Nach Einbruch: „Weiß nicht wie es weitergehen soll“. Benjamin Lamprecht wurden aus Holzbaufirma Werkzeug und Geräte um 50.000 Euro gestohlen. Existenz ist in Gefahr.

Von Michael Schwab. Erstellt am 13. November 2019 (05:12)
Benjamin Lamprecht mit seiner Familie Sandra, Pia, Luca und Nico Gföller fassungslos vor der Halle, die die Einbrecher ausräumten.
Schwab

Als Benjamin Lamprecht am Donnerstagmorgen zur Halle seines Holzbaubetriebes am Ortsausgang von Niederedlitz fuhr, schwante ihm schon Unheil: Beide Tore der Halle, in der er sein Werkzeug und seine Maschinen gelagert hatte, standen offen.

„Da nur ich den Schlüssel habe und mein Arbeiter nicht, war klar, was hier geschehen sein musste, auch wenn ich es nicht gleich wahrhaben wollte“, schildert Lamprecht den Moment, als er sah, dass unbekannte Diebe (die NÖN berichtete online) sein Lager über Nacht ausgeräumt hatten.

„Die Kinder haben geweint und hatten Angst. Sie fragten: “Kommen die jetzt auch zu uns nach Hause?“Benjamin Lamprecht

„Alles, was ich in den letzten drei Jahren, seit ich mich mit meiner eigenen Firma selbstständig gemacht habe, investiert habe, ist jetzt mit einem Schlag weg. Ich habe nichts mehr außer dem Werkzeug im Bus, damit kann ich maximal auf Montage fahren, aber nichts produzieren“, klagt Lamprecht. Die erste Schadensaufstellung von 34.000 Euro erwies sich als zu niedrig, nach der vollständigen Erfassung der fehlenden Gegenstände sind es Werkzeuge und Geräte im Wert von knapp über 50.000 Euro, die Lamprecht fehlen.

Neue Halle für 270.000 Euro.

„Ich habe meine Gewinne in den letzten drei Jahren stets in die Firma investiert. Jetzt wäre es soweit gewesen, dass der Betrieb Gewinne auch für mich abwerfen würde, aber der Einbruch wirft mich zurück an den Anfang“, sagt der Holzbauer. Neben der alten Scheune, wo das Werkzeug gelagert wurde, errichtet er gerade um 270.000 Euro eine neue Halle, die dann auch entsprechend mit Alarmanlage und Scheinwerfern gesichert gewesen wäre.

Nun sieht Lamprecht die Existenz seines Betriebes gefährdet. „Ich habe drei kleine Kinder, Schulden vom Hausbau, die neue Halle, und weiß nicht, wie ich die 50.000 Euro aufbringen soll, um mir neues Werkzeug zu kaufen. Ich weiß nicht, wie ich das wieder einarbeiten soll“, ist Lamprecht verzweifelt. Eine Versicherung hat er nicht, sie wäre mit Kosten von einigen hundert Euro pro Jahr auch zu teuer für ihn gewesen.

Dazu komme noch der psychische Schock: „Die Kinder haben geweint und hatten Angst. Sie fragten ‚Kommen die jetzt auch zu uns nach Hause?‘.“ Auf der Suche nach Unterstützung in seiner schwierigen Situation wandte sich Lamprecht an Wirtschaftskammer und die Marktgemeinde Thaya, doch wirkliche Hilfe gäbe es nicht.

Täter hinterließen Spuren und halbvolle Flasche.

Schockiert ist der Jungunternehmer auch über die dreiste Vorgehensweise der Täter, die das Vorhängeschloss des Hallentors aufgezickt und dann in Seelenruhe die Halle ausgeräumt hatten. „Das muss um die eineinhalb Stunden gedauert haben. Sie nahmen auch eine Kiste Bier mit und ließen eine halb volle Limonadenflasche stehen, ohne sich Gedanken wegen möglicher DNA-Spuren zu machen. Auch ein Handschuh musste ihnen aus dem Auto gefallen sein, er lag einfach am Boden“, erzählt Lamprecht.

Werkzeug tauchte auf Website auf

Die Polizei riet ihm, auf der polnischen Website www.olx.pl nachzusehen, da die gestohlenen Werkzeuge gerne dort auftauchen. In der Tat konnte Lamprecht einige seiner Maschinen identifizieren, die dort ganz normal als „Gebrauchtgeräte“ angeboten wurden. Wirklich nützen tut ihm dieses Wissen jedoch auch nichts. Die polnische Justiz arbeite nicht mit Österreich zusammen, sei ihm gesagt worden.

Screenshot

Gleiche Täter wie in Schirnes?

Bezirkspolizeikommandant Paul Palisek bestätigt, dass man nur mit einem internationalen Haftbefehl etwas erreichen könne, doch dafür müsse erst einmal der Täter bekannt sein. Die Spurenlage bei Lamprechts Halle deute darauf hin, dass die gleichen Täter wie vor zwei Wochen in Schirnes am Werk gewesen sein könnten – die Auswertung stehe aber noch aus. „In Verbindung mit dem Landeskriminalamt werden wir koordinierte Maßnahmen, unter anderem mit Zivilstreifen, setzen“, kündigt Palisek an.

Die NÖN fragte beim Betreiber der Website www.olx.pl nach, wie man mit Angeboten von gestohlener Ware umgehe: „In solchen Fällen empfehlen wir immer, sich an die örtliche Polizei zu wenden. Auf Anfrage stellen wir Daten zur Verfügung, die zur Lösung des Falls beitragen“, lautet die schriftliche Stellungnahme. Die NÖN fragte auch beim polnischen Innenministerium nach, erhielt aber bis Redaktionsschluss keine Antwort.

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