W.E.B Windenergie: „Technologieführer nach Krise“

Erstellt am 30. April 2020 | 04:51
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Mit vollem Elan weiter für den Ausbau der Windkraft: Die W.E.B hält an ihrem Wachstumskurs fest. Im Bild: der französische W.E.B-Windpark Flesquières.
Foto: Maxime Décarsin
Corona-Pandemie zeigt Auswirkungen bei Projekten. Europa könnte bei Windkraftanlagen Technologieführer werden.
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Die Corona-Pandemie geht auch an der W.E.B Windenergie nicht spurlos vorüber.

Während zwar der Wind natürlich unbeeindruckt weiter weht, bringen Reisebeschränkungen und Lockdowns einige Herausforderungen mit sich – sowohl im „Tagesgeschäft“ als auch im Hinblick auf aktuell laufende oder in Kürze startende Windkraftprojekte.

Ein Beispiel: Gibt es eine Störung bei einer Windkraftanlage im Ausland, die nicht aus der Ferne in der Zentrale in Pfaffenschlag behoben werden kann, muss nun ein vor Ort lebender Techniker einspringen, denn Techniker aus Österreich über Staatsgrenzen zu schicken ist nicht möglich. „Weil es dauert, das zu organisieren, gibt es in solchen Fällen leider manchmal etwas längere Stillstände als sonst“, räumt Vorstandsvorsitzender Frank Dumeier ein.

Baustopp in Frankreich wegen unmöglicher Schwertransporte

Auch Bautätigkeiten leiden unter den Einschränkungen, etwa im franzöischen Tortefontaine, wo bis Herbst dieses Jahres ein Windpark mit fünf Anlagen und 18 Megawatt Leistung entstehen soll. Man hatte zwar die Möglichkeit geschaffen, die Arbeiter vor Ort zu isolieren und sie so vor einer Ansteckung zu schützen, doch da die Autobahnmeisterei ihren Betrieb einstellte, waren auch keine Schwertransporte zur Anlieferung der nötigen Teile mehr möglich – die Baustelle stand damit stillt.

„Drei von fünf Anlagen stehen aber bereits, und mittlerweile konnten die Arbeiten wieder aufgenommen werden, sodass sich die Inbetriebnahme im Herbst ausgehen sollte“, berichtet Dumeier.

Bisher größter W.E.B Windpark in Süditalien: Baustart noch heuer?

Ein wichtiges Projekt für die W.E.B ist der Windpark in Ariano (Süditalien). Mit 84 Megawatt wäre dies der bisher größte Windpark in der Geschichte der W.E.B, doch ob der Zeitplan hält, ist derzeit fraglich, da der Park noch in der roten Corona-Zone liegt. Dumeier geht davon aus, dass sich eventuell noch heuer der Baustart ausgehen könnte. Für den in Brookfield (USA) geplanten Photovoltaik-Park geht man von einer Inbetriebnahme im Sommer 2021 aus. Man habe hier eine Corona-Verzögerung eingeplant, und müsse ohnehin noch auf die Herstellung des Netzzugangs warten.

Finanzvorstand Michael Trcka rechnet mit finanziellen Auswirkungen der Krise im sechsstelligen Bereich – zwischen 100.000 und 500.000 Euro. „Das ist weniger, als ein schlechtes Windjahr ausmacht“, stellt Trcka klar. „Was für uns wichtig wäre, ist, dass man beim Wiederaufbau der Wirtschaft nach Corona nicht auf die Nachhaltigkeit und den Fokus auf die CO -Freundlichkeit vergisst. Die USA werden durch die Krise offenbar sehr stark getroffen, China dürfte es großteils überstanden haben, da stellt sich die Frage, wo und wie wir uns in Europa positionieren sollen“, wirft Trcka auf.

„Europa könnte Vorreiterrolle bei Erneuerbaren Energien einnehmen

Aus seiner Sicht biete sich nun die Chance, in Europa eine Vorreiterrolle bei Erneuerbaren Energien einzunehmen. Alle namhaften Windkraftanlagenhersteller seien in Europa zu Hause, in den USA und in Asien beziehe man die Anlagen aus der EU. „Da könnten wir es schaffen, Technologieführer zu werden“, ist Trcka überzeugt. Und das wäre besser, als in der Wirtschaft nach dem Motto „more of the same“ wie bisher weiterzumachen.

Dumeier meint, die Corona-Krise könnte zu einer beschleunigten Dekarbonisierung führen: „Die Klimakrise wird nach Corona nicht verschwinden. Die eigentliche, langfristige Gefahr ist der Klimawandel, daher sollte der Neustart der Wirtschaft mit Investitionen in nachhaltige Projekte unterstützt werden.“

Die W.E.B will ihren moderaten Wachstumskurs jedenfalls fortsetzen. 250 Megawatt an neuen Wind- und Photovoltaikprojekten will man in den kommenden Jahren umsetzen.

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