Ärztehaus: Warum es nicht „fit“ ist. Praktiker Kiril Kirilov erklärt, warum die Sanierung nötig ist. Ausweichquartier wurde am Montag aktiviert.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 03. Juli 2019 (04:36)
Karin Widhalm
Kiril Kirilov in seinem Ausweichquartier im Pflege- und Betreuungszentrum, in dem er seit Montag ordiniert. Seine Praxis beim Thayatalbad wird indeserneuert.

Kiril Kirilov und sein Team widmeten sich drei Tage lang der Umsiedlung ins Pflege- und Betreuungszentrum (PBZ). Das Ausweichquartier ist seit Montag aktiv, denn die Ordination des Gemeindearztes wird renoviert. Die Stadtgemeinde hat dafür einen weiteren Kredit aufgenommen. Nach der Erneuerung der Zahnarzt-Ordination und der Befestigung der Stützmauer bei der Felswand (die NÖN berichteten) ist die neuerliche Investition dringend notwendig.

Das betont Kirilov: „Ich habe gleich gesagt: Das kann nicht so bleiben.“ Der Grund liegt nicht nur darin, dass sich seit der Errichtung des Gebäudes in den 1980er Jahren viel geändert hat. „Eine Wand war mit schwarzem Schimmel bedeckt, noch dazu im Behandlungsraum“, schildert er.

„Eine Wand war mit Schimmel bedeckt, noch dazu im Behandlungsraum. Die Sporen setzen sich überall fest, in allen Möbeln.“ Kiril Kirilov

„Die Sporen setzen sich überall fest, in allen Möbeln. Das hält einer sanitätspolizeilichen Prüfung nicht stand.“ Und diese stehe nun mal an, wenn ein neuer Arzt übernimmt. Kirilov hat mit 1. April nahtlos das Metier seines Vorgängers Karlheinz Schmidt übernommen.

Das sei ihm wichtig gewesen: Die Ordination war in der Übergangsphase keinen Tag geschlossen. Die ordentliche Sanierung ist ihm gleichermaßen ein Anliegen. „Das Haus wurde in einen Felsen gesprengt, dort ist permanent Wasser eingeflossen“, erklärt der Wohlfahrtser die Ursache des Schimmelbefalls.

Arzt trägt die Kosten für seine Ordination

Er selbst habe einen Kredit in Höhe von 160.000 Euro für die Ausstattung (wie neue Geräte) aufgenommen. Die Restaurierung selbst zahlt er ebenso mit: Die Stadt holt sich das Geld durch Mieteinnahmen wieder zurück, wie Bürgermeister Rudolf Mayer schon bestätigt hat.

Aber das zahlt sich aus: Kirilov weist darauf hin, dass fünf Arbeitsplätze mit Weiterbestehen der Ordination erhalten bleiben, „dieselben Mitarbeiter mit derselben Stundenzahl. Der eigentliche Mehrwert ist fast nicht bezahlbar.“ Hat ein Ort einen Arzt, ist das interessant für Zuzügler. „Dann ist der Wert jeder Immobilie automatisch höher.“

Warum blieb er selbst nicht im Landesklinikum Waidhofen? „Mir gefällt die Arbeit“, erklärt der Arzt, der in der Anästhesie und Intensivmedizin tätig war. Die Nachtbereitschaftsdienste entfallen. „Ich wollte mehr untertags arbeiten.“ Er werde trotzdem ein bis zwei Mal im Monat auf die Intensivstation und in den Operationssaal zurückkehren. „Ich trage dazu bei, dass der Standort erhalten bleibt, und ich wollte den Kontakt mit dem Spital nicht verlieren. Das ist irgendwie meine Heimat. Und ich wollte am Ball bleiben“, möchte er Entwicklungen mitverfolgen.

Der Umbau des Arzthauses wird im Sommer vorangetrieben. Größer wird der Behandlungsraum, in dem zum Beispiel Infusionen verabreicht werden: Eine Wand wird fallen. 13 Personen haben dann auf Liegen, getrennt mit Paravents, Platz. Ein zusätzlicher Raum wird entstehen, wo bei Notfällen Medikamente und Geräte wie Defibrillator griffbereit liegen werden.

In der Zwischenzeit wird im ersten PBZ-Stock ordiniert; dort stehen dem Team mehrere Räume für die Anmeldung, den Arzt selbst, Behandlungen und Untersuchungen zur Verfügung. Die Ordinationszeiten bleiben gleich, auch die Telefonnummer. Die neue Praxis im Ärztehaus beim Thayatalbad wird, wenn alles gut läuft, ab 1. September geöffnet haben.