Holzbauer in Niederedlitz startet mit Halle durch. Einbruchsdiebstahl im November 2019 stellte Existenz von Benjamin Lamprechts Betrieb in Frage. Jetzt läuft es gut.

Von Michael Schwab. Erstellt am 13. Januar 2021 (05:01)

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass aus dem auf Bautischlerei und Zimmerei spezialisierten Holzbaubetrieb von Benjamin Lamprecht Werkzeug und Maschinen im Wert von 50.000 Euro gestohlen wurden. Wie in der NÖN berichtet, stand die Existenz des Unternehmers nach dem Einbruch im November 2019 auf dem Spiel, einige Wochen lang war sich Lamprecht nicht sicher, ob er überhaupt weitermachen will.

Einbruch kam zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Damals befand sich gerade seine neue Halle im Bau – der Diebstahl des Werkzeuges, das nicht versichert war, traf Lamprecht zu diesem Zeitpunkt hart. Doch nach der Berichterstattung in der NÖN schlug dem jungen Unternehmer eine Welle der Hilfsbereitschaft entgegen. „Firmen haben mir Werkzeug geborgt und mir angeboten, in ihrer Werkstatt zu arbeiten, obwohl sie eigentlich Konkurrenten waren. Aber in so einem Fall zählt die Menschlichkeit mehr“, ist Lamprecht dankbar.

„Wenn wir es so weit geschafft haben, dann schaffen wir den Rest auch noch.“ Benjamin Lamprecht über seine Entscheidung, den Betrieb weiterzuführen.

Kunden entschieden sich bewusst für Lamprecht, um ihm zu helfen. Auch seine Kunden hielten ihm die Stange: „Es haben immer wieder Leute angerufen und gefragt, ob ich eh noch etwas mache. Sie hätten einen Auftrag für mich und wollen mir helfen“, erzählt der Holzbauer. Diese Hilfsbereitschaft und der Rückhalt in der Familie gaben Lamprecht die nötige Kraft und Zuversicht, um weiterzumachen: „Wenn wir es so weit geschafft haben, dann schaffen wir den Rest auch noch.“

Unter diesem Motto setzte Lamprecht den Bau seiner neuen Halle fort – kein leichtes Unterfangen, denn es galt, eine Flut an Kundenaufträgen abzuwickeln. Die Arbeit an der Halle musste da „nebenbei“ erfolgen. Von der Corona-Krise merkte Lamprecht nichts – im Gegenteil: „Während des ersten Lockdowns haben so viele Leute angerufen, dass ich auch 2021 noch damit beschäftigt bin, diese Aufträge abzuwickeln. Die Leute investieren jetzt in ihre Häuser, weil sie nicht auf Urlaub fahren konnten.“

Zusätzlicher Mitarbeiter eingestellt. Mittlerweile ist die Produktionshalle fertig, auch den eigentlich schon früher geplanten Schritt, einen zweiten Mitarbeiter einzustellen, konnte Lamprecht heuer nachholen: „Ich hatte vorher nur einen Zimmerer, jetzt habe ich zusätzlich einen Spengler und Tischler.“ Da der Betrieb nun drei statt zwei Leute umfasst, war coronabedingt eine kleine organisatorische Änderung nötig: „Wir dürfen nicht zu dritt im Pritschenwagen zur Baustelle fahren, jetzt fahren wir eben mit zwei Autos.“

Aktuell ist Lamprecht noch damit beschäftigt, das an die Halle anschließende Lager fertigzustellen, mit dessen Errichtung er zwei Wochen vor Weihnachten begann. „Die Verschalungsarbeiten werden im Winter erledigt, damit wir dann im Frühling mit den Häusern beginnen können“, plant Lamprecht. Losgehen soll es im Frühjahr 2021 mit zwei Wohnhaus-Aufträgen, die parallel abgewickelt werden sollen. Der Unternehmer ist zuversichtlich, den Rückschlag durch den Diebstahl bald aufholen zu können.