Bei Museumsstammtisch Märkte in Waidhofen durchleuchtet. Franz Fischer durchleuchtete die Entstehung der Märkte in Waidhofen und gab Einblick in kuriosen Dienstbotenmarkt.

Von Gerald Muthsam. Erstellt am 29. Januar 2020 (04:23)
Gerald Wais, Franz Fischer, Leopold Gudenus und Herta Schlosser beim Museumsstammtisch über das örtliche Marktgeschehen.
Muthsam

Das Marktgeschehen in Waidhofen durchleuchtete diesmal Franz Fischer beim Museumsstammtisch beim Kirchenwirt Jöch. Dabei erfuhr man etwas über die Entstehung der Märkte, warum es mit Thaya zu Konflikten kam und wie kurios der Dienstbotenmarkt in Vitis ablief.

Im späten Mittelalter spielte sich der Handel mit Waren aller Art hauptsächlich auf den Märkten ab. Auf den Wochenmärkten wurden gewöhnlich Lebensmittel gehandelt, während auf den weit bedeutenderen Jahrmärkten alle Bedürfnisse der Bürger bedient werden konnten. Ein Privileg für Wochenmärkte bestand in Waidhofen seit 1337. Herzog Albrecht II. gewährte 1343 das Privileg, einen Jahrmarkt am Tag der heiligen Apostel Philipp und Jakob zu halten: der heutige Maimarkt.

1403 kam der Markt am Rupertitag (24. September) im Herbst dazu und schließlich 1559 der dritte Markt im Jänner zu Pauli Bekehrung (25. Jänner). Die drei Jahrmärkte bestehen bis heute. Seit alters her gab es in Waidhofen auf dem Hauptplatz Viehmärkte, die später auf Plätze in der Nähe des Bahnhofes verlegt wurden.

Durch die Maut bei den Stadttoren und das zu entrichtenden Standgeld, das Händler bezahlen mussten, konnte die Stadt gute Einnahmen erzielen. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts erlitt der Waidhofener Wochenmarkt eine schwere Schädigung durch den im Nachbarort Thaya errichteten Wochenmarkt. Nach langjährigen Streitigkeiten und wiederholten Beschwerden der Stadt Waidhofen wurde der Markt in Thaya wieder eingestellt.

Für die heutige Zeit befremdlich lief der Dienstbotenmarkt in Vitis ab, bei denen die Bauern der Umgebung ihre Knechte und Mägde rekrutierten. Die Lokalzeitung „Waldviertler Nachrichten“ berichtete 1886: „Eine Waldviertler Spezialität ist der alljährlich am 5. Jänner zu Vitis stattfindende Dienstbotenmarkt, an welchem gewöhnlich zwei- bis dreihundert böh mische Dienstboten und doppelt so viele Bauern dahin kommen. Nach dem Empfang am Bahnhof begann alsdann das Feilschen wie um jede andere Ware.“