Leihräder als Zankapfel in Waidhofen/Thaya. Vizebürgermeister Gottfried Waldhäusl wetterte gegen das Radinfrastruktur-Projekt der Kleinregion wegen hoher Kosten, nach Wortgefechten erfolgte doch Beschluss.

Von Michael Schwab. Erstellt am 06. August 2019 (15:49)
Matthias Ledwinka
Die Thayarunde brachte den Radtourismus in den Bezirk Waidhofen. Nun soll das Angebot durch Leih-E-Bikes verbessert werden. Die meisten Gemeinden beteiligen sich - auch Waidhofen gab eine Absichtserklärung ab, allerdings nach intensiven Debatten.

Gut eine halbe Stunde hitzige Wortgefechte und schließlich doch ein einstimmiger Beschluss – bei der Diskussion um die Anschaffung von Elektro-Leihrädern und weiterer Radinfrastruktur in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag fällt einem spontan der Titel von Shakespeares Komödie „Viel Lärm um nichts“ ein.

Insgesamt 72.603 Euro, verteilt auf vier Jahre, sollen die über die Kleinregion Zukunftsraum Thayaland zu beschaffenden 15 Sycube-Räder mit Terminals, vier Bike-Holder und 100 Fahrradständer vom Typ „Wiener Bügel“ kosten. Zu viel, fand Vizebürgermeister Gottfried Waldhäusl. Denn bei fraktionsübergreifenden Gesprächen unter der Federführung des damaligen Tourismus-Stadtrats Thomas Lebersorger (ÖVP) sei lediglich von 20.000 Euro die Rede gewesen.

„Du hattest als Vorstandsmitglied des Zukunftsraums dein Herz bei den Verhandlungen eher bei der Kleinregion, als bei der Stadtgemeinde Waidhofen“, warf Waldhäusl Bürgermeister Robert Altschach (ÖVP) vor. Es habe nicht nur lange gedauert, bis die Kleinregion endlich mit einem Modell gekommen sei, nun sei das Ganze auch fast viermal so teuer wie besprochen. „Ich kann da nicht mitgehen“, stellte Waldhäusl klar.

"Man muss 15 Gemeinden unter einen Hut bringen"

„So ein Projekt ist äußerst schwierig umzusetzen, man muss 15 Gemeinden unter einen Hut bringen. Der Zukunftsraum finanziert sich nur über Mitgliedsbeiträge und Projektkosten“, entgegnete Altschach. Man habe es immerhin geschafft, fast 50 Prozent Förderung für das Leihrad-Projekt zu lukrieren. Der Bürgermeister schilderte die Vorteile des Sycube-Systems: Die Räder können per App gebucht und in jeder teilnehmenden Gemeinde zurückgegeben werden, was nicht nur für Touristen, sondern auch für Alltagsradler interessant sei.

SPÖ-Gemeinderat Andreas Hitz meinte, ein Leihradsystem sei auch für jene Leute, die sich kein E-Bike leisten können, wichtig. Waldhäusl wetterte erneut über die Kosten und die Verzögerungen: „Wir haben Jahre vertan, auf die Förderung gewartet, und jetzt kostet es trotzdem fast 80.000 Euro. Es ist ein Unterschied, ob ich eine radfreundliche Stadt biete, oder bei solchen Projekten mitmache.“ Er gab auch zu bedenken, was in vier Jahren passiere, wenn die Räder verschlissen und auszutauschen seien, und holte zum Rundumschlag gegen den Zukunftsraum aus: „Die Effizienz ist bei den Leuten, die dort arbeiten, nicht die beste. Das ist eine Beschäftigungstherapie für ein paar Leute“, schimpfte der Vizebürgermeister.

Pfabigan ortete gewisse „Konzeptlosigkeit“

„Du bist gegen alles“, warf ÖVP-Gemeinderat Johann Kargl ein. Waldhäusl stellte daraufhin den Antrag, einen Beschluss lediglich als Willenskundgebung zu formulieren, und forderte, bis zur Voranschlagserstellung 2020 genaue Zahlen auf den Tisch zu legen.

SPÖ-Stadtrat Franz Pfabigan ortete eine gewisse Konzeptlosigkeit rund um den Radweg „Thayarunde“, sprach sich aber für das Leihrad-Projekt aus. IG-Stadtrat Martin Litschauer wies darauf hin, dass parallel dazu auch an der Erreichbarkeit der Innenstadt über geeignete Radrouten gearbeitet werden müsse. Altschach erklärte, das die Räder von der Kleinregion serviciert und ausgetauscht werden, und dass es eine Kostenkalkulation gäbe. Sorgen um die Ersatzbeschaffung seien daher nicht nötig. Damit waren alle Fraktionen zufrieden - einstimmig.