Kompletter Vorstand geht. Nach der Kündigung der wissenschaftlichen Leiterin zieht der Vorstand geschlossen die Konsequenzen. Außerordentliche Generalversammlung einberufen.

Von René Denk. Erstellt am 17. Juni 2014 (08:38)
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Die Archäologin Sandra Sam hat beim Museumsverein Waidhofen gekündigt.

WAIDHOFEN / Knalleffekt im Museumsverein Waidhofen: Die wissenschaftliche Leiterin Sandra Sam hat gekündigt, auch der Vorstand wird mit 15. September geschlossen zurücktreten.

Zur außerordentlichen Generalversammlung wird am 24. Juni geladen. „Wir werden dem Verein über die geänderte Situation berichten“, erklärt Obmann Martin Bogg im Gespräch mit der NÖN. Warum der Vorstand zurücktritt? „Sandra Sam hat die wissenschaftliche Leitung des Museumsvereins und hat auch viele Aufgaben des Tagesgeschäftes übernommen. Das war auch Voraussetzung dafür, dass sich die Vorstandsmitglieder zur Übernahme der Funktionen bereit erklärt haben. Bis auf eine Ausnahme stehen alle Vorstandsmitglieder fest im Berufsleben. Sam hat stets ausgezeichnete Arbeit geleistet.“

Bogg meint, dass es immer beabsichtigt war, die Stelle auf Vollzeit auszubauen. Dass Sam jetzt die Konsequenzen zog, versteht Bogg, denn sie sei seit 2003 halbtags angestellt. Außerdem gab es für Sam keine Sicherheit: Sie musste Jahr für Jahr zittern, ob die Stadtgemeinde wieder den Personalkostenersatz für den Verein aufbringen kann. Nach vielen Besprechungen war das letzte Angebot der Stadtgemeinde ein zusätzlicher Zuschuss von 5.000 Euro, auch die Marktgemeinde Thaya hätte für die Finanzierung 3.000 Euro mitbezahlt, dafür hätte sie sich aber auch für die Gemeinde Thaya einbringen müssen.

Manche sprechen von Euro, andere von einem Stundenausmaß, das man von 20 auf 25 Stunden hätte aufstocken können. „Die Gespräche mit der Stadtgemeinde über Sandra Sam waren über die Jahre hinweg zermürbend. Wir haben auch klar mitgeteilt, dass die Arbeit in der herkömmlichen Form nicht weitergehen wird“, erklärt Bogg weiters im Gespräch. Eine Vereinsauflösung sei weder Ziel, noch glaube Bogg, dass es so weit kommen wird. Er selbst werde dem Verein als Mitglied weiter angehören.

„Es wäre aber nicht okay, einfach zur Tagesordnung überzugehen. Sandra Sam war ein großer Glücksfall für den Verein und wird äußerst schwer zu ersetzen sein. Auch wenn man rasch eine neue kompetente Kraft findet, muss sie sich erst einarbeiten“, begründet Bogg die unumstößliche Rücktrittsentscheidung.

Sam ist noch bis zum Ende der Kündigungsfrist (Ende Juni) im Museum angestellt und baut jetzt ihren Urlaub ab. Sie bedauert, dass es nicht möglich war, mehr Geld aufzutreiben. „Seit zwei Jahren sprach ich verstärkt mit dem Verein, mit Altbürgermeister Kurt Strohmayer-Dangl und mit Bürgermeister Robert Altschach.“ Das Ergebnis war für Sam leider nicht zufriedenstellend, jetzt zog sie die Konsequenzen. „Ich habe noch keine neue Stelle, aber ich habe mich bereits beworben. Es gibt allerdings so gut wie keine solchen Stellen in der Region“, sagt Sam weiters.

Bürgermeister Robert Altschach betont, dass niemand - auch nicht seine beiden Vorgänger, soweit er wisse - dezidiert eine 40-Stunden-Stelle versprochen hätte: „Mit dieser Problematik müssen wir ganz behutsam umgehen. Es gibt schließlich nicht nur den Museumsverein, sondern viele andere Vereine und Institutionen in Waidhofen, gegenüber denen wir das auch rechtfertigen müssen. Trotz alledem waren wir bereit, um 5.000 Euro aufzustocken und hätten in Kooperation mit Thaya sogar 8.000 Euro aufstocken können. Weiters waren und sind wir auch bereit, das Budget auf längere Sicht (fünf Jahre) zu garantieren.“

Der Bürgermeister betont außerdem, dass man mit Sandra Sam „ausgesprochenes Glück“ gehabt hätte, dass sie diese Arbeit so lange gemacht hat. Eine 40-Stunden-Stelle in dieser Form sei in ganz Niederösterreich aber eher die große Ausnahme, als der Regelfall, vor allem in vergleichbaren Gemeinden.

Die Ausschreibung einer 25-Stunden-Stelle zu den nun besseren Bedingungen werde die Stadtgemeinde übernehmen, das Anforderungsprofil für die Stelle übernehme der Museumsverein.

Über die Zukunft des Vereins macht sich Altschach keine Sorgen: „Es muss weitergehen und es geht immer weiter.“ Kulturstadtrat Johann Kargl und er wollen versuchen, geeignete Personen für eine Vorstandstätigkeit zu motivieren.

Museumsverein

  • Der bis zum 15. September amtierende Vereinsvorstand: Obmann Martin Bogg, Stellvertreter Christian Schiefer, Kassier Riccarda Hofbauer, Stellvertreterin Beate Biedermann, Schriftführerin Ulrike Teubel, Stellvertreter Markus Führer, Kooptiertes Vorstandsmitglied Franz Fischer (Archivar).
  • Der Verein hat rund 500 Mitglieder, rund 30 Mitglieder arbeiten laut Martin Bogg aktiv mit.