Herka in Kautzen startet mit Zuversicht ins neue Jahr. Turbulent verlief das vergangene Jahr für die Firma Herka. Dennoch blickt man zuversichtlich ins neue Jahr. Mitarbeitersuche ist größte Herausforderung.

Von Gerald Muthsam. Erstellt am 06. Januar 2021 (04:27)
Herka-Geschäftsführer Thomas Pfeiffer blickt mit viel Zuversicht ins neue Jahr 2021.
Herka Frottier GmbH

Ein turbulentes Auf und Ab erlebte die Firma Herka in Kautzen im vergangenen Jahr. Dennoch blickt sie positiv ins Jahr 2021.

Volles Rohwarenlager bei Herka bereit zur Färbung im Schwesterbetrieb TVG im neuen Jahr.
Herka Frottier GmbH

„Für uns war 2020 wirklich ein sehr spannendes Jahr“, berichtet Geschäftsführer Thomas Pfeiffer. „Angefangen hat alles ganz gut. Wir haben 2019 investiert in Flexibilisierung und kleinere Mindestmengen. Das hat gut funktioniert bis Mitte März. Dann war schlagartig Panik angesagt.“ Einerseits seien die Aufträge ausgeblieben und andererseits hätten sie durch die Grenzschließung ein Drittel weniger Mitarbeiter gehabt. Sechs tschechische Mitarbeiter seien dankenswerterweise in Österreich geblieben, damit der Betrieb weiterlaufen konnte. Da die Firma auch für das Gesundheitswesen produziere, sei sie systemrelevant gewesen und habe die Pendlergenehmigung bekommen.

Schutzmasken aus der Hand gerissen

„Wir kamen dann auf die Idee mit den Mund-Nasenschutzmasken und haben weit vor anderen Herstellern am 23. März die Masken präsentiert“, erzählt Pfeiffer stolz. „Das war eine gewisse Achterbahnfahrt, weil auf einmal haben uns alle die Masken aus der Hand gerissen, doch wir hatten nicht das Personal, um sie zu konfektionieren.“ In Kooperation mit anderen Firmen seien sechs Wochen auf Hochtouren Masken erzeugt und verkauft worden, dann sei es plötzlich aus gewesen. Denn da seien die großen Importlieferungen gekommen.

Hotellerie weggebrochen

 „Das spannende war, dass dann jedoch wieder die Frottieraufträge begonnen haben, aber etwas anders als normal“, schildert der Geschäftsführer. „Üblicherweise erzeugen wir sehr viel für die Hotellerie, das hat in Österreich dann nicht mehr gut funktioniert. Auch das Gesundheitswesen ist weggebrochen. Es gab sechs Wochen in denen ich kein einziges Frottiertuch verkauft habe.“ Die Freude über den ersten Auftrag für Handtücher sei entsprechend groß gewesen.

„Wir haben daraus gelernt, dass man schnell sein muss. Es hilft uns auch die Kompetenz, dass wir eine Konfektion im Haus haben“, meint Pfeiffer. „Wir haben die Weberei und den Schwesterbetrieb in Gmünd mit der Veredelung und Ausrüstung. Da ist einiges an Know-How gebündelt. Ich habe erfahren dürfen, dass wir irrsinnig motivierte Mitarbeiter haben in der Verwaltung und den Bereichsleitungen, die die jeweils gesetzlichen Anforderungen betreffend Hygienebestimmungen und den Schutz der Mitarbeiter in kürzester Zeit umgesetzt haben.

Schwierig Personal zu finden

Seitdem die Grenzen wieder offen seien, habe man auch eine sehr stabile Personalsituation. „Was wir feststellen mussten, ist, dass es sehr schwierig ist, Personal zu finden“, beklagt Pfeiffer. „Das ist auch ein großes Thema für das neue Jahr. Wir haben zum Glück ein relativ junges Durchschnittsalter im Betrieb, aber die Branche hat leider nicht die Anziehungskraft wie die Metall- oder Luftfahrtindustrie. Vielleicht kommen wir auch wieder dorthin, wo wir gut Personal finden. Wir haben seit etwa drei Jahren eine Lehrstelle im Bereich Textildesign-Webtechnik offen. Seit etwa einem Jahr haben wir einen Lehrling im Haus, ich würde sofort einen Zweiten nehmen, aber ich finden keinen.“ Herka hat derzeit 70 Mitarbeiter in Kautzen und 42 in der TVG in Gmünd.

„Wir haben auch festgestellt, dass die Welt größer ist als Frottier. Mit ein paar kleinen Änderungen kommt man auf ganz tolle Sachen“, sagt Pfeiffer. „Vielleicht kommen wir 2021 auch weg vom Handtuch und zu neuen Produkten. Denn mit einem Handtuch kann man sich schwer abgrenzen, gegenüber anderen.“

Export gut funktioniert

2020 habe der Export wie nach Deutschland und die Schweiz gut funktioniert, obwohl man unter dem Brexit leide. Das Jahr der Krise habe Herka nur ein Minus von 2,4 Prozent beschert. Die TVG in Gmünd sei sehr stabil durch die Krise gekommen und sogar etwas gewachsen. Die technischen Gewebe seien sehr gefragt gewesen. Man wolle auch noch derzeit zugekaufte Wertschöpfung in die TVG integrieren.

„Die Herka und TVG-Familie ist in dieser Zeit menschlich sehr zusammengewachsen und ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als mit diesen Mitarbeitern zu arbeiten“, erzählt Pfeiffer erfreut. „Wir sind ausgesprochen zuversichtlich für 2021.“