Erstellt am 17. Juni 2014, 23:59

von Monika Freisel

Sakrale Orgelklänge. Konzert / International erfolgreiche Organistin gastierte an der größten Orgel des Waldviertels in der Stadtpfarrkirche Waidhofen und bot großartige Interpretationen.

Die Dirigentin und Organistin Mirjam Schmidt (Mitte) mit Organisator David Steinkogler und Elfriede Monihart.  |  NOEN, Monika Freisel

WAIDHOFEN / Ein Orgelkonzert an der größten Orgel des Waldviertels, der Casparides-Orgel in der Pfarrkirche, war am Sonntag, 15. Juni, zu erleben. Als Organistin war Mirjam Schmidt zu Gast. Sie studierte Kirchenmusik und Dirigieren an der Universität Mainz, ist international erfolgreich als Dirigentin tätig, seit 1995 als Leiterin der Kirchenmusik in verschiedenen Kirchen, Chören und Orchestern in Wien, auch als Gastdirigentin im Stephansdom, und unterrichtet seit 2001 am Konservatorium für Kirchenmusik der Diözese St. Pölten.

Passend zum Dreifaltigkeitssonntag waren die Musikstücke ausgewählt. In der „Suite du deuxieme ton“ (Suite im zweiten Ton) von Louis-Nicolas Clérambault erzeugte Mirjam Schmidt zu Beginn mit verhaltener Spielweise eine erhabene, meditative Stimmung, wechselte zu freudiger Verspieltheit mit Verzierungen und Trillern und endete mit wunderbar volltönendem Klang.

Mit César Francks „Choral Nr. 3“ aus den „Trois Chorals pour Grand Orgue“ füllte die Organistin den Kirchenraum mit grandiosen, das Herz öffnenden Tönen, wechselte zu Piano- und Pianissimo-Passagen, ließ die Klänge erneut wellenförmig an- und abschwellen, bis sie allmählich zum kraftvollen Höhepunkt überleitete.

Die „Toccata und Fuge in d-Moll“, das wohl bekannteste Orgelwerk von Johann Sebastian Bach, spielte Schmidt in großartiger Interpretation mit mächtigen Akkorden, gefolgt von perlenden Klangfolgen, gewaltig brausenden Tönen und ausdrucksstarken Harmonien in überwältigender Klangfülle.

Nach zwei Stücken von Jean Langlais - dem dunkel-meditativen „Priere“ und dem „Choral oré“ folgte eine Improvisation Mirjam Schmidts, in der sie die Dreifaltigkeit Gottes eindrucksvoll charakterisierte. „Gloria Patri“ (Ehre dem Vater) begann mit dunklen, raschen Tonfolgen, die in moderates Tempo übergingen, hellen Klängen folgten tiefe, langsame Passagen, „et Filio“ (und dem Sohn) klang lebendig, innig, diesseitig. In „et Spiritui Sancto“ (und dem Heiligen Geist) wurde das brausende Feuer, in dem der Geist Gottes dargestellt wird, in gewaltige Orgelklänge umgesetzt, das Züngeln der Flammen, auch das Flügelschlagen der Taube wurden einprägsam musikalisch versinnbildlicht.

Der exzellente Konzertnachmittag wurde ergänzt durch biblische und sakrale Texte, gelesen von Elfriede Monihart.