Workshop-Gründerin: „Schreiben ist die Hauptsache!“. Katalin Darthe erzählt, wie die Schreibwerkstatt in Groß Siegharts gewachsen ist und aus welchen Gründen Menschen daran teilnehmen.

Von Edith Hofmann. Erstellt am 18. Oktober 2020 (04:13)
Einige der Mitglieder der Schreibwerkstatt Groß Siegharts: Wolfgang Mundt, Kurt Fleischner, Claudia Rathmanner, Martina Panholzer, Erna Zoder und Leiterin Katalin Darthe.
Edith Hofmann

„An die Griffel, fertig, los …!“ – so könnte der Aufruf lauten, der freitags im zweiwöchigen Abstand im Bandlkramer-Schlossplatzl ertönt, wenn die Mitglieder der Schreibwerkstatt zusammen treffen.

Vor nunmehr zwölf Jahren wurde diese von Katalin Darthe ins Leben gerufen und fand beim damaligen Leiter der Volkshochschule, Hans Widlroither, sofort ein offenes Ohr. „Ich habe in Wien selbst immer wieder an Schreibgruppen teilgenommen und auch selbst welche geleitet. Ich wollte das auch im Waldviertel – meiner neuen Heimat – probieren,“ erinnert sich die Wahl-Waldviertlerin an einen jedoch nicht so ganz gelungenen Anfang der Schreibwerkstatt Groß Siegharts.

„Im ersten Jahr hat sich nur eine einzige Teilnehmerin gemeldet. Ich habe das Programm mit ihr alleine durchgezogen!“ Und ihr Durchhaltevermögen hat sich gelohnt. Im Durchschnitt gibt es mittlerweile acht bis zwölf Anmeldungen pro Ausschreibung, die „Schreiberlinge“ bleiben rund fünf bis sechs Jahre dabei.

Warum in die Schreibwerkstatt?

Schreiben könnte doch jeder Mensch für sich allein zu Hause. Manche –wie Wolfgang Mundt - tun dies auch. Er erinnert sich an seine ersten Abende in der Schreibwerkstatt: „Anfangs war es schwierig, in so kurzer Zeit den passenden Zugang zu einem Thema zu finden. Mittlerweile hat es für mich einen besonderen Reiz entwickelt, einen Text nach Vorgabe zu verfassen!“

Doch die Meisten finden zu Hause nicht die Zeit, sich mit dem Schreiben zu beschäftigen: „Ohne Gruppe setzte ich mich nicht an den Schreibtisch“, hört man so manchen stöhnen, auch wenn die Ideen fließen würden. Ebenso wird „Schreiben als Therapie“ als einer der Beweggründe angegeben, weshalb die vierzehntägigen Treffen eine Bereicherung für den Alltag dar stellen.

„Die Treffen sind ein Lichtblick in meinem Leben“, freut sich Erna Zoder auf die Schreibwerkstatt.
Edith Hofmann

Bereits seit elf Jahren dabei ist Erna Zoder, die mit ihren persönlichen Betrachtungen des täglichen Lebens und des bäuerlichen Brauchtums im Vergleich von damals zu heute die Mitschreiber immer wieder überrascht und fasziniert. Und auch selbst ist sie manchmal überrascht, welche Gedanken sie zu Papier bringt. „Ich schreibe nicht selbst, es schreibt mich‘“, erklärt sie im NÖN-Interview.

In der Schreibwerkstatt werden von Katalin Darthe Themen vorgegeben, die ihr manchmal spontan einfallen oder inspiriert sind durch Sprüche oder Bilder aus dem Internet. Interessant und vielfältig sind die Ergebnisse, die nach rund einer Stunde Schreibzeit präsentiert werden. Kein Text gleicht dem anderen. Eigene Erlebnisse aus dem Alltag fließen in die Geschichten ein und auch der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die Texte werden besprochen, Verbesserungsvorschläge gemacht, mögliche Fortsetzungen angeregt, diskutiert, aber es wird nicht kritisiert. Jeder Teilnehmer kann und soll seinen Stil beibehalten.

„Natürlich können die Teilnehmer selbst entscheiden, welche Stücke sie vortragen möchten. Ich finde aber die Lesung sehr wichtig, weil es ein gewisses Erfolgserlebnis ist, sein Geschriebenes auch präsentieren zu können!“ Von lustig bis nachdenklich, von Erlebtem übers Fantastische – die Besucher können gespannt sein, was die Schreibwerkstatt-Mitglieder für ihre Zuhörer aussuchen und vortragen werden.

Reinerlös geht an das Tierheim Schlosser

Eine Auswahl aus den Ergebnissen der Schreibwerkstatt wird im Rahmen einer Lesung am Freitag, 13. November, um 19 Uhr im Bandlkramer-Schlossplatzl zu hören sein, „sofern es nicht coronabedingt zu einer Änderung oder gar Absage kommt“, hofft Katalin Darthe. Für die musikalische Umrahmung sorgt Musikschulleiter Stefan Weikertschläger.

Reservierungen sind bei Katalin Darthe unter der Nummer 0676/4995965 erbeten. Der Reinerlös an freien Spenden bei der Lesung wird bereits seit Jahren dem Tierheim Erwin Schlosser in Gastern zur Verfügung gestellt, dessen Arbeit und Einsatz für den Tierschutz Katalin Darthe sehr schätzt.