Stephan Rabl formt die Kulturhauptstadt 2024. Der frischgebackene künstlerische Leiter im Salzkammergut spricht über seine und die Zukunft der „*SZENE Waldviertel“, deren Leiter er ist.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 14. Oktober 2020 (05:49)
Manuela Reichert (4.v.r.) und Stephan Rabl (5.v.l.), im Bild mit den Mitgliedern des Aufsichtsrates, übernehmen die Geschäftsführung der neugegründeten Kulturhauptstadt Bad Ischl-Salzkammergut 2024 GmbH.
Karl Steinegger

„Ich freue mich auf die Aufgabe“, erklärt Stephan Rabl. Der Festivalleiter der „*SZENE Waldviertel“ wird sein Augenmerk auf Bad Ischl und das Salzkammergut ausweiten: Der Kurort ist europäische Kulturhauptstadt 2024. Rabl unterschrieb am vorigen Freitag den Vertrag und übernimmt die künstlerische Leitung und die Geschäftsführung.

Rabl: „Viel Neues wird auf mich zukommen.“
: Hörmandinger

Ihm zur Seite steht Manuela Reichert als kaufmännische Geschäftsführerin. 63 Bewerber haben sich nach einer Ausschreibung beworben. Für Rabl, der in Radessen (Bezirk Waidhofen) seinen Rückzugsort hat, bedeute dies einen neuen beruflichen Lebensabschnitt.

„Die große Frage ist, wie bei jeder neuen Herausforderung: Wie wird das alles werden und was kommt alles auf mich zu? Da ich kein Salzkammergut-Bürger bin, wird viel Neues auf mich zukommen, aber ich habe mich immer gern neuen Aufgaben gestellt.“

Bund beschloss Finanzierung, Zusage von Bundesländern

Bad Ischl setzte sich beim Bewerb zur Kulturhauptstadt gegen St. Pölten und Dornbirn durch, im Gegensatz zu Linz (2009) oder Graz (2003) hat sich gleich das ganze Salzkammergut mit 23 Gemeinden in Oberösterreich und Steiermark beworben.

Der Bund hat bereits eine Förderung von jährlich zehn Millionen Euro bis 2024 beschlossen. Die zwei Bundesländer haben Finanzierungszusagen erteilt.

Nächste Schritte für die Kulturhauptstadt

Jetzt wird die Arbeit der Bewerbungsarbeitsgruppe fortgesetzt. Das Team soll bis 2024 auf 40 Personen anwachsen. Rabl will die Struktur aufbauen und erste Projekte auf Schiene bringen. „Für mich heißt es, vor Ort Kontakte herzustellen und den Status quo aufzuarbeiten.“ Das passiere parallel zur Arbeit für die „*SZENE Waldviertel“.

Die Zukunft der „*SZENE Waldviertel“

„Wichtig ist jetzt, sämtliche Kraft, Energie und Leidenschaft für die Veranstaltungen im Waldviertel zu geben“, führt der 56-Jährige aus. „Ich bin am Freitag direkt ins Waldviertel zurückgefahren, wir haben ein dichtes Festival-Programm.“ Dieses läuft bis Anfang Dezember, dann starten die Gespräche mit Partnern und Gemeinden wie Raabs oder Horn bis hin zum Land NÖ und dem Bund, – „damit die Weichen für die Zukunft“ gestellt werden können.

„Ich habe eine Aufgabe für 2024, aber im Moment ist es überall so, dass die Kultur-Entscheidungen mit Ausblick auf die Zukunft im nächsten Jahr fallen werden.“ Man werde erst 2021 sehen können, wie sich die Kultur coronabedingt weiterentwickeln kann. „Ich habe den Wunsch und die Energie, diese nächsten Schritte einzuleiten, damit das, was heute und in den letzten Jahrzehnten existiert hat, weitergeht.“

Massentourismus, die Kultur und eine Balance

Bad Ischl hat sich mit dem Motto „Salz und Wasser“ beworben, die Geschichte und die Tradition der Region fließen hinein. Projektleiter Stefan Heinisch betonte 2019 bei der Bekanntgabe der Kulturhauptstadt, dass das Salzkammergut ein europäisches Role-Model sein wolle, den Tourismus mit Kultur auszubalancieren.

„Jeder kennt das Beispiel Hallstadt mit seinem Massentourismus, der hinterfragt wurde und jetzt wieder weg ist“, erläutert Rabl. Dieses Phänomen wolle man aufgreifen. Der Leiter spricht schon ein Thema an, das seit Monaten die ganze Welt beschäftigt: Corona.

Sich einer völlig anderen Kulturwelt stellen

„Was wir seit März mit Corona an gesellschaftlichen Veränderungen haben, hat Auswirkungen auf unser Leben und das hat natürlich Einfluss auf unsere Kultur“, erklärt Rabl. „Das ist die große Herausforderung, weil wir wissen, bis Februar hat die Kulturwelt ganz anders ausgesehen, und weil wir wissen, dass uns das verändern wird. Wir wissen aber nicht, wie uns das verändern wird.“

Das Salzkammergut stehe hierbei im Kontext mit einem europäischen Kulturgedanken. Genau dieses Spannungsfeld habe ihn zur Bewerbung bewogen.

Kultur: „Die Prise Salz, die Geschmack verleiht“

„Wir wollen 2024 als ein Modell stehen, was Kultur heutzutage und in einer Zeit der Umwälzung heißt“, betont der Radessener. Das beschäftige derzeit die Branche weltweit. „Das ist eine hohe Latte, aber es sind diese Spannungsfelder, die uns im täglichen Leben berühren.“ Kultur sei wie Salz die Würze des Lebens: „Die Prise, die Geschmack verleiht.“ Sie müsse für jeden Menschen da sein.

„Es ist eine große Aufgabe, und ich begegne dem mit Demut, um dann auch den Mut zu haben, ein Modell sein zu können.“ Er bringe seine berufliche, menschliche und künstlerische Erfahrung mit und hole sich seine Inspiration in der Begegnung mit Menschen. „Das andere ist, dass ich sehr schnell Dinge tun muss, um zu sehen, wie dieser Prozess ist und im Tun weitere Schritte setzen zu können.“

„Eine zweite kleine Liebe und Seelenverwandtschaft.“Rabl über das Salzkammergut

Rabl wird sich im Salzkammergut eine Wohnung suchen „und mich immer wieder ins Waldviertel auf meinen Bauernhof zurückziehen“. Das Reisen werde eine Herausforderung: „Das ist aufgrund von Corona gar nicht so einfach planbar“. Er kennt aber das Salzkammergut: „Das Verrückte ist ja, dass ich in meinen Anfängen, als ich mit einer Theatergruppe durch ganz Österreich gereist bin, damals in Hallstadt gespielt habe.“

Er war auch im Kongresshaus in Bad Ischl, wo die Pressekonferenz mit der Vorstellung der Geschäftsführer stattfand. „Zu meiner Liebe zum Waldviertel war und ist das Salzkammergut, da ich in Österreich viel gereist bin, so wie eine kleine zweite Liebe und eine Seelenverwandtschaft.“