Ausstellungen: Respekt vor Natur & Sprachmuster

Bildeinheiten, die als „Wörter“ fungieren, von Hil de Gard und die Beziehung zwischen Mensch und Natur von Hubert Lobnig am Lindenhof in Raabs.

Gerald Muthsam Erstellt am 22. September 2021 | 05:14

Der Lindenhof in Raabs war am Samstag wieder Schauplatz von zwei Ausstellungseröffnungen. In der Galerie im Lindenhof zeigt die Künstlerin Hil de Gard einen Querschnitt ihrer vielfältigen Werke. Beim Betreten der Galerie fallen einem sofort die typischen grauen Türschilder mit den weißen Steckbuchstaben aus den siebziger Jahren auf. Man ahnt schon, dass hier nicht nur ein Genre bedient wird. Man entdeckt Möbel, Tischdecken, Stickmuster, Kartons und viele Bilder mit kleinteiligen Zeichnungen. Bildeinheiten, die als „Wörter“ fungieren, reiht Hil de Gard zu Sequenzen einer ungewöhnlichen, internationalen Geschichte des Alltags. Sie operiert vor allem mit Zeichen, die auf ihre konkrete Ausformung hin überprüft werden.

Hild de Gard: Strichmännchen als Flaggenzeichen

Was sich normalerweise dekorativ auf Tischtüchern und Servietten mustert, nimmt Hil de Gard zum Anlass für eine breit angelegte Fragestellung zum Thema „Raster“. Strichmännchen als Flaggenzeichen sind wie Morsedaten nebeneinander gesetzt zu formalen Einheiten, die als Einheit die Einheit eines Satzes bilden. Sprichwörtlichkeit, Sprachwirklichkeit, Zeichenhaftigkeit – tatsächlich definiert Hil de Gard täglich ein Leben mit neuen Bezeichnungen und entfaltet Worte wie Fächer.

Hil de Gard wurde 1964 in Lustenau geboren und lebt in Wien. Sie studierte Tanzpädagogik am Konservatorium der Stadt Wien, seit 1990 zahlreiche Ausstellungen in ganz Österreich, arbeitet im Grenzbereich von Sprache, aber auch als Performerin.

Gemälde mit gesellschaftspolitischen Ansagen

„Besetztes Gebiet“ ist der Titel der Ausstellung von Hubert Lobnig im Raum für Kunst im Lindenhof. „Hubert Lobnigs Malerei ist ebenso wie all seine künstlerischen Projekte angereichert mit gesellschaftspolitischen Aussagen. Seine Gemälde resultieren aus der sensitiven Beobachtung seines sozialen Umfeldes. Sie transportieren jedoch nicht nur reflektierte Messages, sondern unterliegen innerkünstlerischen und ästhetischen Parametern. So nehmen in der Malerei Aspekte des Prozessualen und der piktorialen Wirkung auf der Bildfläche eine wichtige Position ein, rücken das Bild mehr in eine isolierte abstrakte Zone als sich nur als Modul einem übergeordneten Konzept unterzuordnen“, sagt Florian Steininger, künstlerischer Direktor der Kunsthalle Krems, über den Künstler.

Die aktuelle Ausstellung thematisiert die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Inspiration war die Baumhaus-Kolonie im Hambacher Forst zwischen Köln und Aachen. Dieses Forstgebiet wurde seit den 1970er-Jahren sukzessive für den Braunkohleabbau gerodet. 2018 sollte das letzte Stück abgeholzt werden, der Wald wurde jedoch von Aktivisten besetzt.

Ausstellungen sind bis 31. Oktober zu sehen

Hubert Lobnig wurde 1962 in Völkermarkt geboren, lebt und arbeitet in Wien und Mödring/Waldviertel. Studium an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Schwerpunkte: Malerei, Zeichnung, Video, Fotografie sowie kontext- und ortsbezogene Projekte und Installationen im öffentlichen Raum.

Die Ausstellungen sind noch bis 31. Oktober zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 13 bis 18 Uhr.