„Is(s) von Do“: Was das Regionale bringt. Das Beispiel Wunderlich schildert, was die Stärke der Bauern ist und wo Probleme liegen.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 19. Juni 2019 (04:46)
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Vorm Feld (v.l.): Siegfried Walch, Gebietsbäuerin Doris Gutkas, Franz Fischer, Kammerrat Roland Rabl, Bauernkammer-Beraterin Nicola Krenn, Bauernladen-Obfrau Ingrid Kraus (Dobersberg), Kammersekretär Herbert Gutkas und Niki Noe-Nordberg mit (vorne) Elfi und Franz Wunderlich.

Wie groß der Stellenwert regionaler Produkte ist, hört Franz Wunderlich an einer Frage seiner Kunden heraus: „San de eh vom Stift?“. Sie wollen wissen, ob sie Erdbeeren aus Zwettl kaufen. Wunderlich ist einer der größten Produzenten: Er bewirtschaftet Erdbeerfelder in Hausleiten (Bezirk Korneuburg), Obergrünbach, Grünau, Mörtersdorf (Bezirk Horn) und auf Gründen des Stifts Zwettl.

Den Leuten sei wichtig, dass das Produkt quasi vor der Haustüre wächst. „Da spielt der Preis in erster Linie keine Rolle“, erklärt seine Frau Elfriede. „Preislich können wir mit den osteuropäischen Ländern nicht mithalten und das wollen wir auch nicht.“ Die Qualität sei ein großer österreichischer Vorzug.

„Ein großes Problem ist, dass irgendwelche Lebensmittel als österreichisches Produkt verkauft werden, obwohl das nicht so ist.“ Franz Wunderlich

„Wir müssen hervorheben, dass wir mit höheren Standards und höheren Kosten in kleineren Räumen produzieren“, erläutert Obmann Nikolaus Noé-Nordberg eine der Aufgaben der Bauernkammer. Er stattete mit weiteren Vertretern dem Familienbetrieb in der vierten „Woche der Landwirtschaft“ am vorigen Donnerstag einen Besuch ab, um den Wert der Regionalität hervorzuheben. Titel: „Is(s) von do: Sicher versorgt.“

Wichtig ist, „die Wertschöpfung in der Region zu halten und in der globalen Welt zu bestehen“, betont Noé-Nordberg. Aber wie funktioniert das? Die Wunderlichs sind Direktvermarkter: Sie suchen mit Verkaufsständen den Kontakt zum Kunden.

„Wir erzielen jedes Jahr ein Umsatzplus“, erzählt Elfi Wunderlich. Geführt wird auch ein „Drive-in“ an der B 4 in Stockerau. „Die Deutschen sind Vorreiter, sie haben riesige Hofläden“, beschreibt der Chef eine Entwicklung, die Österreich aufgreifen solle.

Parallel dazu bestehen Übereinkommen mit Handelsketten. Vereinbart wird stets ein Mindestpreis, sonst können laufende Kosten (wie Löhne) nicht gedeckt werden. „Ein großes Problem ist, dass irgendwelche Lebensmittel als österreichisches Produkt verkauft werden, obwohl das nicht so ist.“ Franz Wunderlich berichtet, dass in Joghurt oder Marmelade keine Erdbeeren aus Österreich verarbeitet werden. Er bemüht sich seit Jahren, mit einem Verarbeitungsbetrieb zu kooperieren. Das gelang 2018 mit „Staud’s“ (Wien): Tiefgefrorene Erdbeeren werden weiterverarbeitet. Ressourcen können so optimal genutzt werden.

Balsamessig und Gin aus Erdbeeren

Die Erdbeere ist eine schnell vergängliche Frucht und obwohl sie nur kurz höchste Qualitätskriterien erfüllen kann, heißt das nicht, dass sie nicht essbar wäre. Sie kann zu haltbaren Produkten verarbeitet werden. „Wir versuchen, das selber zu tun, aber uns fehlt die Zeit“, schildert Wunderlich. Balsamessig und Gin aus Erdbeeren sind die zuletzt kreierten Produkte.

Dass die Landwirtschaft weiter ihrer Arbeit nachgehen kann, ist für Noé-Nordberg nicht selbstverständlich. Er denkt hierbei an Bewässerungsprojekte: „Jeder Tropfen ist hart erkämpft“, beginnt er seine Erklärung. „Wenn gesetzliche Rahmenbedingungen nicht geändert werden, dann wandern die Produzenten fort.“ Erdbeeren werden immer produziert werden, die Frage stelle sich, wo. Dabei führe Regionales zu einer Win-win-Situation: Die Region werde gestärkt und der Konsument wisse, dass hinterm Produkt Menschen und kein anonymer Konzern steht.

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