Ärzte-Nachfolgerin: „Ist für uns ein kleiner Jackpot“. Kathrin Hofbauer übernimmt die Ordination in Großau. Wie die Nachbesetzung gelang, erfragte die NÖN am ersten Arbeitstag.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 03. Juli 2019 (04:56)
Widhalm
Eröffneten die Ordination mit neuem Team (v.l.): Ortsvorsteherin (und Mitarbeiterin) Martha Silberbauer, Monika Messerer-Sauer, Nadine Mühlberger, Sonja Litschauer, Kathrin Hofbauer und Vizebürgermeister Franz Fischer. Geöffnet ist Montag von 8 bis 12 und 14 bis 18 Uhr, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 8 bis 12 Uhr.

Montag, kurz vor acht Uhr früh: „Schau, da sind schon Patienten!“, sagt Nadine Mühlberger zu Kathrin Hofbauer – und die Freude ist den beiden Ärztinnen anzusehen. Das NÖN-Gespräch war am Ende angelangt, schnell rückt Hofbauer noch den Vorhang zurecht, um dann den ersten Ratsuchenden hereinzubitten.

13 Jahre lang war sie im Landesklinikum Waidhofen tätig und hat ihre Facharzt-Ausbildung in der Abteilung „Innere Medizin“ absolviert; am Montag hat Kathrin Hofbauer mit neuem Team die Ordination von Michael Stechauner übernommen. Die organisatorische Übergabe erfolgte schon in der Vorwoche, und den Kontakt zur neuen Ärztin baute die Stadtgemeinde Raabs vor mehr als einem Jahr auf.

„Jetzt schauen wir einmal, dass wir starten können. Das ist auch eine finanzielle Frage, die Barrierefreiheit muss gegeben sein.“ Kathrin Hofbauer über das Arzthaus

„Das ist für uns ein kleiner Jackpot“, freut sich Vizebürgermeister Franz Fischer sehr. „Es gibt in Niederösterreich nicht viele Gemeinden, die innerhalb eines Jahres die Stellen mit Zahnarzt und praktischem Arzt, wie hier in Raabs und dann noch in Großau, nachbesetzen können.“ Wie ist das gelungen?

„Wir haben uns als Gemeinde extrem bemüht, damit wir das Ganze schmackhaft machen können“, führt er aus. „Vom Finanziellen her haben wir oft nicht die Möglichkeit, aber es geht uns um das Persönliche und Menschliche.“ Der Arzt müsse sich willkommen fühlen. „Nicht immer ist Geld das Wichtigste.“

Hofbauer ist regional verankert: Das gibt sie einerseits als Grund für die Übernahme der Ordination an. Die gebürtige Oberösterreicherin wohnt in Seebs, ihr Mann hat ein Haus in Großau. Sie hat dort in der Ordination schon ausgeholfen, auch an anderen Standorten wie Groß Siegharts. „Das war einfach eine schöne Arbeit“, erzählt die 42-Jährige.

"Ich gehe mit einem weinenden Auge"

Wehmut überkommt sie aber schon: „Ich gehe mit einem weinenden Auge, und ich möchte mich an dieser Stelle sehr für die gute Zusammenarbeit und Ausbildung im Landesklinikum bedanken“, erklärt sie. „Das ist dort schon ein bisschen ein Daheim.“ Die zweifache Mutter hofft, dass sie sich die Zeit für ihre Familie besser einteilen kann. Hilfreich ist sicherlich, dass Nadine Mühlberger ihre Vertretung ist und sie jeden Mittwoch in der Praxis unterstützt. Die 37-Jährige hat ihren Turnus in der „Internen“ des Landesklinikums Waidhofen absolviert. Sie absolviert dort derzeit die Fachausbildung in der Anästhesiologie und Intensivmedizin.

Die gebürtige Wienerin ist aufgrund ihrer Freundschaften im Jahr 2014 in die Region gezogen und wohnt in Vitis. „Ich wollte schon immer eine Landarzt-Ordination haben, weil es mir Spaß macht“, erklärt Hofbauer und lächelt: Das antworte sie immer, wenn eine der Abteilungen des Landesklinikums sie gewinnen will.

Die Ordinationszeiten verändern sich nicht, und die Hausapotheke bleibt ebenso; was sich ändern muss, ist das Arzthaus an sich. Fischer weist das nicht von der Hand: Es sei in keinem guten Zustand.

Erneuerung des Hauses steht vor der Tür

Das Gebäude sei 80, vielleicht 100 Jahre alt. „Seitdem ist, ehrlich gesagt, nicht viel angegriffen worden.“ Heizung und Fenster seien „besonders schlecht“. Eine Erneuerung müsse angedacht werden; möglicherweise könne erst im nächsten Jahr gestartet werden, vielleicht aber doch noch heuer. „Jetzt schauen wir einmal, dass wir starten können“, setzt Hofbauer Prioritäten. „Das ist auch eine finanzielle Frage, mittelfristig muss die Barrierefreiheit aber gegeben sein.“

Eine recht einfache, aber wertvolle Erneuerung packte man schon am Montag an: Ein Wegweiser führt jetzt direkt zur neuen Ärztin in Großau, damit auch Ortsunkundige sie finden.