Sixmühle: Stilsichere Restaurierung

Erstellt am 21. Mai 2022 | 04:21
Lesezeit: 3 Min
Besitzer will den Geist der Geschichte von alter Mühle wiederbeleben.
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Es setzt wohl ein Quantum Idealismus und auch Wagemut voraus, ein 600 Jahre altes, von der Zeit angeschlagenes, denkmalgeschütztes Gebäude zu erwerben und so zu restaurieren, dass der Geist der Geschichte wiederbelebt wird.

Im Jahr 1991 beschloss der 1947 in Amstetten geborene Unternehmer Alfred Höfinger, ein Domizil in ruhiger Gegend zu suchen. Es sollte möglichst eine alte Mühle sein, da solche zumeist in Einzellage errichtet wurden. Im darauf folgenden Jahr erwarb Höfinger die Sixmühle mit zahlreichen Nebengebäuden und die dazugehörigen acht Hektar großen Wald- und Wiesengründe.

Erste Erwähnung im 15. Jahrhundert

Die in malerischer Abgeschiedenheit gelegene ehemalige Getreidemühle wurde erstmals im 15. Jahrhundert in den Stadt- und Pfarrarchiven von Waidhofen erwähnt. Im Laufe der Zeit erfolgten fortlaufend bauliche Erweiterungen und Veränderungen, zuletzt 1906 in größerem Ausmaß. Bis 1930 wurde dort eine Betonmanufaktur betrieben. Der anschließende jahrzehntelange Leerstand verursachte erhebliche Schäden an Fassade, Dächern, Türen und Fenstern. Seit 2001 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Nach umfangreicher, von Spezialisten durchgeführter bauhistorischer Untersuchung und Befundung hat die Familie Höfinger mittlerweile die Restaurierung des repräsentativen Renaissance-Bauwerks in Auftrag gegeben. Das ursprünglich vorhandene Walmdach auf dem Westgebäude bzw. das Krüppelwalmdach auf dem Osttrakt – 1906 durch stilistisch störende Satteldächer im „Semmering“-Stil ersetzt – werden getreu dem Originalzustand wiederhergestellt. Ein in Waidhofen ansässiger Tischlermeister stellt dem Urtyp nachempfundene Türen und Kastenfenster aus Eichenholz her. Die Vorgehensweisen wurden mit dem Bundesdenkmalamt abgestimmt. „Die wertvollen Ratschläge und konstruktiven Leitlinien des Bundesdenkmalamtes geben mir Sicherheit. Dadurch können Fehler bei der Restaurierung vermieden und die Arbeiten fachgerecht durchgeführt werden“, ist Höfinger dankbar.

Sgraffiti und Gewölbe sollen erhalten bleiben

An der Fassade sind einige Sgraffito-Malereien zu sehen, die würdevolle mittelalterliche Kaufmanns-Figuren zeigen. Die weiteren, noch unter Putz verborgenen Sgraffiti werden behutsam von fachkundigen Spezialisten freigelegt. Das Innere des Gebäudekomplexes wird komplett entkernt, die schönen Kreuzgewölbe im Keller bleiben erhalten. Alfred Höfinger lässt in dem ehemaligen Mühlenhaus drei moderne, zeitgemäße Wohnungen für seine Familie errichten. Die Heizung des Hauptgebäudes und aller Nebengebäude erfolgt durch Erdwärme aus Tiefenbohrungen, der durch zwei Photovoltaikanlagen erzeugte Strom deckt einen Großteil des Energiebedarfes ab.

Die Familie Höfinger wohnt mit ihren vier Hunden in einem stilsicher und komfortabel ausgebauten Nebengebäude der Mühle. Ein parkähnlicher Garten liegt hinter dem Haus, fünf Pferde und ein Pony finden in dem nahe gelegenen Stall Unterkunft.

Ein schmaler Waldweg führt zum Naturdenkmal Paulstein, nicht weit vom Anwesen entfernt zieht die unentwegt mäandernde Thaya ihre Schlingen – ein kontemplativer Ort zum Wohlfühlen!

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