute Erfolge mit Geschäftsabschlüssen in den USA. Mit einigen der Top-16-Firmen haben wir schon Auftragsbeziehungen. Wir sind zwar noch nicht der strategische Partner, aber auf dem besten Weg dorthin.

Kommen wir zum jüngsten Großauftrag aus China. Wie häufig sind solche Aufträge?

Fuchs: Aufträge in dieser Dimension – etwas über acht Millionen Euro – sind selten. Im Mittel bewegen sich unsere Aufträge um rund eine Million Euro.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Fuchs: Aktuell befinden wir uns in der Designphase. Man kauft bei uns kein fertiges Produkt, sondern entwickelt eine Prüfanlage – in diesem Fall für Airbus-A320-Teile – zusammen mit dem Kunden. Wir haben keine Serienproduktion, sondern arbeiten wie eine Manufaktur mit viel Entwicklungsarbeit. Die Installation der Anlage ist für das erste Quartal 2021 geplant.

Gibt es noch weitere Großaufträge, an denen Test-Fuchs aktuell arbeitet?

Fuchs: Wir haben einen großen Auftrag für Parker in den USA. Die Firma hat uns als Automatisierungsexperte für Testsysteme ins Boot geholt. Das Ziel ist, das gesamte Werk auf eine Test-Fuchs-Anlage umzustellen.

Was bedeutet dies in Zahlen – wie haben sich Umsatz und Mitarbeiterzahl in den letzten Jahren entwickelt?

Fuchs: Bei beiden Zahlen gab es eine deutliche Steigerung. Die Ausgangslage vor acht Jahren waren rund 340 Mitarbeiter und rund 45 Millionen Euro Jahresumsatz. Heute haben wir in Summe rund 600 Mitarbeiter, davon 500 in Österreich. Der Umsatz stieg auf etwa 70 Millionen Euro.

Prüfgeräte von Test-Fuchs sind unter anderem beim Airbus A350 im Einsatz.
Test-Fuchs

Mit welchen Anforderungen ist man heute konfrontiert? Wie geht Test-Fuchs damit um?

Fuchs: Vor allem der zeitliche Druck ist heute höher, es muss alles schneller gehen. Unsere Mitarbeiter leisten hier Gewaltiges. Das Waldviertel ist, gerade was das Humankapital angeht, nach wie vor ein toller Standort. So kompensieren wir die infrastrukturellen Nachteile.

Gibt es außer Prüfanlagen weitere Geschäftsfelder?

Fuchs: Wir stellen auch fliegende Systeme her, etwa Kraftstoff- und Schmierölpumpen für Hubschrauber. In jedem ÖAMTC-Hubschrauber sind vier Kraftstoffpumpen von Test-Fuchs verbaut. Unsere Kernkompetenzen bei fliegenden Komponenten liegen bei Kraftstoff- und Hydrauliksystemen. Um dieses Geschäftsfeld besser transportieren zu können, gliedern wir diesen Bereich ab Dezember in „Test-Fuchs Aerospace Systems“ aus. Die damit betrauten Mitarbeiter bleiben aber am selben Ort und machen die selbe Arbeit.

Haben Sie einen persönlichen Leitspruch?

Fuchs: Mein Credo ist, dass Durchschnitt kein Ziel ist. Man muss seine Arbeit mit Überzeugung und Freude machen. Das ist der Garant, dass etwas Gutes dabei raus kommt.