Jubiläum: Den Wind seit 25 Jahren im Rücken. Festredner sehen die 1994 gegründete W.E.B Windenergie AG als eine erste Grundlage, um der Klimakrise zu trotzen.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 11. September 2019 (04:33)

Wenn der Bundespräsident in einem 400-Seelen-Ort angekündigt ist, dann ist die Frage nach dem Warum gar nicht unwahrscheinlich. Sie klärt sich rasch: Die W.E.B Windenergie AG feierte den ersten Schritt zur Gründung vor 25 Jahren und die Umwandlung der ursprünglichen GesmbH in eine Aktiengesellschaft vor 20 Jahren. Alexander van der Bellen bezeichnete am Freitag, punkt zwölf Uhr, den Betrieb als einen Pionier.

Übertrieben ist das nicht: Der Klimawandel ist noch nicht so lang in aller Munde. Van der Bellen war von der Problematik schon als Student konfrontiert. „Wenn ein solches Thema bis zu einem Ökonomen vordringt, dann müssen sich die Klimalogen schon vor 30 Jahren damit auseinandergesetzt haben. Wir haben es nur nicht wahrgenommen“, so der 75-Jährige.

„Wir haben gehofft, dass sich ein paar beteiligen und dass wir mit einer kleinen Firma Arbeitsplätze schaffen.“ Andreas Dangl

Andreas, Erna und Franz Dangl sahen aber eine Chance: Sie gründeten 1994 die W.E.B. als GesmbH in einem „ländlichen Bürotrakt“, wie Andreas Dangl beschreibt. Das Dach eines Heustadls wurde zum Büro ausgebaut. Die Idee an sich entstand zufällig bei einem Nordseeurlaub. „Das ist doch grandios!, dachte sich Dangl, als er Windräder sah. Ob das in Österreich funktionieren kann? Es kann, wie erste Messungen auf Basis einer Studie in Michelbach im Alpenvorland zeigte. Werte wie in der Nordsee waren das Ergebnis. Genau dort entstand die erste Anlage auf Basis eines Bürgerbeteiligungsprojektes. 265 weitere folgten.

„Wir haben gehofft, dass sich ein paar beteiligen und dass wir mit einer kleinen Firma Arbeitsplätze schaffen und davon leben können.“ 172 Mitarbeiter im internationalen Konnex: „Das hat man sich natürlich nicht erwartet“, erklärt Dangl, der aus „W.E.B“ ausgestiegen ist und mit „Future Driving“ Elektroautos vertreibt.

Karin Widhalm
Viel Action am Tag der offenen Tür am Samstag, wo der Rundblick in luft’ger Höh’ möglich war.

Niederösterreich könne zwei Milliarden der Wertschöpfung an Erneuerbarer Energie generieren, ergänzte Landesrat Ludwig Schleritzko. Das Land wolle den Klimaschutz stärken, nur die Biomasse sei „eine große Herausforderung“. „Was jetzt zählt, sind Lösungen“, so Schleritzko. „Nutzen wir die Ressourcen vor der Haustüre.“

Diesen Fokus verfolgen die W.E.B.-Vorstände, die sich „sehr geehrt“ fühlten, dass van der Bellen „trotz des vollen Terminkalenders“ den Weg zu ihnen gefunden hatte. Der Betrieb selbst laufe zu 100 Prozent mit Erneuerbarer Energie, zudem könne Strom gespeichert werden. „Was Sie hier sehen, wird Standard in ganz Österreich und Europa sein. Wir sind nicht Teil der Klimakrise, sondern die Lösung“, betonte Frank Dumeier. „In 25 Jahren wird auch der letzte Zweifler verstanden haben, dass Erneuerbare Energie funktioniert.“ Wie rasant die Entwicklung fortschreitet, war an der Rede von Michael Trcka, ebenfalls W.E.B-Vorstand, herauszuhören: Als er vor zehn Jahren im Betrieb zu arbeiten begonnen habe, hätte er sich nicht träumen lassen, dass der Betrieb so wächst. 40 weitere Arbeitsplätze entstehen mit der neuesten Büroerweiterung.

Umweltwissenschaftler Ernst-Ulrich Weizsäcker, der von allen Festrednern im Vorfeld extra begrüßt wurde, führte im Anschluss vor Augen, wie prekär die Klimasituation ist. Die Ernte vertrockne in Nordeuropa und Waldbrände sind von Sibirien bis Brasilien auf jedem Kontinenten zu beobachten. „Energie und CO müssen teurer werden“, empfiehlt er, außerdem die Steigerung der Energieeffizienz und den Ausbau der Erneuerbaren Energie; besonders der Solarbereich müsse „dringend weiterwachsen“. „Wir müssen den anderen vorführen, dass es geht. Wenn wir es nicht schaffen, die anderen zum Umdenken zu bewegen, dann haben wir verloren“, würdigte er die Arbeit der W.E.B.

Wofür steht eigentlich der Firmenname? „War es Bestimmung“, wie Moderatorin Christina Meister-Sedlinger vermutete? Nein, es sei viel banaler, erklärt Dangl auf Nachfrage. „Nicht schrecken, aber es heißt Windkraft-Errichtungs- und BetriebsgesmbH“, erzählt er. Als die Aktiengesellschaft entstand, beschränkte man sich auf die Buchstaben W.E.B.

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