Riedmühle ist Vorreiter auf „Fischfang“. 1.500 Fischen wurden Chips implantiert, um ihren Weg durchs Wasserkraftwerk zu verfolgen.

Von Michael Schwab. Erstellt am 16. Juni 2019 (05:40)

Als Reinhard Bentz vor neun Jahren sein Wasserkraftwerk in der Riedmühle modernisierte, war „Fischabstiegshilfe“ noch ein Fremdwort.

„Ich sagte mir damals, ich baue nicht mein Kraftwerk neu, ohne es auch von der Gewässerökologie her auf den Stand der Technik zu bringen. Ich war der erste Kraftwerksbetreiber im deutschsprachigen EU-Raum, der eine Fischabstiegshilfe baute“, erzählt Bentz stolz. Durch die Vorreiterrolle war die Riedmühe wie prädestiniert für ein Forschungsprojekt, um die Bedeutung der flussabwärts gerichteten Wanderung für die Fischpopulation der Thaya zu evaluieren und Empfehlungen für zukünftige Planungen von Fischabstiegshilfen aufzustellen. Nach einem kleinen Projekt im Jahr 2012 setzte sich von 2016 bis heuer die Universität für Bodenkultur in Wien im Rahmen des Projekts „Fischschutz und Fischabstieg in Österreich“ auch mit der Riedmühle auseinander.

„Wir haben eine Mortalitätsrate von drei Prozent. Das ist niedriger als erwartet.“ Reinhard Bentz über eines der Ergebnisse aus dem langjährigen Forschungsprojekt.

Vier Möglichkeiten zur Wanderung gibt es: die Fischaufstiegshilfe, die Restwasserdotation am Wehr, die Fischabstiegshilfe parallel zur Turbine und die Turbine des Wasserkraftwerks selbst, deren Passage jedoch mit einem Verletzungsrisiko behaftet ist. Ein Feinrechen hält Fische, die größer als 16 Zentimeter sind, von der Turbine fern.

Um zu untersuchen, welcher Weg genommen wird, wurden etwa 1.500 Fischen Chips implantiert. Es zeigte sich, dass vor allem die Restwasserdotation und die Aufstiegshilfe besonders intensiv genutzt werden, obwohl dort nur ein geringer Teil der Gesamtwassermenge fließt. Die günstige Lage und gute Auffindbarkeit dürften hier die ausschlaggebenden Faktoren sein. Von 76 markierten Fischen stiegen 32 über die Wehrdotation, 26 über die Fischaufstiegshilfe, 18 über die Abstiegshilfe ab.

Insgesamt wurden zwischen Mai und Dezember knapp 1.400 absteigende Fische nachweislich gezählt. 275 wählten den Weg durch die Turbine. Die Rate der tödlichen Verletzungen lag bei 23 Prozent. „Das waren kleine Fische, die nicht durch den Feinrechen zurückgehalten wurden. Rechnet man alle Abstiege zusammen (hochgerechnet 15.000), haben wir eine Mortalitätsrate von drei Prozent. Das ist niedriger als erwartet“, so Bentz.

Die wesentliche Erkenntnis sei, dass man Auf- und Abstiegshilfen so gestalten muss, dass sie von Fischen als der leichtere Weg wahrgenommen werden, und dass die Turbinenhersteller gefordert sind: „Mit langsam drehenden Maschinen und geringen Spaltmaßen kann das Verletzungsrisiko bei den Turbinen verringert werden. Wir müssen den Herstellern sagen, was wir wollen.“

Die Maßnahmen bringen auch dem Betreiber Vorteile: „Man verhindert, dass Laub und Treibholz in die Turbine gelangen, und man kann das Rechen-Räumgut über den Fischabstieg wegschwemmen. Damit kann man bei Betreibern argumentieren, denen der Fischschutz zweitrangig ist.“