Ex-Amtsleiter: Handwerkskunst ist wahre Leidenschaft. Ehemaliger Amtsleiter Friedrich Kadernoschka hat in der Handwerkskunst seine wahre Leidenschaft gefunden. Heuer wohl weniger Geschäft.

Von Julia Fröhlich. Erstellt am 04. Dezember 2020 (05:26)

Er geht mit offenen Augen durch den Wald, um nach besonderen Stücken Ausschau zu halten und mit seinen hölzernen Unikaten Frauenherzen höherschlagen zu lassen: Friedrich Kadernoschka aus Ludweis.

In diesem Jahr machen auch ihm die Verordnungen einen Strich durch die Rechnung, da ihm zwei seiner Haupteinnahmequellen wegbrechen. „Sowohl der Weihnachtsmarkt im Schloss Allentsteig als auch jener von Kirsten Römer in der Trausmühle sind abgesagt worden“, erzählt er wehmütig, da er bei letzterem von Anfang an mit dabei gewesen ist.

Auch ein Kurs mit den Bäuerinnen des Waidhofner Bezirks ist ins Wasser gefallen. Deshalb setzt Kadernoschka jetzt verstärkt auf die Abholung seiner vorgefertigten Hölzer oder fertigen Kunstwerke.

Bereits im Herbst hat sich der 63-Jährige auf sein Bauchgefühl verlassen und weniger als sonst vorproduziert. Der Hobby-Tischler ist vorsichtig optimistisch, dass er ab dem 7. Dezember wieder aufsperren darf, rechnet aber verständlicherweise mit weitaus weniger Geschäft.

Kadernoschka schätzt Kundenkontakt sehr

Besonders den Kundenkontakt schätzt er enorm, denn vor dem Lockdown durfte er sich beim Werkeln ab und zu über Gesellschaft freuen. In Zukunft könnte er sich vorstellen, die Einfahrt zu einem größeren Schau- und Ausstellungsraum umzufunktionieren. Er umgibt sich gerne mit Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts und bezeichnet sich selbst als Frauenversteher.

Kein Wunder, denn schließlich weiß er genau, was ihnen im Bereich der Dekorationsartikel vorschwebt und ihre Herzen höherschlagen lässt. „Ich habe fast ausschließlich nur Kundinnen, und wenn sich einmal ein Mann blicken lässt, dann meist mit dem Hintergedanken, seiner Frau eine kleine Aufmerksamkeit zu schenken.“ Und falls ihm einmal die Ideen ausgehen, wendet er sich an seine „Weihnachtsengerl“.

„Meine Theaterkolleginnen und Kundinnen tragen immer neue Ideen an mich heran, da ich leider nicht so eine kreative, aber dafür handwerklich geschickte Ader besitze“, gesteht er schmunzelnd. Sie kommen mit konkreten Vorstellungen, die Kadernoschka dann ganz nach Wunsch in die Tat umsetzt. „Das Lächeln meiner Kundinnen ist unbezahlbar“, verrät er die Motivation für all seine Vorhaben.

Wahre Leidenschaft gefunden

Seine Herangehensweise und der damit verbundene Erfolg sollten ihm recht geben, denn vor über sechs Jahren hat er sich dazu entschlossen, sein Gewerbe anzumelden. Damals war Kadernoschka noch als Amtsleiter in seiner Heimatgemeinde tätig.

Nach dem Abschluss der Bundeshandelsschule in Waidhofen auf Wunsch seiner Eltern war er im kaufmännischen Bereich tätig: „Obwohl mich mein Brotberuf nie unglücklich gemacht hat, habe ich erst jetzt meine wahre Leidenschaft für mich entdeckt“, gesteht der Holzliebhaber, denn am Ende des Tages den Fortschritt zu sehen, erfüllt ihn ungemein.

Der 63-Jährige hat das Gefühl, endlich im Leben angekommen zu sein. Auch seine ältere Tochter hat das Werkeln mit Holz im Blut, sodass auch sie ab und zu mit ihm in seinem zweiten Zuhause, der Werkstatt, steht.

Beherrscht altes Handwerk des Wagners

Wenn er nicht gerade seinen erst zehn Tage alten Enkelsohn in Wien besucht oder seine Wälder aufforstet, verbringt der frischgebackene Opa jede freie Minute in seiner fast 100 Jahre alten Wagnerei. Dort hat er sich bereits als Kind pudelwohl gefühlt und den Duft frisch verarbeiteter Hölzer genossen.

Besonders gerne hat er seinem Vater über die Schulter geschaut, sodass Kadernoschka heute noch als einer der wenigen das alte Handwerk des Wagners beherrscht. „Gemeinsam mit meinem Vater habe ich Wintersportgeräte wie Skier oder Rodeln hergestellt“, erinnert er sich zurück, als wäre es erst gestern gewesen.

Aus dieser Zeit stammt auch noch ein besonderes Schmuckstück mit einer fesselnden Geschichte: „Während des Zweiten Weltkrieges hat mein Großvater eine alte Kettenfräse aus Deutschland importiert, und aus Angst, dass die Russen ihm diese nach Kriegsende wegnehmen, hat er sie vergraben.“ Erst vor wenigen Jahren habe er die besagte Stelle unter dem Boden entdeckt und sich an die Worte seines Großvaters zurückerinnert: „Da ist es mir schon kalt über den Rücken hinuntergelaufen.“

Kein Werkstück gleicht dem andern

Von praktischen Klassikern wie gedrechselten Schalen, Teelichthaltern und Buchständern bis zu in liebevoller Handarbeit hergestellte Geschenkanhänger, Laternen, Rindenbäumchen und hölzernen Herzen reicht sein Sortiment an Kunst- und Ziergegenständen.

„Der absolute Renner in diesem Winter sind Astscheibenbäumchen und Lochbäume mit kleinen Aussparungen, welche mit jeglicher Art von Kugeln oder Süßigkeiten aufgepeppt werden können“, erzählt er. Das Bemerkenswerte an seinen Werkstücken ist, dass keines dem anderen gleicht und jedes auf seine eigene Art und Weise besonders ist.