H. Tichy und die Berge. Die Kulturbrücke Fratres würdigte die Verdienste des österreichischen Journalisten und Bergsteigers Herbert Tichy. Reinhold Messner begeisterte mit Vortrag.

Von Monika Freisel. Erstellt am 25. Juni 2014 (08:51)
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An Extrembergsteiger Reinhold Messner wurde Herbert Tichys Eispickel als Dauerleihgabe für das Messner Mountain Museum übergeben. Monika Freisel

Das Lebenswerk des österreichischen Journalisten, Geologen und Bergsteigers Herbert Tichy (1912-1987) stand im Mittelpunkt der Veranstaltung der Kulturbrücke im Gutshof am 21. Juni. In hochkarätiger Besetzung wurden Tichys Leben, Wirken und seine wegweisenden Leistungen gewürdigt. „Herbert Tichy, Philosoph und respektvoller Reisender zwischen den Kulturen“ lautete das Motto des Thementages.

Im Gespräch mit der Journalistin Verena Kienast erzählte der mit 96 Jahren bewundernswert vitale Bergfilmpionier Norman Dyhrenfurth über seine filmische und bergsteigerische Erfahrungen im Himalayagebiet. Herwig Frisch, Obmann des Vereins „Menschenwege-Götterberge“, umriss die Biografie Tichys, seine zahlreichen Expeditionen und 28 Bücher, in denen er fremde Menschen und Kulturen beschrieb. Kurt Luger, Professor an der Universität Salzburg und Vorstand von „Eco-Himal“, des Vereins für Entwicklungsarbeit im Himalaya, schilderte die kärglichen Lebensbedingungen in Nepal und die Hilfsleistungen von Eco-Himal in permanenter Zusammenarbeit mit den Einheimischen. Filmemacher und Autor Lutz Maurer, ehemaliger ORF-Redakteur, der Tichy in seinen letzten Lebensjahren begleitet hatte, veranschaulichte Tichys Einstellung zum Glauben und zur Religion.

Höhepunkt war der Vortrag von einem der erfolgreichsten und bekanntesten Bergsteiger der Welt, des Südtirolers Reinhold Messner. Der charismatische Abenteurer und Buchautor schilderte eloquent und fesselnd Herbert Tichys Erstbesteigung des Cho Oyu, des sechsthöchsten Berges der Welt, vor 60 Jahren. Messner würdigte besonders Tichys Herangehensweise, die völlig anders war als die zuvor übliche: Die Sherpas waren nicht mehr Träger, sondern Expeditionsteilnehmer mit gleicher Ausrüstung wie die Sahibs (die „weißen Herren“). Tichy startete die Tour mit nur 600 kg Gepäck, Nahrungsmittel wurden aus den Dörfern geholt. Sich dem Berg mit möglichst wenigen Hilfsmitteln zu nähern, vermittelte ihm die Erfahrung der eigenen Begrenzung. Messner betonte, wie wesentlich es sei, die Geisteshaltung Tichys weiter zu tragen.

Der Verein „Menschenwege-Götterberge“ übergab Messner anschließend Herbert Tichys Eispickel als Dauerleihgabe für sein Museum. Der aus Afghanistan stammende Musiker Sabahoon Khawar spielte traditionelle afghanische Musik auf dem indischen Harmonium. Im Ausstellungsraum werden Exponate aus Tichys ethnologischer Kunstsammlung und Expeditions-Ausrüstungsgegenstände gezeigt.