Siegfried Walch: „Konnten Projekte nicht unterbrechen“. Karlsteins Bürgermeister Siegfried Walch schildert Situation nach den Corona-bedingten Einnahmeneinbußen. Eigener Forstunfall erschwerte Arbeit.

Von Gerald Muthsam. Erstellt am 19. Februar 2021 (04:23)
Ein wichtiger Schritt war die Wiederherstellung der Augasse: Vizebürgermeister Matthias Kitzler, Bürgermeister Siegfried Walch sowie die Anrainer Hubert Maryschka und Ingrid Appl-Löffler.
Gerald Muthsam

Kein gutes Jahr hatte Bürgermeister Siegfried Walch 2020. Neben den Herausforderungen auf Gemeindeebene musste er auch einen schweren Forstunfall wegstecken.

Für Gemeindearbeit einige Zeit ausgeschaltet gewesen. „Das war nicht unbedingt super“, schildert der Ortschef, „denn nach dem Unfall am 3. März war ich einige Zeit für die Gemeindearbeit ausgeschaltet. Der erste Lockdown ist an mir eigentlich total vorbeigegangen, da ich drei Wochen im Krankenhaus war und mich danach zuhause erholen musste.“ In der Zeit hat Vizebürgermeister Matthias Kitzler die Amtsgeschäfte geführt. „Ich bin schon regelmäßig auf die Gemeinde gefahren, und wir waren immer in Verbindung und haben uns abgestimmt“, so Walch. Eine Gemeinderatssitzung musste im Frühjahr per Umlaufbeschluss abgehalten werden. Im Herbst, als sich die Coronalage wieder verschlechterte, wich man in die Turnhalle der Volksschule aus.

Einnahmeneinbußen durch weniger Kommunalsteuer. Es war auch relativ bald klar, dass die Gemeinde mit Einnahmeneinbußen rechnen musste. „Mit der Firma Pollmann haben wir einen relativ großen Arbeitgeber in der Gemeinde. Durch die Kurzarbeit schlug sich das sehr schnell auf die Kommunalsteuer-Einnahmen nieder“, schildert Walch. „Danach kamen auch schon weniger Ertragsanteile.“

Wäre schwer gewesen Projekte zu unterbrechen. Die Situation bei Pollmann hätte sich glücklicherweise relativ schnell über den Sommer wieder erholt und zum Jahresende hätte der Betrieb schon fast wieder seine üblichen Umsätze gemacht. „Wir konnten auch unsere begonnenen Projekte zu Ende bringen“, zeigt sich Walch erfreut. „Es wäre auch schwer gewesen, zu unterbrechen. Wir hatten einen Kanalbau und die Wiederherstellung in der Augasse. Ebenso die Erschließung am Schlosshang, da kann man nicht einfach aufhören, denn die Grundstücke waren zum Teil schon verkauft.“ Einmal wurde die Möglichkeit einer Darlehensstundung für eine kleine Summe angenommen, sonst kam man über die Runden.

Die Aufschließung des Siedlungsgebiets am Schlosshang war eines der großen Projekte im Jahr 2020.
Michael Schwab

Geplante Projekte werden verwirklicht. Heuer werden auch die schon geplanten Vorhaben verwirklicht, wie die Abwasserbeseitigung in Eggersdorf mit Kleinkläranlage und die Wiederherstellung nach dem Kanalbau in Schlader. „Ob wir heuer noch zur Wiederherstellung in Goschenreith kommen, ist noch nicht ganz geklärt“, sagt Walch.

Gründung eines Dorferneuerungsvereins ins Wasser gefallen. „Das einzige, was im Vorjahr durch Corona etwas ins Wasser gefallen ist, war die Gründung eines Dorferneuerungsvereins für den Ort Karlstein.“

Es gab im Sommer schon Workshops mit allen Vereinen der Gemeinde, in denen eine Projektliste erarbeitet wurde. Zur Präsentation im Herbst kam es durch die erneuten Beschränkungen nicht mehr. Den Gemeinderatsbeschluss zur Gründung des Vereins gibt es schon, das Projekt soll wieder aufgegriffen werden, sobald es möglich ist.

Fallen bei Strukturfonds durch. „Natürlich gibt es auch für unsere Gemeinde heuer weniger Ertragsanteile“, erklärt Walch die finanzielle Lage. „Jetzt gibt es auch ein zweites Gemeindehilfspaket, wobei wir beim Strukturfonds, aufgrund der relativ hohen Kommunalsteuer-Einnahmen von der Firma Pollmann, komplett durchfallen. Dieser Zuschuss kann in anderen Gemeinden doch einiges ausmachen, was ich so höre.“

Sehnsucht nach gesellschaftlichen Leben groß. Die Wünsche für das heurige Jahr liegen offensichtlich auf der Hand: „Wie alle anderen hoffe ich auch, dass wir die Pandemie endlich in den Griff bekommen und die Impfungen wirken bzw. die Leute sich auch impfen lassen, damit wir endlich wieder zu einer gewissen Normalität zurückfinden. Der Großteil der Leute hat zwar viel Verständnis für die Maßnahmen und trägt sie auch mit, aber alle sehnen sich schon wieder nach einem gesellschaftlichen Leben. Man kann nicht ungezwungen zusammenkommen und reden. Viele Dinge könnte man gleich in einem einfachen Gespräch, wie etwa bei einer Veranstaltung, leicht klären. Das fällt jetzt fast schon ein Jahr lang weg, und das ist mühsam.“