Test-Fuchs: „Lehrlinge sind unsere Zukunft“. Luftfahrt-Zulieferer setzt trotz Corona-Krise auf umfangreiche Lehrlingsausbildung. Auch Lehre mit Matura wird ermöglicht.

Von Michael Schwab. Erstellt am 09. April 2021 (04:41)

Die weltweite Luftfahrt leidet unter der Corona-Krise. Warum der Luftfahrt-Zulieferer Test-Fuchs weiterhin auf eine umfangreiche Lehrlingsausbildung setzt und welche Chancen Test-Fuchs-Lehrlinge im Berufsleben haben, darüber sprach die NÖN mit Geschäftsführer Markus Nagl.

NÖN: Wie sieht die aktuelle Lage bei Test-Fuchs aus ? Was bedeutet die Corona-Krise für die Lehrlingsausbildung?

Markus Nagl: Wir sind mit einem guten Auftragsstand in die Corona-Krise gestartet. Unsere Strategie, uns vom klassischen Wartungsbetrieb zum Komponenten-Hersteller zu entwickeln, hat sich ausgezahlt, weil uns dadurch der Einbruch in der Luftfahrtbranche nicht so hart getroffen hat. Wir haben in diesem Bereich nach wie vor eine gute Auftragslage, und wir konnten auch den Anteil der militärischen Aufträge ausbauen. Wir mussten unsere Größe an den neuen Stand anpassen, sind jetzt aber mit dem reduzierten Mitarbeiterstand gut aufgestellt. Wir erwarten, dass die Branche erst 2025 wieder ihr Vorkrisen-Niveau erreichen wird. Allerdings haben wir in diesem Zeitraum auch mit laufenden natürlichen Abgängen zu rechnen, dadurch müssen Stellen nachbesetzt werden. Deswegen haben wir nicht vor, unsere Lehrlingsausbildung zurückzufahren – die Lehrlinge sind unsere Zukunft.

Welche Berufe kann man bei Test-Fuchs lernen?

Nagl: Wir bilden in den Berufen Mechatroniker-Automatisierungstechnik, IT-Techniker-Systemtechnik, Metalltechniker-Zerspanungstechnik, Konstrukteur-Maschinenbau und Elektrotechniker-Anlagen- und Betriebstechnik aus. Derzeit absolvieren 37 Lehrlinge bei uns im Betrieb eine Lehre, zwölf davon machen eine Lehre mit Matura. Zusätzlich absolvieren bei uns zwei Lehrlinge von externen Firmen die Lehre mit Matura.

Welche Voraussetzungen muss man für eine Lehre bei Test-Fuchs mitbringen? Wie sieht das Bewerbungsverfahren aus?

Nagl: Wir versuchen, möglichst viele Bewerber für uns zu interessieren. Ein wichtiges Instrument dafür sind Lehrlings-Infoabende. Das ging heuer wegen Corona leider nur virtuell, wurde aber sehr gut angenommen. Nach der Bewerbung findet ein Auswahlverfahren statt, das sich aus einem Theorietest in den Bereichen Allgemeinwissen und technisches Wissen und einem persönlichen Bewerbungsgespräch zusammensetzt. Das Gesamtbild entscheidet letztlich darüber, ob ein Bewerber bei uns eine Lehrstelle erhält oder nicht.

Wir machen keinen Unterschied hinsichtlich schulischer Vorbildung, bei uns lernen Absolventen der polytechnischen Schule, Umsteiger aus der HTL und aus Gymnasien, und auch Maturanten, die statt eines Studiums etwas Praktisches machen wollen, und Handelsschüler, die statt eines kaufmännischen Berufs lieber einen technischen Beruf ergreifen wollen. Wichtig für uns ist, dass jemand in dem Bereich, wo er oder sie sich bewirbt, das entsprechende Interesse mitbringt.

Sie sprachen auch die Lehre mit Matura an. Wie unterstützen Sie als Firma diesen Ausbildungsweg? Wie hat sich das bisher bewährt?

Nagl: Für uns hat sich dieser Ausbildungsweg sehr gut bewährt. Viele Jugendliche und auch Eltern haben die Sorge, dass die Karrieremöglichkeiten eingeschränkt sind, wenn man ‚nur‘ eine Lehre macht. Durch die Lehre mit Matura wird die Ausbildung im sprachlichen und mathematischen Bereich erweitert und eine gute Grundlage für eine internationale Tätigkeit aufgebaut. Wir bieten die Lehre mit Matura im Fachbereich IT in Zusammenarbeit mit dem WIFI NÖ an, wir stellen dafür einen Raum und Ausbildungsmaterial zur Verfügung, der Trainer kommt in die Firma, und die Lehrlinge können ihre Kurse bei uns im Haus nach der Arbeit absolvieren und brauchen nirgends hinzufahren.

Arbeitet man da Vollzeit weiter? Wie hoch ist der Aufwand? Was passiert, wenn man sich während der Maturaausbildung doch anders entscheidet, oder die Firma wechseln will?

Nagl: Man arbeitet normal und hat zwei Mal pro Woche Unterricht bis 20 Uhr. Zu absolvieren sind die Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik sowie ein Fachbereich, der ist bei uns immer IT. Dieser Fachbereich ist bei der fortschreitenden Digitalisierung die ideale zukunftssichere Ergänzung zu unserer technischen Ausbildung. Pro Jahr absolviert man ein Fach. Bei uns hat jeder die Garantie, die Maturakurse abschließen zu können, auch wenn man sich entscheidet, nach der Lehre in eine andere Firma zu wechseln. Wir haben unsere Kurse auch für Lehrlinge aus anderen Betrieben geöffnet. Eine zusätzliche Ausbildung ist immer ein Gewinn.

Wie sehen die beruflichen Perspektiven im Unternehmen aus? Welche Aufstiegschancen gibt es mit einer Lehre?

Nagl: Die Möglichkeiten sind quer durch die Firma gegeben. Ein Beispiel: Wir haben einen Handelsschüler, der bei uns eine Lehre absolvierte, dann in den kaufmännischen Bereich wechselte, Projektleiter wurde und heute direkter Ansprechpartner für militärische Kunden ist. Die Verbindung von technischem und kaufmännischem Wissen ist gerade in dem Bereich, in dem wir tätig sind, nämlich in der Luftfahrt, besonders wertvoll. Es ist von Vorteil, wenn ein Ansprechpartner vor Ort beim Kunden in beiden Bereichen versiert ist und auch technisch weiß, wovon er spricht. Eine weitere Perspektive sind Tätigkeiten im Ausland, in den USA, in China, Singapur oder innerhalb Europas. Wir brauchen immer wieder Leute, die bereit sind, längere Zeit im Ausland zu verbringen. Das ist eine großartige Chance, an internationalen Projekten zu arbeiten, fremde Kulturen kennenzulernen. Wir haben Leute, die zwei oder drei Jahre im Ausland verbringen.

Stichwort Auslandsaufent-

halte: Ist das auch während

der Lehrzeit möglich?

Nagl: Grundsätzlich lernen bei uns alle Lehrlinge den Außendienst innerhalb der EU kennen, das gehört bei uns zum Fixprogramm. Wenn sich jemand für einen längeren Auslandsaufenthalt interessiert, versuchen wir,

das einzurichten. An uns erem Standort in den USA ist das immer wieder möglich, auch andere Standorte kommen infrage.

Wie gefragt sind diese Auslandsaufenthalte?

Nagl: Tendenziell ist die Zahl der Mitarbeiter mit Reisebereitschaft eher zu gering als zu groß. Wer möchte, hat gute Chancen, sich den Wunsch zu erfüllen.