Stadtpfarrer Rennhofer: „Kirche bleibt offen!“. 28-Jähriger attackierte Dechant Josef Rennhofer verbal. Pfarrer appelliert an die Zivilcourage der Bevölkerung.

Von Michael Schwab. Erstellt am 10. Juli 2019 (05:59)
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Stadtpfarrer Josef Rennhofer will Kirche nicht absperren.

Äußerst unangenehme und beängstigende Momente erlebten Kirchenbesucher und Stadtpfarrer Josef Rennhofer am Wochenende vor zwei Wochen: Ein 28-Jähriger sorgte in der Waidhofner Stadtpfarrkirche für Wirbel. Der Mann betrat das Gotteshaus mehrmals, läutete Glocken und attackierte den herbeigeeilten Pfarrer verbal. Der Waldviertler soll unter anderem Kerzen am Altar entzündet und eine Frau beschimpft haben.

„Es herrschte große Verwirrung, es war eine beängstigende Situation“, erzählt Rennhofer, der dem Mann drei Mal begegnete. Leider sei es um die Zivilcourage schlecht bestellt: „Die Leute schauen lieber weg und machen sich aus dem Staub, aus Angst, irgendwo anzuecken. Dabei wäre es wichtig, bei solchen Vorfällen nicht wegzuschauen und entgegenzutreten und Beobachtungen zu melden“, appelliert Rennhofer.

Er könne vor dem Hintergrund solcher Vorfälle verstehen, dass manche Pfarrer sich dazu entschließen, ihre Gotteshäuser außerhalb der Messzeiten zu versperren. „Das will ich in Waidhofen aber nicht tun“, stellt der Stadtpfarrer klar, weist aber darauf hin, dass seiner Erfahrung nach die Zahl krimineller Vorfälle wie etwa Opferstockplünderungen im Zunehmen sei.

Verdächtigen angezeigt

Großes Lob hat Rennhofer für die älteren Frauen übrig, die bei einem der „Auftritte“ des 28-Jährigen Zivilcourage gezeigt hätten.

Nachdem der Mann dann auch noch einen Drohbrief am Pfarramt abgegeben hatte, erstattete Rennhofer Anzeige: „Man hat in so einer Situation einfach Angst. Man fragt sich, wenn man am helllichten Tag in die Kirche geht, was einen dort erwartet“.

Daraufhin klickten die Handschellen für den 28-Jährigen. Er wurde laut Polizei wegen gefährlicher Drohung angezeigt und in die Justizanstalt Krems gebracht.

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