Bezirk Waidhofen: Betreuung stärker nachgefragt. Auch die Pflichtschulen sind im Heimunterricht. Hat sich an der Situation etwas im Vergleich zum Frühjahr geändert?

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 18. November 2020 (04:45)

Déjà-vu? Die Schulen in ganz Österreich gehen erneut in den Heimunterricht. Die Oberstufe des Gymnasiums, die Handelsakademie und die HTL Karlstein machten es vor zwei Wochen bereits vor. Jetzt sind mit der Verschärfung des Lockdowns auch die Pflichtschulen dran.

Im Frühjahr musste noch alles schnell gehen. Verlief die komplette Umstellung des Unterrichts jetzt anders, da schon seit Monaten für dieses Szenarion geplant wurde?

Gleiches System, mehr Ordung

An der NMS Waidhofen wurde der Übergangstag am Montag voll genutzt, um die Schüler auf die kommenden Wochen vorzubereiten. Rom wurde aber auch nicht an einem Tag erbaut. Die Vorbereitungen laufen laut Direktor Oswald Farthofer schon seit Schulanfang, teilweise sogar seit Juli.

Vor allem die Lehrer wurden auf den Heimunterricht vorbereitet und für die Kommunikationsplattform Microsoft Teams geschult. Das ist auch einer der größten Unterschiede zum letzten Lockdown.

Im Frühjahr wurde in der Hektik der Umstellung noch über verschiedene Plattformen kommuniziert. Das soll jetzt alles einheitlich und effektiver werden. „Es wird jetzt leichter, die Lehrer zu erreichen. Auch Whatsapp-Gruppen werden wieder reaktiviert“, erklärt Farthofer.

„Die Situation ist keindesfalls überfordernd. Wir werden sicher nicht in eine Winterdepression verfallen.“ Oswald Farthofer, Direktor NMS Waidhofen

Ein weiterer Fehler, aus dem gelernt wurde, ist die Zeiteinteilung. Im Frühjahr wurden Lehrer teilweise noch bis in die Nacht hinein kontaktiert. Damit ist jetzt Schluss. Fixe Arbeitszeiten werden eingeplant, der bisherige Stundenplan auch im Heimunterricht fortgeführt. Zusätzlich soll um 16 Uhr Schluss sein und die Lehrer auch ihre Ruhe haben.

Ein Betreuungsangebot wird es natürlich für alle Eltern und Kinder mit Bedarf weiterhin geben. „Mein Ersteindruck ist, dass die Betreuung jetzt stärker wahrgenommen wird, als im Frühjahr“, schildert Farthofer. Allerdings sei die erhöhte Nachfrage nur moderat, für die Kapazitäten der NMS kein Problem. Schwieriger sei dagegen die Planung.

„Manche Eltern wissen schon genau, wann sie die Betreuung brauchen, manche noch gar nicht. Wir müssen deshalb flexibel sein“, meint der Direktor. Notfalls wäre die Betreuung auch ohne Vorausanmeldung möglich. „Die Situation ist keinesfalls überfordernd. Wir werden sicher nicht in eine Winterdepression verfallen.“

Zweiteilung des Gymnasiums ist jetzt auch vorbei

Die Situation am Gymnasium war in den letzten zwei Wochen schon eine besondere. Die Oberstufen befanden sich im Heimunterricht und waren nur mehr für Schularbeiten in der Schule. Für die Unterstufen ging es währenddessen wie gewohnt weiter. Mit der erneuten Umstellung wird jetzt nur mehr das Betreuungsangebot in der Schule stattfinden.

Laut Senk ist beim Heimunterricht mit den jüngeren Schülern mehr Vorsicht geboten. „Rückmeldungen und Feedback von den Lehrern müssen schneller kommen. Wir wollen die Schüler natürlich auch nicht überfordern.“ Falls es einem Schüler doch zu viel werden sollte, wäre die Möglichkeit der Betreuung in der Schule auf jeden Fall gegeben.

„Im Frühjahr war das Hereinholen der Schüler noch schwieriger und nur in Ausnahmefällen möglich. Das sollte jetzt kein Problem mehr sein“, betont Senk. Der Direktor rechnet damit, dass das Betreuungsangebot jetzt verstärkt wahrgenommen wird. Der Bedarf werde aber bei den ersten und zweiten Klassen größer sein als bei den älteren.

Die Betreuung selbst wird in Gruppen von maximal neun Personen stattfinden. In der Schule werden die Hygienemaßnahmen dafür nochmals verschärft. Abstände von zwei Metern und permanente Maskenpflicht beim Kontakt mit Lehrern und Mitschülern ist schon fast nicht mehr wegzudenken.

„Es wird dann natürlich auch geschaut, dass die Aufgaben wirklich erledigt werden. Die Lehrer werden auch Hilfestellungen geben, aber das ist bei den Aufgaben in den vielfältigen Fächern natürlich manchmal schwierig“, sagt Senk. Es sei nur eine Unterstützung und kein Nachhilfeunterricht.

Neuer Stoff nur, wenn es unbedingt sein muss

Auch in den Volksschulen wurden am Montag die letzten Vorbereitungen für den Heimunterricht getroffen. Die Volksschule Vitis informierte die Eltern bereits am Wochenende über die weitere Vorgehensweise. Die bisherigen Erfahrungen und Vorbereitungen sollen jetzt zum Tragen kommen.

Fortbildungen zum Thema digitales Lernen wurden von etlichen Lehrern wahrgenommen. „Ich glaube, es wird jetzt einfacher sein als im Frühjahr“, meint Direktorin Gabriele Zach. Inhaltlich wird jetzt auf eine Vertiefung des bisher Gelernten gesetzt. Neue Aufgaben sollen laut Zach fürs Erste nur mit Bedacht verteilt werden, wenn es sich nicht vermeiden lasse.

Wie auch an NMS und Gymnasium wird das Betreuungsangebot auch in der Volksschule nun vermehrt wahrgenommen. Laut Zach sind etwa 15 Prozent der Schüler dafür angemeldet. Auch die Nachmittagsbetreuung bis 17 Uhr soll weiterhin möglich sein. Maskenpflicht besteht dabei zwar im Gebäude, jedoch nicht in der eigenen Klasse.

Die Obfrau des Vitiser Elternvereins, Ingrid Hartner, ist über die erneute Umstellung nicht glücklich. „Ich hätte mir gewünscht, dass es ohne Schulschließung gegangen wäre“, meint sie. „Die Psyche der Kinder wurde bei der Entscheidung gar nicht berücksichtigt. Sie brauchen den Kontakt zu Gleichaltrigen.“

Umfrage beendet

  • Ist der verschärfte Lockdown aus eurer Sicht notwendig?