Lehre als Müllerin: „Man muss schon sportlich sein“. Hannah Eisner spricht über ihre ungewöhnliche Berufswahl und ihre Ausbildung in der Dykmühle in Raabs.

Von Michael Schwab. Erstellt am 02. Januar 2021 (03:34)
Geschäftsführerin Lisa Dyk mit Müllerin-Lehrling Hannah Eisner.
Geschäftsführerin Lisa Dyk mit Müllerin-Lehrling Hannah Eisner.

Einen seltenen Lehrberuf hat Hannah Eisner aus Wenjapons (Gemeinde Japons, Bezirk Horn) ergriffen: Sie absolviert ihre Ausbildung zur Müllerin in der Dykmühle in Raabs.

Von der HLS zur Lehre

Bevor sie sich für eine Handwerkslehre entschied, hatte Hannah Eisner die Höhere Lehranstalt für Sozialmanagement (HLS) in Langenlois besucht.

„Dort hat es mir überhaupt nicht gefallen, und ich habe erkannt, dass ich lieber eine Lehre machen will. Ich habe recherchiert, aber das hat sich bis Juni hingezogen, und meine Mutter meinte, jetzt wird es Zeit, dass du etwas findest“, erzählt Eisner. Zu diesem Zeitpunkt sah sie eine TV-Dokumentation auf Servus TV, wo die Dykmühle gezeigt wurde: „Ich sagte meiner Mutter, das sieht spannend aus, kannst du da bitte anrufen.“

Damit begann Hannah Eisners Weg zur Müllerin. Nach einem dreitägigen Schnuppern, das ihr sehr gut gefallen hatte, gaben Geschäftsführerin Lisa Dyk und Müller Joe grünes Licht – Eisner konnte ihre Ausbildung beginnen. Der Zeitpunkt Mitte August war gut gewählt, denn dank der Erntesaison gab es viel zu tun und zu lernen. „In der ersten Woche hat mich Peter Dyk in die Theorie eingeführt, und ich bin von Anfang an in der Mühle mitgelaufen, wo mir Müller Joe viel erklärt hat und mir sagte, was ich tun soll. Er traute mir immer mehr zu, und meinte auch, es macht nichts, wenn etwas nicht gleich richtig ist“, blickt Eisner auf den Start ihrer Lehre zurück.

Am Tag zehn Kilometer zu Fuß

Von Anfang an gefielen ihr der Zusammenhalt und das familiäre Arbeitsklima in der Mühle: „Es helfen alle zusammen.“ Ihr Arbeitstag in der Mühle beginnt um 6.45 Uhr mit einer Morgenbesprechung. Anschließend werden die Arbeitsaufgaben verteilt und besprochen, was zu tun ist. Die Arbeit in der Mühle verlangt nicht nur Fachwissen und den umsichtigen, konzentrierten Umgang mit Maschinen, sondern auch ein gewisses Maß an Sportlichkeit. „Ich lege am Tag zehn Kilometer zurück, und das über zwei bis drei Stockwerke“, merkt die werdende Müllerin an. Das Schleppen schwerer Säcke sei ihr großteils noch erspart geblieben: „Wenn ich beim Absacken gebraucht werde, dann packe ich natürlich mit an.“

Vor Eisner liegen jetzt noch zweieinhalb von drei Jahren Lehrzeit. Von April 2021 bis zum Beginn der Sommerferien wird sie die Berufsschule in Wels besuchen, im zweiten Lehrjahr fällt der Unterricht in den Winter, im dritten Jahr in den Herbst. Diese Termine haben ihren Grund: „Wir Müller-Lehrlinge sollen zur Erntezeit in der Mühle sein.“