Groß Siegharts sieht Pinocchio, so gar nicht hölzern. Lebendig, energiegeladen und ein pures Vergnügen ist die Produktion „Pinocchio“ des Szene Waldviertel Festivals.

Von Gerald Muthsam. Erstellt am 27. Oktober 2020 (13:44)
Sophie Berger begeistert als Pinocchio, in der Fassung von Autor und Regisseur Holger Schober, Groß und Klein.
Gerald Muthsam

Ein pures Vergnügen von der ersten bis zur letzten Sekunde bietet das Kindertheaterstück „Pinocchio“ des Szene Waldviertel Festivals. Am Samstag war die Produktion von Regisseur, Schauspieler und Autor Holger Schober im Vereinshaus Groß Siegharts zu Gast.

Stück auf den Leib geschrieben

Der Gag-Lieferant schrieb dabei Pinocchio-Darstellerin Sophie Berger wieder einmal ein Stück maßgeschneidert auf den Leib. Sophie Berger, aktuell auch als Kaiserin Sisi in einem Werbespot eines Discounters zu sehen, zog als schier unbremsbares Energiebündel die großen und kleinen Zuschauer in ihren Bann.

Gespannt wartet man, ob irgendwann einmal das Tempo einbrechen würde, doch sie legt im Zweifelsfall noch ein Schäufelchen nach. Aus einfachen Requisiten werden all ihre Mitspieler zum Leben erweckt. Aus Holzklötzen werden Fuchs und Kater, eine Säge wird zum Wal, ein Pinsel zur Fee und ein Zange zur Taube.

Den Wechsel zwischen den Figuren meistert sie mühelos, ohne dass dabei die Charaktere verwaschen oder verloren werden. Zwischendurch streut sie zum Amüsement des Publikums irgendwelche Italo- oder Pop-Hits ein. Das Tempo stimmt, das Timing stimmt, einfach alles stimmt.

Lügen und Fake-News sind aktuelle Themen

Wie kam man darauf „Pinocchio“ zu inszenieren? „Es gab die Idee ein Stück für Tischlereien und Sägewerke zu produzieren, da lag Pinocchio auf der Hand“, erzählt Autor Holger Schober. „Aber auch weil Lügen und Fake-News gerade sehr aktuelle Themen sind.“ A

ls klar gewesen sei, dass Sophie Berger die Rolle spielen würde, sei er sehr glücklich gewesen. „Dann war auch sehr schnell die Idee da, das Stück nur mit Objekten, die wir in der Werkstatt finden, zu spielen“, schildert Schober. „Die Werkstatt lag gleich unter dem Proberaum, da haben wir uns von den verschiedenen Materialien und Werkzeugen inspirieren lassen.“

Spontane Ideen bei den Proben

Die Grundform der Stücke entstünde immer zuhause am Reißbrett, bei den Proben kämen noch spontane Ideen dazu. „Darum mag ich Schauspieler, die sehr flexibel sind“, meint der Autor und Regisseur. „Selbst bei der Generalprobe werden noch Gags eingefügt, aber da hat mich Sophie schon etwas gebremst.“

Stück noch zwei Mal zu sehen

Im November gibt es noch zweimal die Chance das Theatererlebnis zu sehen: am Samstag, 7. November im Gemeindezentrum Thaya und am Samstag, 14. November in der Mehrzweckhalle Irnfritz. Am Abend gibt es „Herr Rolf der Werwolf“ zu sehen.