Uhrenherstellung in Handarbeit für die Ewigkeit gebaut. Uhrmachermeister Bernhard Wagner stellt in monatelanger Arbeit hochwertige mechanische Uhren her, die sehr präzise gefertig werden müssen.

Von Michael Schwab. Erstellt am 17. November 2017 (04:17)
Michael Schwab
Bernhard Wagner stellt in seiner Werkstatt hochwertige mechanische Uhren her - vom „Zappler“ bis zur Salonturmuhr.

„Für eine hochwertige Uhr gibt es nur ein Ablaufdatum - die Ewigkeit“ - das ist der Leitspruch des Uhrmachers Bernhard Wagner, der sich in seiner Werkstatt in einem unscheinbaren hellblauen Haus in Oberndorf bei Raabs der Fertigung aufwendiger und präziser mechanischer Uhren in Handarbeit widmet.

Wagner schloss 2008 die Fachschule für Präzisions- und Uhrentechnik mit dem Meistertitel ab. „Mein Berufswunsch war von Anfang an, Uhrmacher zu werden, weil ich mich für Geschichte, Handwerk und Technik interessiere. Der Uhrmacherberuf vereint diese Dinge“, erzählt Wagner, der nach seiner Meisterprüfung nach Wien ging und dort verschiedenen Jobs als Uhrmacher und Schätzmeister nachging.

Rückkehr in die Heimat Beginn der Herstellung

Rasch kam die Ernüchterung, dass der Alltag des typischen Uhrmachers nicht unbedingt den eigenen Wunschvorstellungen entsprach. „Zum Batteriewechseln braucht man keinen gelernten Uhrmacher. Mir war klar, dass es so nicht weitergehen kann“, sagt Wagner. Deshalb ging er zurück in seine Heimat, um sich zunächst mit einer Reparatur- und Restaurationswerkstätte für Uhren selbstständig zu machen.

Seit seiner Schulzeit hatte er auch den Wunsch, eigene Uhren herzustellen, und zwar mit höchsten Ansprüchen an Verarbeitung, Genauigkeit und Haltbarkeit - Uhren, wie sie ab dem 18. Jahrhundert bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut wurden, die man seinen Kindern über Generationen vererben kann und die zwischendurch nur einfache Wartungsarbeiten benötigen und keinesfalls gleich den Tausch kompletter Baugruppen.

Seine ersten selbst hergestellten Uhren waren sogenannte „Zappler“, die im Biedermeier beliebt waren. „Damals waren bei einer Uhr sämtliche Oberflächen veredelt, auch an Stellen, die man nie zu Gesicht bekommt. Die gleichen Ansprüche stelle ich auch“, erklärt Wagner.

Sein aktuelles Projekt ist eine Wand-Pendeluhr mit einem hochpräzisen Regulatorwerk, das mit einmal Aufziehen einen Monat lang läuft. Aufgrund der dafür erforderlichen großen Übersetzungen der Zahnräder wirken sich kleinste Ungenauigkeiten in der Fertigung massiv auf Funktion und Ganggenauigkeit aus. Wagner baut seit Juni an einem Prototypen, für die Produktionsmodelle hofft er, auf eine Fertigungszeit von etwa zwei Monaten pro Stückn.

Uhren sind allerdings kein Schnäppchen

Durch den hohen Material- und Arbeitsaufwand ist eine solche Uhr freilich kein Schnäppchen. Rund 20.000 Euro muss der Käufer für diese auf Bestellung gefertigten Einzelstücke bezahlen. „Verglichen mit anderen mechanischen Uhren von bekannten Herstellern ist mein Preis immer noch sehr günstig“, stellt Wagner klar. Zwei Fixbestellungen hat er bereits für den „Monatsläufer“, wie die Regulator-Pendeluhr bezeichnet wird.

Eine große Herausforderung ist die Beschaffung der Rohmaterialien und Teile, da diese heute oft nicht mehr hergestellt werden und moderne Massenfertigungsverfahren nicht präzise genug sind. Wagner stellt deshalb so viel wie nur möglich selbst her.

„Man darf diese alten Stücke nicht unterschätzen. Wenn der Bediener damit umgehen kann, sind sie genauer als so manche moderne CNC-Maschine“, ist Wagner überzeugt. Er hat bereits das nächste Projekt im Kopf - einen „Jahresläufer“. „Das ist die Krönung der Uhrmacherkunst - eine Uhr, die ein ganzes Jahr ohne Aufziehen läuft“, erklärt Wagner.