Pollmann-Cher Auer: Risiko Rohstoffmangel. Seit September 2020 Betrieb auf Normalniveau, Fokus derzeit auf Mexiko. Größter Unsicherheitsfaktor ist Rohstoffmarkt.

Von Michael Schwab. Erstellt am 29. April 2021 (04:34)
Das neue Pollmann-Werk in Mexiko soll im September in Betrieb gehen. Auf rund 5.000 Quadratmetern Fläche werden dort 80 bis 100 Menschen arbeiten.
Pollmann, Pollmann

Vorsichtig positiv blickt man beim Automobilindustrie-Zulieferer Pollmann in die Zukunft. Derzeit gibt es keine Kurzarbeit, man geht von einer positiven Entwicklung für das Jahr 2021 aus.

Herbert Auer ist Geschäftsführer von Pollmann International.
NOEN

Was jetzt den Erholungskurs noch gefährden könnte und wie wirtschaftliche Erholung und erfolgreiche Pandemiebekämpfung Hand in Hand gehen, darüber sprach die NÖN mit Pollmann International- CEO Herbert Auer.

NÖN: Wie hat sich die Auftragslage bei Pollmann in den vergangenen Monaten entwickelt? Wie sieht der Trend für die nächste Zeit aus?

Herbert Auer: Grundsätzlich haben wir seit dem dritten Quartal 2020 eine deutliche Erholung verzeichnen können. Im zweiten Quartal hatten wir wie viele produzierende Unternehmen einen deutlichen Einbruch, seit September 2020 fahren wir aber wieder praktisch auf Normalniveau. Wir gehen auch für heuer von einer positiven Entwicklung aus.

Das heißt, es sind keine Maßnahmen wie Kurzarbeit mehr notwendig?

Auer: Aktuell haben wir am Standort Karlstein und Vitis keine Kurzarbeit angemeldet. Aufgrund der aktuellen Rohstoffsituation am internationalen Markt, ist die künftige Entwicklung derzeit jedoch schwer einschätzbar.

Wie sieht die Lage am Automarkt aus? Muss man da noch mit Einbrüchen rechnen ? Gibt es international gesehen Unterschiede?

Auer: Wir haben durch unsere weltweiten Standorte gesehen, dass dort, wo es große Fortschritte bei der Pandemiebekämpfung gibt, auch die Wirtschaft gut läuft. In China gelang die wirtschaftliche Erholung dank der effektiven Bekämpfung des Coronavirus deutlich schneller, dort herrscht heute ein fast normales Leben. In den USA war bzw. ist es ähnlich wie in Europa. Wir rechnen mit einer nachhaltigen Erholung im Jahr 2022, bis dahin müssen wir noch stark auf Sicht fahren. Dazu kommt noch der Mangel an Rohstoffen, der zu einer zunehmenden Herausforderung wird.

Stichwort Rohstoffmangel: Inwiefern betrifft das Pollmann?

Auer: Das ist kurz- bis mittelfristig das größte Risiko für uns. In den vergangenen Wochen haben mehrere Fahrzeughersteller begonnen, Kurzarbeit anzumelden, weil ihre Versorgung mit Computerchips stockt. Die Pandemie hat da den Markt durcheinandergewürfelt, es herrscht auch ein Mangel an Frachtcontainern, der die globalen Versorgungsketten durcheinanderbringt. Selbst die Blockade des Suezkanals durch ein havariertes Schiff hatte einen Einfluss auf die Lieferketten. Wir gehen auch beim Kunststoff von einer zunehmenden Knappheit aus. Wenn in den Werken der Automobilindustrie die Bänder still stehen, dann trifft das natürlich in weiterer Folge auch uns.

Wie sieht es angesichts dieser Unwägbarkeiten mit den Zukunftsplänen von Pollmann in Österreich und international aus?

Auer: Momentan sind wir gerade dabei, unseren neuen Standort in Mexiko aufzubauen. Dort entstehen auf rund 5.000 Quadratmetern Fläche 80 bis 100 Arbeitsplätze. Wir wollen von dort aus den gesamten NAFTA-Raum (Kanada, USA, Mexiko, Anm.) beliefern.

Wir haben uns dazu entschieden, unsere Beteiligung am US-Produktionsstandort in Illinois schrittweise zu reduzieren. Wir sind nach Mexiko gegangen, weil viele unserer Kunden auch in diese Richtung abwandern. Der Fertigungsstart in unserem mexikanischen Werk soll im September erfolgen, die Anlagen werden in Österreich gebaut und vor Ort aufgestellt.

In Österreich sind keine wesentlichen Änderungen geplant. Unser Werk in Vitis ist gut angelaufen, momentan gibt es aber keine Pläne für Erweiterungen. Wir haben aber den Standort so gewählt, dass ein weiteres Wachstum möglich ist. Derzeit konzentrieren wir uns aber primär auf Mexiko.

Wie sieht es aktuell in puncto Mitarbeiter-Nachwuchs und Arbeitsmarkt aus? Gibt es Jobs im Unternehmen, für die man schwer Leute findet? Wie sieht es mit der Lehrlingsausbildung aus?

Auer: Es gibt Spezialbereiche wie Vertrieb oder SAP (Betriebswirtschafts-Software, Anm.), wo es immer schwierig ist, Personal zu finden. Sonst haben wir eigentlich keine Probleme.

Unsere Lehrlingsausbildung läuft ganz normal weiter, da gab es durch Corona keinerlei Veränderungen. Die Lehrlingsausbildung ist seit 70 Jahren eine wesentliche Säule unseres Unternehmens und hat daher weiter einen hohen Stellenwert.