Kaum Unterhalt gezahlt: Schuldspruch. 38-Jähriger hat kaum Unterhalt gezahlt: Sachverständige sahen sich Jobchancen an. Auch Schrank beschädigt, Waffe getragen.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 07. Mai 2021 (04:06)
Symbolbild
Shutterstock.com, Africa Studio

Den Unterhalt nicht ausreichend bezahlt, einen Kasten zerstört und ein Klappmesser mitgeführt: Das Verfahren gegen einen 38-Jährigen, der zurzeit im Raum Waidhofen wohnt, zieht sich seit 2018 schon lange hin; auch, weil zahlreiche Gutachten eingeholt wurden.

Das Zahlungsversäumnis an seine Kinder erstreckt sich von 2011 bis 2019: „Ich habe immer gezahlt, was ich konnte“, räumt der Angeklagte ein. Nachträgliche Unterhaltszahlungen habe er auch nicht geleistet. Seiner Arbeit als Autolackierer habe er seit einem Kreissägen-Unfall nicht mehr nachgehen können, er war dann geringfügig als Möbelmonteur, Security und zuletzt Bühnenbautechniker tätig, wobei letztlich die Corona-Pandemie dazu geführt habe, dass er „leider Gottes nicht arbeiten gehen kann“.

Richter Lukas Beran legt mehrere Gutachten vor: Aus unfallchirurgischer Sicht seien leichte bis schwere Tätigkeiten in Vollzeit zumutbar und aus neurologischer Sicht ergeben sich keine zusätzlichen Arbeitseinschränkungen. Der Sachverständige für Berufskunde stellte fest, dass die ungünstigen Faktoren für den Arbeitssuchenden zwar in der Corona-Pandemie eindeutig überwiegen: Die Wahrscheinlichkeit, dass der 38-Jährige in dieser Phase vermittelt werden könne, sei eher gering. Das sehe für den Deliktszeitraum, der außerhalb der Corona-Pandemie liegt, anders aus: Der 38-Jährige habe realistische Chancen für eine Arbeitsstelle gehabt, etwa im Gastgewerbe oder im Reinigungsgewerbe.

Waffenverbot ist für den Angeklagten gültig

Der Angeklagte zeigt sich betreff Vorwurf der Staatsanwaltschaft Döbling geständig, dass er „mehr oder weniger“ aus Wut im November 2019 gegen einen Kasten geschlagen und diesen beschädigt habe. „Der Schaden ist wiedergutgemacht worden“, erzählt der Angeklagte. Ein Klappmesser sei zudem bei einer Perlustrierung durch die Polizei zutage gekommen. „Ich bin Bühnenbautechniker und muss innerhalb kurzer Zeit viele Kabelbinder durchschneiden“, erklärt er. Richter Lukas Beran spricht ihn auf ein für ihn geltendes Waffenverbot an: „Ich bin davon ausgegangen, dass dies nicht mehr aufrecht war.“

Der Richter spricht ihn in allen Anklagepunkten schuldig: Die bedingte Haft unter dreijähriger Probezeit liegt bei vier Monaten. Das Klappmesser wird eingezogen, Bewährungshilfe wird angeordnet.

Die Eindeutigkeit liege bei der Sachbeschädigung auf der Hand, führt Beran aus. Ein Fahrlässigkeitsdelikt erkennt er beim Verstoß gegen das Waffengesetz: Der Angeklagte hätte selbst dem nachgehen müssen, ob das verhängte Waffenverbot noch aufrecht ist oder nicht. Die Gutachten objektivieren indes, was die Arbeitssuche betrifft: „Ich glaube schon, dass sie etwas hätten erzielen können.“

Milderungsgründe seien das Teilgeständnis und die lange Verfahrensdauer gewesen. Das Zusammentreffen dreier Vergehen und zwei einschlägige (von insgesamt fünf) Vorstrafen seien erschwerend zu werten: „Das ist sich gerade noch bedingt ausgegangen.“ Der Angeklagte nimmt (vorerst) das Urteil an, die Staatsanwaltschaft verzichtet auf Rechtsmittel.