Ruine Kollmitz: Trakt wird gerettet, ein Tor ist geplant

Der Erhalt der Ruine Kollmitz wird seit 1974 vorangetrieben: Das ist eine Aufgabe, die bis heute anhält. Was plant der Verein demnächst?

Erstellt am 26. November 2021 | 08:44
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Obfrau Margit Auer im Renaissancetrakt, der bald statisch gesichert wird. Er droht sonst in die Thaya zu stürzen. Der Verein fürchtet zudem, dass er womöglich den Bergfried mit sich reißen könnte.
Foto: KarinWidhalm

Spaziergänger sind tagsüber fast immer anzutreffen: Die Ruine Kollmitz ist – auch außerhalb der Saison, in der keine Führungen mehr geboten werden, die Jausenstation und das Museum geschlossen sind – ein Anziehungspunkt. Und das war schon so, als die riesige Anlage noch kein touristisches Ausflugsziel war. Obwohl der Zugang versperrt war.

Schutt blockierte bis in die 1970er Jahren den Eingang. „Man ist trotzdem reingeklettert“, lächelt Margit Auer. Einheimische erinnern sich, dass sie im Kindes- oder Jugendalter die Ruine „erobert“ haben. „Es sind auch Schulausflüge hierhergemacht worden.“ Eine richtige Öffnung erstrebte der 1974 gegründete Verein zur Erhaltung der Ruine Kollmitz an.

Das Team entfernte die Schuttreste, besserte Steinwände aus und baute Brücken, machte die gesamte Anlage mit den Türmen zugänglich. Vereinsmitglieder waren nicht die einzigen, die anpackten. Feuerwehren zum Beispiel rückten aus, um mitzuhelfen, selbst Landeshauptmann Andreas Maurer mauerte höchstpersönlich. Das ist heute kaum mehr vorstellbar: Auer kämpft eher damit, Freiwillige für Arbeitseinsätze ins Boot zu holen.

Denn der Job ist ein nie enden wollender: 2020 war der Hungerturm zu Erneuerung gesperrt, deshalb waren die Führungen kostenlos. Das tat einem regelrechten Hype keinen Abbruch: Die Ruine verzeichnete im ersten Corona-Pandemiejahr so viele Besucher wie nie und sie hinterließen großzügig Spenden. Der Verein führt zwar keine Zählung durch, rechnet in guten Jahren schon mit 20.000 Besuchern. 1.500 bis 1.700 Gäste nutzen die NÖ Card, um die Ruine in einer Führung zu besichtigen.

Das Geld fließt in den Erhalt, das nächste Projekt wird schon wieder in Angriff genommen. „Der südöstliche Trakt wird statisch gesichert, aber er wird nicht zugänglich gemacht. Das ist zu kostenintensiv“, erklärt Auer. Die Witterung nagt unerbittlich, Risse sind zu sehen: Die Mauern sinken schon zur Thaya. Der Verein fürchtet, dass der gesamte Renaissancetrakt abstürzt und möglicherweise den Bergfried mit sich reißt.

Ein Tor soll Beschädigungen verhindern

Was noch kommt: „Wir überlegen, ob wir den Eingang mit einem schmiedeeisernen Tor über den Winter zusperren sollen. Manche regen sich darüber auf“, räumt Auer ein. Aber: Die Beschädigungen nehmen zu, so sehr, dass das zu kostenintensiv geworden sei. „Wir wollen niemanden aussperren, aber die Zeit ist leider so.“

Auer ist seit 2011 Obfrau des Vereins, vorher war sie Stellvertreterin. „Ich muss sagen, man wächst hinein und es macht riesig Spaß, auch wenn es manchmal schwierig ist“, denkt sie an manche Diskussionen, was das Beste für die Ruine sei. Und: „Es gibt immer wieder Leute, die einem Prügel vor die Füße schmeißen.“ Aber das schult: Auer kennt zum Beispiel die Vereinsstatuten in- und auswendig.

Sie strebt jedoch an, die Führung in jüngere Hände zu legen: „Ich hoffe, dass wir bald Nachwuchs finden. Ich versuche, junge Leute zu motivieren und sie zeigen auch ein gewisses Interesse an dem Verein und der Ruine. Wenn sie sich verbunden fühlen, werden sie vielleicht Vereinsmitglieder oder übernehmen sogar die Führung“, sagt sie. „Ich würde es total schade finden, wenn der Verein nicht mehr weitermachen würde.“ Die Ruine würde jedenfalls einen wichtigen Partner, der dem Vergessen Einhalt gebietet, verlieren.