Ulrich Achleitner: Der Letzte trumpft auf. Ulrich Achleitner sieht seinen Betrieb als Siegharts’ letzten Mohikaner. Er produzierte zuletzt Schuhbänder für die Schallaburg.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 13. Juni 2019 (04:57)
Karin Widhalm
Ulrich Achleitner vor der Maschine, die Schuhbänder flechten kann. Schallaburg-Besucher verwenden sie zum Binden von Heftchen. Das ist noch lange nicht alles, was Silberbauer Textiltechnik kann.

Ein extra gebauter Webstuhl oder die Mini-Geige sind nicht die einzigen Waldviertler Exponate, die derzeit in „Der Hände Werk“ auf der Schallaburg besichtigt werden können. Vertreten ist zudem die Silberbauer Textiltechnik aus Groß Siegharts.

Sie produzierte eigens für die Ausstellung Bänder, darunter klassische Schuhbänder in Mint, Lila und Orange: Zu ihnen greifen Besucher, um mit ihren Händen ein Büchlein zusammenzubinden. Die Idee dazu kam aus dem Betrieb eine Woche vor Eröffnung: 11.000 Stück produzierte Ulrich Achleitner mit seinem Team in Rekordzeit.

 „Wir haben schon nachproduziert“

 „Das Binden der Heftchen wird von den Ausstellungsbesuchern sehr gut angenommen: Wir haben schon nachproduziert“, freut sich der Chef sehr. Auch, weil kaum jemand weiß, was Silberbauer Textiltechnik eigentlich tut. Dort wird gewebt, gewirkt (das Verschlingen von Fäden zu Maschen) und geflochten – für Kunden aus aller Welt, etwa aus Brasilien, Australien, Indochina, der EU oder USA. „Bis auf Afrika beliefern wir jeden Kontinent.“

Die Umstellung der Produktion vor 30 Jahren sicherte das Überleben – in einer Zeit, als andere Unternehmen in der Region zusperren mussten. „In Siegharts sind wir der letzte Mohikaner“, lächelt Achleitner. Er hat als junger Geschäftsführer die technische Produktion in der Fabrik aufgebaut.

„Wir können aus Glas Maschen herstellen“, führt er ein Beispiel an. Gearbeitet wird etwa mit Glasfaser oder elektroleitfähigem Garn. Das Endprodukt wird in Maschinen wie Elektromotoren verarbeitet. Jedes Erzeugnis wird mit dem Kunden ausgearbeitet, wofür durchaus Maschinen umgebaut werden müssen. Drei Jahre können von der Planung über die Testphase bis zur Produktion vergehen.

„Wir arbeiten nur exklusiv, das Produkt gehört dem Kunden“, wird sorgfältig Stillschweigen über den Prozess bewahrt. „Das wäre sonst unser Tod.“ 32 Mitarbeiter beschäftigt Achleitner. „Wir wachsen jedes Jahr zwischen fünf und zehn Prozent.“ Sein Sohn wird ihm voraussichtlich nachfolgen.

Die techniklastige Seite macht 90 Prozent der Produktion aus, die Wurzeln leben dennoch fort: Bänder werden nach wie vor hergestellt, etwa für Matratzen, Babyschnuller oder Rucksäcke der AUA-Stewardessen.