Kein Scherz: Oliven aus dem Norden. Josef Strohmer baut bei Retzbach Oliven an. Heuer trugen die Bäume drei Jahre nach dem Setzen erstmals einige Früchte.

Von Michael Schwab. Erstellt am 19. November 2019 (13:29)

Man könnte es für einen Scherz halten, und auch der Radio-NÖ-Gärtner Franz Gabesam war skeptisch, als Josef Strohmer aus Grossau ihm erzählte, dass er bei Retzbach im nördlichen Weinviertel Oliven anbaut.

„Wir bekommen alle möglichen Anrufe, und manchmal wollen Leute einfach ins Radio kommen und erzählen uns irgendwas“, meinte Gabesam beim Lokalaugenschein in Strohmers Olivenhain. Es stimmt: Bei Retzbach wurden tatsächlich schon vor drei Jahren Olivenbäume gepflanzt, die heuer auch schon einige Früchte trugen. Strohmer hatte Gabesam eingeladen, um ihm und anderen potentiellen Wald- und Weinviertler Olivenbauern Tipps zum richtigen Schnitt der Bäume zu geben.

„Eigentlich hätte ich hier Weinstöcke setzen sollen“, sagt Strohmer und zeigt auf seinen Olivenhain. „Aber ich dachte mir, das ist zu viel Arbeit, und glaubte, die Oliven sind weniger Aufwand. Aber ich lag falsch“, lacht er. Noch mag die Bezeichnung „Hain“ etwas hoch gegriffen sein, die meisten Bäume sind vielleicht einen Meter hoch oder noch kleiner. Aber es ist laut Strohmer der nördlichste Olivenhain Europas.

Strohmer hatte die Idee, die Bäume zu vermieten: Jeweils ein Jahr läuft der Vertrag, man darf und soll sich in dieser Zeit selbst um den Baum kümmern, kann die Pflege aber auch an Strohmer „delegieren“. Gerade die Pflege – oder das Fehlen selbiger in fachgerechter Form – dürfte laut Gabesam die Ursache sein, warum die Bäume bis jetzt erst einige wenige Früchte getragen haben.

Standort erinnert an Italien

Denn der richtige Schnitt ist essenziell, um Ertrag erzielen zu können. Kranke, schwache oder kreuzende Triebe müssen entfernt und die Krone mittels Formschnitt licht- und luftdurchlässig gemacht werden. „Weniger kann oft viel sein, man muss nicht jedes Jahr schneiden, alle zwei Jahre ist optimal“, riet Gabesam. Wichtig sei auch der richtige Schnittzeitpunkt, der bei unseren Klimabedingungen im Frühjahr liege. Im Herbst zu schneiden, sei nicht optimal, denn: „Die Olive mag keinen Frost, schon minus drei bis vier Grad fügen ihr großen Schaden zu.“

Den Standort beurteilte der Gärtner als sehr gut geeignet: Gut geschützt, wo nicht oft starker Frost vorkommt, mit steinigem, nicht zu humusreichem Boden. „Der Standort erinnert mich an Italien“, merkte Gabesam an. Nach dem Rundgang lud Strohmer zur Erntefeier. Jeder der 30 Baum-Mieter erhielt ein Säckchen mit Oliven.

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