Test-Fuchs feierte 75 Jahre: Kunstflug und Tag der offenen Tür

Erstellt am 27. September 2022 | 15:00
Lesezeit: 7 Min
1946 gründete Fritz Fuchs die Firma Fuchs & Ledl in einem Raum seines Wohnhauses in Sieghartsles. Siebeneinhalb Jahrzehnte später ist aus der Garagen-Firma ein international tätiger Luft- und Raumfahrkonzern mit über 550 Mitarbeitern geworden.
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Zur Jubiläumsfeier wurden am Freitag Mitarbeiter und ihre Familie sowie ehemalige Beschäftigte eingeladen. Am Samstag folgte ein Tag der offenen Tür mit Flugvorführungen und Rundgängen durch den Betrieb.

Den Festakt leitete Geschäftsführer Volker Fuchs persönlich mit einem Kunstflug mit einer Extra 330 der „Flying Bulls“ ein und zauberte Rauchfiguren in den Himmel. Spektakulär war auch der Helikopter-Kunstflug mit einer BO-105, den Siegfried Schwarz vorführte.

Nach der kleinen Flugshow ging es im Festzelt mit rund 1.000 Besuchern – Mitarbeiter, ehemalige Mitarbeiter, Familienangehörige und geladene Ehrengäste – weiter. Volker Fuchs ließ die Geschichte des Betriebes, der heute über 550 Mitarbeiter an mehreren Standorten auf der ganzen Welt (Österreich, Deutschland, Italien, Großbritannien, Frankreich, Singapur, China und USA) beschäftigt, Revue passieren.

Der gelernte Elektroingenieur Fritz Fuchs gründete die Firma Fuchs & Ledl im Februar 1946 und führte in einem kleinen Raum seines Wohnhauses in Sieghartsles Reparaturen an elektrischen Maschinen aller Art durch.

Schon 1947 wurde der Grundstein für die heutigen Firmengebäude in Groß Siegharts gelegt. Bald begann Fritz Fuchs, Prüfgeräte zu entwickeln, zunächst im KFZ-Bereich. Die Firma wurde in Test-Fuchs umbenannt, die starke Konkurrenz in der Fahrzeugbranche durch etablierte Unternehmen machte es schwierig, dort Fuß zu fassen.

Erster Luftfahrt-Auftrag kam vom Bundesheer

Durch einen glücklichen Zufall kam es zur Umorientierung auf die Luftfahrt: „Mein Großvater traf auf einer Messe in Wien einen jungen Offizier, der den Aufbau der österreichischen Luftstreitkräfte unterstützen sollte. Das Bundesheer brauchte Generatoren-Prüfstände, und mein Großvater erhielt damals den ersten Großauftrag des Bundesheeres“, erzählte Volker Fuchs. Parallel zum Aufbau der deutschen Luftfahrtindustrie Anfang der 1960erJahre begann Test-Fuchs, Prüfgeräte für die Luftfahrt zu entwicklen und zu fertigen und sich in der Branche als einer der führenden Hersteller zu etablieren.

Als Fritz Fuchs’ Sohn Ingo die Firma übernahm, standen die Computerisierung und Internationalisierung im Mittelpunkt. Test-Fuchs stieg in die Instandhaltung von Luftfahrzeug-Komponenten und mit der Entwicklung von Tieftemperaturventilen auch in die Raumfahrt ein. Seit 1995 entwickelt und produziert Test-Fuchs auch fliegende Komponenten für Luftfahrzeuge, unter anderem die Kraftstoffpumpen, die in den Christophorus-Notarzthubschraubern zum Einsatz kommen.

Volker Fuchs musste früh Verantwortung übernehmen

Im selben Jahr kam es dann zur Tragödie: Ingo Fuchs kam im 50. Lebensjahr bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, der erst 19-jährige Volker Fuchs musste in große Fußstapfen treten, zuerst auf Teilzeitbasis neben dem Studium, ab 2001 vollständig. Großvater Fritz und erfahrene leitende Mitarbeiter standen ihm zur Seite: „Sie haben mich sehr geprägt“, hob Fuchs hervor.

Es sei eine spannende Zeit gewesen, mit der Einführung des Airbus A380 und neuen Hydrauliksystemen, für die Prüfgeräte benötigt wurden – eine Chance, die Test-Fuchs nutzte. In der Wirtschaftskrise 2008 richtete sich der Betrieb noch internationaler aus. „Internationale Präsenz nahe beim Kunden wird in der Branche sehr geschätzt und ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor“, ist Fuchs überzeugt.

Durch das Wachstum der Firma wurden operative Änderungen in der Führungsebene erforderlich – Markus Nagl wurde 2016 als zweiter Geschäftsführer bestellt. 2018 wurde in den USA die erste Test-Fuchs-Produktionsstätte außerhalb Europas eröffnet.

Volker Fuchs betonte, dass der Erfolg des Unternehmens nur durch das Engagement der Mitarbeiter möglich war: „Jeder Einzelne ist für Erfolg oder Misserfolg der Firma verantwortlich. Daher möchte ich mich bei allen Mitarbeitern im Unternehmen bedanken.“

Durch die Corona-Pandemie und dem damit verbundenen größten Einbruch in der Geschichte der Luftfahrt (minus 90 Prozent) wurde den Mitarbeitern viel abverlangt: Um den Bestand des Unternehmens zu sichern, waren harte und schmerzhafte Maßnahmen wie Gehaltsverzicht und Kündigungen nötig.

Die Erholung gelang jedoch schneller als erhofft (die NÖN berichtete), und im Sommer konnte Test-Fuchs den Mitarbeitern den einbehaltenen Lohn samt einer Prämie auszahlen.

Luftwaffe: Test-Fuchs als verlässlicher Partner

Gerfried Promberger, Kommandant der österreichischen Luftstreitkräfte, ging auf die stark verbundene Geschichte des Bundesheeres und der Firma Test-Fuchs im Laufe der Zweiten Republik ein. Was mit dem Auftrag für Generatoren-Prüfstände im Jahr 1956 begann, hat sich heute zu einer gegenseitigen Kooperation auch bei der Lehrlingsausbildung mit einem regelmäßigen Austausch entwickelt. „Test-Fuchs ist ein verlässlicher Partner“, hob Promberger hervor.

Nationalratsabgeordnete Martina Diesner-Wais fasste die drei Zutaten des Erfolgsrezepts zusammen: Wertschätzung der Mitarbeiter, einen Chef, der seinen Beruf liebt und Visionen für die Zukunft.

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