Groß Siegharts: Pfarrer Pichler tritt Ruhestand an. Pfarrer Josef Pichler blickt auf eine spannende Zeit als Missionar und Seelsorger zurück. Er wird in Puch weiter Messen lesen.

Von Gerald Muthsam. Erstellt am 29. Juli 2021 (04:51)

Pfarrer Josef Pichler wird nach 42 Priesterjahren im September seinen Ruhestand antreten.

Im Rückblick auf die vergangenen 42 Jahre machte der beliebte Pfarrer die überraschende Entdeckung, dass sich seine berufliche Tätigkeit in drei Zeitabschnitte von jeweils 14 Jahren zusammenfassen lässt: Zunächst war er 14 Jahre in Österreich tätig, als Kaplan in Zwettl und Krems und als Diözesan-Jugendseelsorger. Danach durfte er 14 Jahre lang als Missionar und Entwicklungshelfer in Ghana arbeiten. Und inzwischen ist er nun seit 14 Jahren Pfarrer in Groß Siegharts.

Josef Pichler stammt aus der Pfarre Bad Traunstein im Bezirk Zwettl. Seine Eltern hatten eine kleine Landwirtschaft. „Wir waren sechs Geschwister, von denen drei schon verstorben sind“, erzählt Josef Pichler, „die Brüder Franz und Hans, sowie Bruder Willi, der frühere Stadtpfarrer von Waidhofen.“

Die Matura absolvierte er 1970 in Seitenstetten, 1978 erfolgte die Priesterweihe in St. Pölten, von 1992 bis 2007 war er in Missions-Einsatz in Ghana. Seit 2007 ist er Pfarrer in Groß Siegharts, und seit 2010 auch für die Pfarren in Speisendorf und Puch zuständig.

Missions-Einsatz in Ghana

Eine sehr prägende Zeit für Josef Pichler war der Missions-Einsatz in Ghana. Eine Krise war damals ausschlaggebend für den Entschluss, nach Afrika zu gehen. „Wir hofften damals, die von Papst Johannes XXIII. aufgestoßenen Türen und Fenster der Kirche würden noch mehr frischen Wind in die verstaubten Strukturen der Kurie und der Pfarrgemeinden bringen“, erklärt Pfarrer Pichler. Doch es sei anders gekommen. Manchen Bischöfen ging es mit den Reformen zu schnell, manchen zu weit.

„In Afrika hatte ich mit meinen Bischöfen eine sehr gute Beziehung. Das waren junge Leute, die in Österreich oder Rom studierten und sehr nahe an den Leuten dran waren. In Österreich hatte ich teilweise die gegenteilige Erfahrung gemacht. In Afrika habe ich eine sehr junge Kirche erlebt. Die Hälfte der Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt. Junge Leute sind mit Begeisterung Christen geworden“ schildert Pichler seine Erfahrungen.

Die christlichen Missionen hätten sehr viel Wert auf Schulbildung und Krankenversorgung gelegt. Es seien auch Berufsschulen aufgebaut und Generationen von Lehrlingen ausgebildet worden. „Es war schön, das mitzuerleben“, ist der Pfarrer dankbar. „Die Jugendlichen in Ghana wurden aufgerufen, im Land zu bleiben, weil sie gebraucht würden, und nicht nach Europa flüchten sollen, wo sie dann ohnehin unterqualifiziert und unerwünscht sind.“

Menschen bei Entscheidungen miteinbeziehen. Bevor er nach Groß Siegharts kam, hätte man ihn gewarnt, dass eine Arbeiterstadt eine Herausforderung sein könne. „Ich habe gleich einmal eine Versammlung gemacht, mit Leuten, die bereit wären mitzuarbeiten. Da sind 60 Leute gekommen, da habe ich gesagt, so schlimm kann es nicht sein, versuchen wir es einmal. Das war dann ein guter Mitarbeiterstab. Wichtig ist, dass man die Menschen bei den Entscheidungen miteinbezieht“, weiß Pichler.

Angehörigen Trost vermitteln ist Seelsorge

Die feierlichen Anlässe der Taufen, Firmungen und Hochzeiten habe er nicht zusammengezählt. Als Seelsorger habe er sich gerne Zeit genommen für die Begleitung der Angehörigen von beinahe 700 Begräbnissen, wobei er seines Wissens nach kaum eines ohne einen persönlichen Nachruf gehalten habe. „Wenn ich bei Begräbnissen ein wenig Trost vermitteln kann, dann ist das gelebte Seelsorge“, meint Pfarrer Pichler, der auch mit tragischen Schicksalsschlägen konfrontiert wurde.

Natürlich ist die Bevölkerung gespannt auf den Nachfolger, Pfarrmoderator Pater Peter Budrewicz. „Er ist ein polnischer Ordensangehöriger, war schon viele Jahre Stadtpfarrer in Wien und auch Pfarrer in Tirol. Er ist vom seinem Orden für die polnische Provinz als Provinzial gewählt worden. Darum ist er noch einmal zurück nach Polen gegangen“, erzählt Josef Pichler. „Er ist jetzt 56 Jahre und wollte noch einmal etwas Neues beginnen. Als er das erste Mal kam, haben wir uns mit einem Lachen umarmt. Ich habe ihm auch meine volle Unterstützung zugesagt. Ich bitte darum, meinen Nachfolger offen, ohne Vorurteile und mit Wohlwollen aufzunehmen.“

Im Pfarrhof Puch leben

Josef Pichler wird in seiner Pension im Pfarrhof Puch leben. „Ich habe viele Freunde hier und werde die Gottesdienste weiterhin in der Pfarre Puch abhalten“, verrät er. In Puch habe er aber nur zwei Zimmer für sich, darum müsse er einige Dinge zurücklassen. Diese „Souvenirs vom Pfarrer“ werden am Samstag, 31. Juli, und Sonntag, 1. August, jeweils von 10 bis 18 Uhr im Pfarrhof Groß Siegharts für eine Spende angeboten. Erhältlich sind Bücher, Reiseführer, DVDs, Musik- und Foto-CDs, gerahmte Bilder der Erinnerung, Schnitzereien und Batikhemden aus Afrika und vieles mehr.

Am Sonntag, dem 5. September um 9 Uhr erfolgt die Verabschiedung von Pfarrer Josef Pichler und die Begrüßung des neuen Pfarrmoderators Peter Budrewicz.