Ortschef Wistrcil: Test als einzige „Veranstaltung“. Bürgermeister Hermann Wistrcil blickt auf 2020 zurück und gibt einen Ausblick auf die Vorhaben der Gemeinde im neuen Jahr.

Von Michael Schwab. Erstellt am 27. Februar 2021 (04:19)
Bürgermeister Hermann Wistrcil im Interview.
privat

Fehlender Kontakt zu den Bürgern, Massentests als einzige Veranstaltungen im Pfarrstadl, zugleich im Brotberuf als Tischler so viel Arbeit wie schon lange nicht: Hinter Bürgermeister Hermann Wistrcil (ÖVP) liegt ein herausforderndes Jahr. Darüber und was er 2021 in Ludweis-Aigen vorhat, sprach Wistrcil mit der NÖN.

NÖN: Wie haben Sie als Bürgermeister das vergangene Jahr erlebt? Was waren die größten Herausforderungen?

Hermann Wistrcil: Die Corona-Pandemie und ihre Folgen waren mit Sicherheit die größte Herausforderung. Der direkte Kontakt zur Bevölkerung fehlte leider komplett, im Pfarrstadl sind alle Veranstaltungen ausgefallen. Der ‚Bunte Abend‘ musste wegen des ersten Lockdowns kurzfristig abgesagt werden, auch die Wirtschaftsmesse fiel ins Wasser. Wir hatten keine einzige Veranstaltung im Pfarrstadl, das Einzige was darin stattfand waren die beiden Massentests, die übrigens hervorragend über die Bühne gegangen sind.

Wie hat sich die Krise privat und beruflich auf Sie ausgewirkt?

Wistrcil: In meiner Tischlerei hatte und habe ich jede Menge Arbeit. Dafür bin ich sehr dankbar, ich freue mich, dass die Leute auf einmal das lokale Handwerk wieder mehr schätzen. Seit dem Sommer haben wir Probleme bei der Materialbeschaffung, es gibt Lieferengpässe bei Geräten und mittlerweile auch bei anderen Materialien. Die Suche nach Bezugsquellen bedeutet einen zusätzlichen Aufwand. Privat fehlen mir die Geburtstagsfeiern.

Wie stark wurde die Gemeinde selbst von Corona getroffen?

Wistrcil: Wir hatten bisher 27 Fälle auf rund 900 Einwohner. Man kennt also durchaus schon Leute, die betroffen waren, wobei die Schwere der Erkrankungen recht unterschiedlich ist. Dass Ältere generell schwerere Verläufe haben, muss nicht immer sein, ich kenne auch Familien, wo die Ältesten am wenigsten gelitten haben und die Jungen wochenlang krank waren.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Gemeindefinanzen aus? Gibt es Projekte, die verschoben oder gestrichen werden mussten bzw. müssen?

Wistrcil: Wir kommen auch mit den Unterstützungen nur auf rund drei Viertel der Summe, die uns normalerweise für Projekte zur Verfügung stehen würde. Wir mussten daher die Sanierung des Löschteiches in Drösiedl auf unbestimmte Zeit verschieben, und auch beim Projekt mit dem Haus Ludweis 37 wären wir ohne Corona schon weiter. Kurzfristig betroffen sind jetzt Vorhaben, die nicht unbedingt sofort realisiert werden müssen. Man kann zwei oder drei Jahre so weitermachen, aber dann wird es eng, weil man gewisse Sachen nicht mehr länger aufschieben kann.

Wie geht es mit dem Haus Ludweis 37 weiter? Was haben Sie damit vor?

Wistrcil: Wir wollen darin einen Arzt und einen Nahversorger unterbringen. Erste Planentwürfe sind da, vielleicht können wir uns schon zu Ostern in einer kleinen Gruppe zusammensetzen, um Details zu besprechen, sonst eben nach Ostern. Wir dürfen die Leader-Förderausschüttung für die Planung nach hinten schieben, das macht es etwas einfacher. Der Plan wäre, 2021 mit der Planung fertig zu werden und 2022 in die Umsetzung zu gehen.

Gibt es auch bei anderen Vorhaben coronabedingte Verzögerungen?

Wistrcil: Ja, bei der Visualisierung des Hochwasserschutzes für Kollmitzgraben. Da hätten wir der Bevölkerung Fotomontagen des Schutzes zeigen wollen, damit jeder sehen kann, wie die baulichen Maßnahmen aussehen werden, um in weiterer Folge die Entscheidung zur Umsetzung treffen zu können. Es gibt in der Bevölkerung Bedenken, denen wir mit dieser Darstellung begegnen wollen. Leider fiel das wegen Corona und Verzögerungen seitens des Planers ins Wasser.

Was wird sich heuer in Ludweis-Aigen so tun? Welche Vorhaben stehen auf dem Plan?

Wistrcil: Neben der Planung für das Haus 37 werden wir im Frühjahr die Kapelle in Radl sanieren. Dafür erhalten wir eine 50-prozentige Förderung aus der zweiten Bundesmilliarde für die Gemeinden. Sonst könnten wir das heuer nicht machen. Weiters gehen wir die Sanierung des Feuerwehrhauses in Seebs an, da muss die hintere Wand wegen Feuchtigkeitseintritts saniert und mit einer zusätzlichen Steinmauer vor weiteren Wasserschäden geschützt werden. Die Wasserversorgung von Kollmitzgraben und Sauggern wird endgültig an die EVN angeschlossen. Für die Seebsbachrunde haben wir einen Trinkbrunnen in Ludweis in Auftrag gegeben. Womit wir uns auch auseinandersetzen müssen, ist die Schaffung neuen Baulands, in Ludweis gibt es nur noch einen freien Baugrund, in Aigen noch fünf.