Uhrmacher Bernhard Wagner will größere Werkstatt. Für seine vielen Maschinen will Bernhard Wagner nach wie vor Betrieb erweitern.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 09. April 2020 (06:19)
Der Arbeitsalltag von Bernhard Wagner hat sich in der Coronakrise nicht verändert.
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Bernhard Wagner ist Uhrmachermeister und zählt zu den wenigen Menschen hierzulande, für die sich das Leben in den letzten Wochen kaum verändert hat. „Ich arbeite noch immer viele Stunden pro Tag in meiner Werkstatt, manchmal wird es auch eine 80-Stunden-Woche“, erklärt er dem NÖ Wirtschaftspressedienst. Seinen Job sieht er als krisensicher an, denn was die Wirtschaft brauche, seien Handwerker, die ihr Handwerk verstehen. Sich selbst bezeichnet er als Uhrenbauer, wovon es in Österreich nicht viele gebe. Er sei der Einzige, der Großuhren wie Pendeluhren baue oder auch Kleinuhren wie Armbanduhren.

Dass nur wenige Kunden in seine Werkstatt kommen, sei der Region geschuldet, meint Wagner. Schließlich habe die Gegend um Raabs mit der nahe gelegenen HTL-Berufsschule Karlstein die größte Dichte an Uhrwerkstätten in Österreich. „Wegen eines Batteriewechsels kommt kaum jemand zu mir“, sagt er. „Meine Kunden sind von Wien bis Hamburg zu Hause, also eigentlich im gesamten deutschsprachigen Raum. Meistens klopfen sie bei mir an, nachdem sie schon drei oder vier andere Uhrmacher kontaktiert hatten, die ihnen mit Ersatzteilen, vor allem für alte Uhren, nicht helfen konnten.“

Manche, die in seiner Werkstatt vorbeischauen, würden sogar ihren Besuch mit einem Urlaub im Waldviertel verbinden. Er baue Uhren nach Maß, soweit dies technisch möglich sei, und repariere auch alte Uhren. Die wahre Problemlösung ist er für manchen Kollegen, wenn ihm dieser eine Uhr schickt, die er selber nicht reparieren konnte.

Werkstatt soll noch heuer größer werden

Für seine Uhren braucht Wagner viel Platz. „In Wien war ich angestellt bei einem Uhrmachermeister, dort hatten wir zu dritt auf 15 Quadratmetern gearbeitet. In erster Linie haben wir kleine Reparaturen gemacht“, erklärt er. „In der Werkstatt hier habe ich 120 Quadratmeter, und neben mir gibt es noch einen Teilzeitmitarbeiter.“ Da zur Herstellung viele Maschinen und Geräte notwendig sind, will er noch im laufenden Jahr die Werkstätte um 170 Quadratmeter aufstocken.

Was so eine handgefertigte Uhr kostet? Wagner versucht es mit einem Vergleich: „Aktuell habe ich einen Regulator, den ich um 20.000 Euro verkaufe. Das klingt viel. Ein VW Golf kostet dies auch mindestens. Am Auto hängen ungefähr 19 Stunden Arbeitszeit. Bei mir ist die Arbeitszeit vierstellig.“