Ausstellungs-Plan: „Wie wenn es kein Corona gäbe“. Jimmy Moser nimmt bei Ausstellungsplan für „Kunst.Galerie.Waldviertel“ keine Rücksicht auf Corona und reagiert flexibel auf Maßnahmen.

Von Michael Schwab. Erstellt am 17. Februar 2021 (04:44)

Sieben Ausstellungen mit insgesamt 23 teilnehmenden Künstlern plant Jimmy Moser in der „Kunst.Galerie.Waldviertel“ für die heurige Saison.

Wie schon im Vorjahr hält Moser an seinem Motto „not cancelled“ fest, verwehrt sich gegenüber vorsorglichen Absagen aufgrund der Corona-bedingten Planungsunsicherheit. „Wir haben unseren Plan so aufgestellt, wie wenn es kein Corona gäbe, und jede Veranstaltung wird auf die dann geltenden Vorgaben abgestimmt“, stellt Jimmy Moser klar. „Wenn es absolut keine Möglichkeit gibt, eine Ausstellung für Besucher zu öffnen, dann haben wir eben Pech und können als Notlösung nur einen virtuellen Rundgang auf unserer Website anbieten“, nennt er die Option für den schlimmsten Fall.

Zur Not nur virtueller Rundgang. Unabhängig von den Corona-Auflagen wird sowieso für jede der sieben Ausstellungen ein virtueller Rundgang erstellt, damit auch Leute, welchen das Infektionsrisiko zu hoch erscheint, daran teilhaben können. Darauf aufbauend sind je nach den geltenden Einschränkungen verschiedene Durchführungskonzepte denkbar: „Wenn es strikte Personenzahlbeschränkungen gibt, dann machen wir zwei Vernissagen mit Voranmeldung, eine am Freitag und eine am Samstag, damit jeder eine Chance hat, daran teilnehmen zu können. Durch die Anmeldung weiß man auch, ob man einen Platz hat und muss nicht riskieren, bei Auslastung der Kapazität unverrichteter Dinge wieder heimfahren zu müssen“, führt Moser aus.

Susanne Seidler: „In Licht gehüllt“.
Sonja Eder, privat

Start am 30. April. Sollten die Regeln ähnlich wie im Sommer des Vorjahres sein, gäbe es ohnehin keine Probleme. Da die „Kunst.Galerie.Waldviertel“ als Verkaufsgalerie bisher ähnlich wie ein Geschäft eingestuft wurde, rechnet Moser damit, dass er zumindest zu den üblichen Galerieöffnungszeiten Besucher in der Ausstellung empfangen darf, solange nicht der Handel ebenfalls im Lockdown ist. Im Falle eines Veranstaltungsverbots würde dann zwar die Vernissage ausfallen, nicht aber die Möglichkeit, sich die Ausstellung einzeln oder in kleinen Gruppen anzusehen. „Notfalls lassen wir die Leute einzeln durchgehen“, will sich Moser von Corona-Beschränkungen nicht unterkriegen lassen. „Was immer erlaubt ist, werden wir ausnutzen.“ Los gehen soll es am 30. April mit der Eröffnung und Präsentation der „Kunst.Buch.Bibliothek“ und der Dauerausstellung „Traubenwäscher“. Am gleichen Tag soll auch die Ausstellung „Hüllen“ von Myriam Urtz und Susanne Seidler (30. April bis 22. Mai) eröffnet werden.

Ein Traubenwäscher.
Sonja Eder, privat

„Da haben wir eine Ausnahme gemacht, weil die beiden Künstlerinnen im Vorjahr um die Vernissage und einen Teil der Ausstellungszeit umgefallen sind. Sie haben ein neues Thema aufgegriffen und die Coronazeit genutzt, um neue Ideen zu entwickeln, die sie uns jetzt präsentieren werden“, kündigt Moser an.

Bibliothek mit über 1.000 Kunstbüchern. Die Galerie habe die „tote Zeit“ ebenfalls genutzt, um eine Bibliothek mit Kunstbüchern aufzubauen. Mittlerweile umfasst die Sammlung über 1.000 Bücher von mehr als 30 Spendern. Auf der Suche nach Außergewöhnlichem stieß Jimmy Moser auf die Traubenwäscher-Privatsammlung von Paul Richter aus Tiefenbach bei Kautzen.

Die heute fast vergessenen Tafelgeräte aus Glas und Metall tauchten Mitte des 19. Jahrhunderts auf und wurden von vielen namhaften Glasmanufakturen hergestellt. Charakteristisch ist immer die stilisierte Form einer Traube in einem Metallgestell. Die Sammlung wird in der Galerie ein permanentes Heim finden.

Höhepunkt zum Waidhofner 850-Jahr-Jubiläum. Weiter geht es mit dem Höhepunkt des Ausstellungsjahres am 28. Mai anlässlich des 850-Jahr-Jubiläums der Stadt Waidhofen. In der Ausstellung „Die Stadt“ (28. Mai bis 4. Juli) gehen zeitgenössische Künstler aus Waidhofen wie Lydia Dürr, Tina Sischka, Stefan Reiterer, Andreas Biedermann, Florian Kainz, Günther Prokop, Marcus Stiehl und Harry Ergott der Frage nach, welche Bedeutung und welchen Einfluss ihre Stadt hat und hatte.

Ein Traubenwäscher.
Sonja Eder, privat

Klingende Bilder. Bunt und laut wird es bei der Ausstellung „Bilder.Fall.Klingel.Bilder“ (9. Juli bis 8. August) von Adolf Wallner und Reiner Tiefenbacher. Hier zeigt Adolf Wallner aus Waldhers erstmals seine „Klingel.Bilder“, sich bewegende Skulpturen und Dioramen. In großformatigen Aquarellen geht Reiner Tiefenbacher dem Thema „Verwandlung“ nach. Bei jeder Drehung um 90 Grad verwandeln sich die Arbeiten für die Betrachter in neue, ganz andere Bilder.

Tusche-Zeichnungen und unkonventionelle Landschaftsbilder. Vom 13. August bis 12. September ist die Ausstellung „blurry focus“ von Esther Stern und Judith Kerndl zu sehen. Stern passt analoge Techniken an das digitale fotografische Medium an und lichtet Landschaften auf unkonventionelle Art und Weise ab. Judith Kerndl zeigt großformatige Tuschezeichnungen auf Papier.

Familien-Ausstellung. Die Familie Walenta stellt vom 17. September bis 17. Oktober aus. Zu sehen sind Objekte aus Holz und Metall (Hermann Walenta) sowie Malereien von Edeltraud, Erasmus und Raffael Walenta. Wie im Vorjahr wird es auch eine „In Memoriam“-Ausstellung geben, diesmal mit Fokus auf erst kürzlich verstorbene Künstler. Vom 22. Oktober bis 21. November werden Werke aus den Nachlässen von Paul Seidl, Heinz Plazek und Jon Roberts zu sehen sein.

Den Abschluss macht die Ausstellung „Form meets spirit of nature“ von Ellen Schwendinger (Keramik) und Heinz A. Pachernegg (Pareidolie Fotografie auf Holz).