Dobersberg: Tunnel für Kanalsanierung. Bergmännisches Verfahren wird zur Sanierung des Burgrechtkanals eingesetzt. Baustart könnte schon 2021 sein.

Von Michael Schwab. Erstellt am 20. November 2020 (04:36)
Der Kanal im Burgrechtgraben ist tief verschüttet und schwer zugänglich: Leonhard Meier und Martin Kößner beim Lokalaugenschein.
Schwab

Ein Großprojekt steht im Burgrechtgraben bevor: Wie in der NÖN berichtet, befindet sich der in den 1960er/1970er-Jahren unter Bürgermeister Maurer errichtete Kanal schon länger in einem schlechten Zustand und sorgt bei Hochwasser immer wieder für Probleme.

Der mittels Tunnelbohrung zu sanierende Abschnitt des Kanals im Burgrechtgraben reicht vom Jungherrteich bis zum ehemaligen Weinstabl- und Eggenberger-Areal, wo derzeit eine Wohnhausanlage errichtet wird.
Gemeinde Dobersberg / NÖ Atlas

Wahrscheinlich dürften schon bei der Errichtung beim Verschütten die Rohre verschoben worden sein, und im Laufe der Jahre sammelte sich immer mehr Erdreich über dem Rohr an, sodass es heute bis zu 13 Meter tief verschüttet ist.

Dementsprechend aufwendig gestaltet sich die Sanierung. Schon seit 2006 werden Überlegungen angestellt, wie man dies am besten bewerkstelligen könnte. Eine Kanalbefahrung heuer im Sommer zeigte massive Schäden, es kommt auch schon zu Ausschwemmungen an der Oberfläche, sodass Handlungsbedarf gegeben ist.

Rückhaltebecken wäre zu teuer, Förderung für Sanierung. Bei dem im Burgrechtgraben verlegten Kanal handelt es sich um einen Regenwasserkanal, der vom Maurerteich bis unterhalb der Kirche führt und beim alten Thayabad in die Thaya mündet. Das Einzugsgebiet umfasst die Burgrechtstraße, die neue Siedlung und Oberflächenwasser von umliegenden Feldern.

„Ursprünglich hätten wir einen Hochwasserschutz angedacht, doch ein entsprechendes Rückhaltebecken hätte 1,5 bis zwei Millionen Euro gekostet, was angesichts der wenigen gefährdeten Objekte zu teuer gewesen wäre. Jetzt gibt es die Möglichkeit im Zuge einer Sanierung des Kanals eine Förderung von 60-66 Prozent zu erhalten“, erklärt Bürgermeister Martin Kößner.

Tunnelbohrmaschine kommt zum Einsatz. Eine günstige Lösung mittels der Verlegung eines neuen, kleineren Rohrs innerhalb des bestehenden 600er-Kanals scheidet wegen der Schäden aus, daher will man auf eine Lösung mittels Tunnelbohrung setzen.

Mithilfe bergmännischen Geräts (Tunnelbohrmaschine) soll ein ein Meter großer Kanal (1000er-Rohr) gebohrt werden. Am Beginn des sanierungsbedürftigen Abschnitts beim Jungherrteich wird eine Drossel angebracht, um den Durchfluss auf das ursprüngliche Niveau eines intakten 600er-Rohrs zu begrenzen – andernfalls wäre ein umfangreiches wasserrechtliches Verfahren notwendig.

Der bergmännische Sanierungsabschnitt wird bis zum derzeit im Bau befindlichen neuen Wohnbau auf dem ehemaligen Weinstabl- und Eggenberger-Areal reichen. Ab dort kann der Kanal günstiger durch Aufgraben saniert werden.

„Es ist wahrscheinlich das erste Mal im Bezirk, dass bergmännische Verfahren für eine Kanalsanierung zur Anwendung gelangen“, ist Kößner stolz. Auch wenn das Vorhaben die Gemeinde 300.000 bis 500.000 Euro kosten wird.

Spätestens im Jänner 2021 soll die Projekteinreichung erfolgen, nach Förderzusage wird die Ausschreibung der Arbeiten erfolgen. Baustart könnte schon 2021 sein, ein Teil der Kosten ist bereits im Haushaltsvoranschlag vorgesehen.

„Der defekte Kanal blockiert die Siedlungserweiterung in der Burgrechtstraße und die Schaffung neuen Baulands, da der nötige Durchfluss nicht erreicht werden kann“, weist Kößner auf eine weitere Auswirkung hin.