Mit dem 500 €-Golf auf Schleichwegen durch Österreich. 2.000 Kilometer quer durch Österreich auf Schleichwegen und Schotterstraßen, mit einem Auto das mindestens 20 Jahre alt ist und maximal 500 Euro kostet? Das klingt nach einem Abenteuer und einer super Sache, dachten sich die vier Waidhofner Stefan Hofbauer, Kevin Kloiber, Christian Weisgram und Richard Zimmermann.

Von Michael Schwab. Erstellt am 09. Juli 2020 (07:10)

Die Rede ist vom „Pothole Rodeo“, einer ganz speziellen Rallye, bei der es darum geht, mit einer noch fahrtüchtigen „Rostlaube“ abseits von gut ausgebauten Straßen von Checkpoint zu Checkpoint zu fahren. Nicht möglichst schnell mit Vollgas, sondern einzig mit dem Ziel anzukommen.

Eigentlich hätte der „Pothole Rodeo“, der vom „Backroadclub“ veranstaltet wird, durch den Balkan führen sollen, doch aufgrund der Corona-Situation entschieden sich die Veranstalter dazu, die Rallye heuer in Deutschland und Österreich auszutragen.

Erstmals „Pothole-Rodeo“ durch Österreich

Dass es heuer erstmals die Möglichkeit gab, an so einem „Pothole-Rodeo“ in Österreich teilzunehmen, gab für die vier jungen Waidhofner (22 bis 24 Jahre) den Ausschlag, sich anzumelden. „Wir haben unser Vorhaben in unserer Whatsapp-Gruppe gepostet, alle fanden es super“, erzählt Stefan Hofbauer. Im nächsten Schritt erzählten sie Stephan Kainz, Betreiber des „Tell“, ihres Stammlokals von der Idee. „Mir gefiel, dass es keine klassische Motorsportveranstaltung ist, wo es nur darum geht, der Schnellste zu sein, sondern dass es um das Durchkommen geht“, war Kainz von dem Vorhaben der Vier gleich begeistert.

Passender Name: „Team Waldviertell" 

„Wir sind eher die Stammtisch-Sitzer im Tell, und keine Motorsportler“, sagt das Team unisono. Der erste Sponsor war damit gefunden, der Teamname auch: „Team Waldviertell“. Ein passendes Auto trieb Jürgen Wais, Verkaufs- und Marketingleiter des Autohauses Wais auf: Einen VW Golf IV, Baujahr 2000, mit 1,6 Liter Benzinmotor und 140.000 Kilometern auf dem Tacho.

„Wir haben eine neue Hinterachse eingebaut, die Bremsen überholt und dem Auto einen sportlichen Auspuff verpasst“, erzählt Wais. Lukas Müllner (Farbe&Wohnen Müllner) unterstützt das „Team Waldviertell“ auch und kümmerte sich um die Folienbeklebung. Der Vierte im Bunde der Unterstützer ist Rainer Popp (Othopädie Schuh Popp).

„Nachdem wir Stephan nach der Anmeldung davon erzählt haben, wurde das Ganze zum Selbstläufer“, blickt Stefan Hofbauer zurück. Da er über private Schrauber-Erfahrung verfügt, wurde er zum Team-Mechaniker auserkoren – schließlich kann bei einem solch alten Auto, das auf schlechten Straßen bewegt wird keiner ausschließen, dass es unterwegs zu Defekten kommt.

Es geht ums Durchkommen: Teams helfen einander

In diesem Fall gilt das ungeschriebene Gesetz, dass sich die Teams gegenseitig aushelfen, ob mit Sach- und Fachkenntnis oder tatkräftiger Hilfe beim Besorgen von Ersatzteilen. Die Regeln sind einfach: Jeden Tag muss ein Checkpoint erreicht werden, von dem am folgenden Tag wieder aufgebrochen wird. Schafft man es nicht, vor dem erneuten Aufbruchstermin dort mit dem Auto aus eigener Kraft anzukommen, scheidet man aus. Im schlimmsten Fall heißt es „Endstation Abschleppwagen“.

Der Starttermin für den Österreich-Pothole-Rodeo ist der 15. Juli. Los geht es laut Homepage in Fucking in Oberösterreich, über die Großglockner-Hochalpenstraße weiter nach Tirol und Vorarlberg, von dort über Südbayern zurück nach Tirol, weiter nach Kärnten und über die Steiermark Richtung Niederösterreich, wo sich das Ziel befindet, das am 19. Juli erreicht wird. Die genauen Checkpoints sind noch geheim und werden erst beim Start bekannt gegeben.

25.000 Höhenmeter zu überwinden

Insgesamt werden 25.000 Höhenmeter zu überwinden sein, wobei vor allem die bis auf 2.500 Meter führende Großglockner-Hochalpenstraße zu einer Herausforderung für die schwächer motorisierten Teilnehmer werden wird. Eine Rakete ist schließlich auch der Golf der Waidhofner nicht: Über die PS-Zahl wird geschwiegen, die Leistung sei „ausreichend“, habe man bei Testfahrten in der Region festgestellt.

Falls die Herausforderung, sich auf Schleichwegen durch Österreich zu bewegen, nicht genug sein sollte, gibt es freiwillige „Challenges“, ein Art Sonderprüfung, bei der Kreativität und Einfallsreichtum gefragt sind. Mögliche Aufgabenstellungen in den Vorjahren waren etwa, sein Auto von einem Pferd ziehen zu lassen oder alle vier Räder gleichzeitig in die Luft zu bekommen – ob mittels mehrerer Wagenheber oder Sprung über eine Kuppe blieb den Teilnehmern überlassen.

Sollte der Golf den „Pothole Rodeo“ überleben, könnte er im nächsten Jahr auf größere Fahrt gehen – bei der Balkan-Version der Rallye. Jürgen Wais ist jedenfalls von der Ausdauer des von ihm besorgten Autos überzeugt: „Es gibt ja beim Golf den Spruch, der läuft und läuft...“.