Heiße Wortgefechte bei Wolfsvortrag. Thema polarisierte Publikum, Diskussion artete zum Schluss in persönlichen Angriffen gegen Vortragenden aus.

Von Michael Schwab. Erstellt am 31. März 2019 (05:27)
Michael Schwab
Der Obmann des „Kautzener Kreises“, Gerhard Bräuer (links) und Christa Binder (rechts) mit dem Vortragenden Martin Balluch.

Die Rückkehr des Wolfes ins Waldviertel polarisiert wie derzeit kaum ein anderes Thema – dies wurde auch bei einem Fachvortrag von Martin Balluch im Pfarrheim am Freitag auf Einladung des „Kautzener Kreises“ deutlich.

Balluch berichtete von seinen Erfahrungen bei Wanderungen in den rumänischen Südkarpaten, wo 3.000 Wölfe leben:„Seit 15 Jahren wandere ich dort und hatte mehrere Wolfsbegegnungen. Täglich findet man Wolfsspuren und hört Wolfsgeheul. Ich schlafe immer im Wald im Zelt, und es gab nie ein Problem“.

Die Schafe in Rumänien würden von Hunderudeln oder Hirten mit Hund beschützt werden. In den letzten 300 Jahren habe es acht Angriffe auf Menschen, keinen davon tödlich, gegeben, laut Balluch alle in Selbstverteidigung des Wolfes gegen Jäger und keinen einzigen mehr seit 100 Jahren.

Der Wolf habe positive ökologische Auswirkungen durch eine Reduzierung des Reh- und Hirschbestands, damit verbunden weniger Wildschäden an Bäumen und weniger Wildunfälle. Außerdem seien die Wildbestände gesünder, da der Wolf bevorzugt kranke und schwache Tiere jagt. Argumente, welche einige Vertreter der Jägerschaft und Landwirte im Publikum so nicht stehen lassen wollten.

Da wurde die von Balluch geschilderte Besiedelungsdichte Rumäniens („Alle 25 Minuten stößt man auf einen Forstweg“) angezweifelt, auf eine Verbreitung von Tollwut durch den Wolf hingewiesen und Balluch eine Verharmlosung vorgeworfen.

„Geh hin, stell einen Zaun auf und zahl ihn“

Das Waldviertel sei keine unberührte Naturlandschaft mehr, sondern eine Kulturlandschaft, die mit Rumänien nicht vergleichbar sei, war ein oft geäußerter Standpunkt gegen den Wolf. „Und was ist mit dem Auslauf für die Nutztiere?“, warf ein Biobauer als Frage auf. Die Antwort Balluchs, einen Schutzzaun aufzustellen, stellte ihn nicht zufrieden. „Geh her, stell einen Zaun auf und zahl ihn“, forderte der Landwirt Balluch auf.

Ab diesem Punkt geriet die Diskussion ziemlich aus dem Ruder, bestand vornehmlich nur noch aus persönlichen Angriffen auf den Vortragenden, der als „Theoretiker“ hingestellt wurde.

Der Hinweis, dass Schutzzäune zu 100 Prozent von der EU gefördert werden, konnte die hitzigen Wortgefechte nicht stoppen, sodass Obmann Gerhard Bräuer nichts anderes übrig blieb, als die Diskussionsrunde zu schließen.