NÖN-Interview: Von Lichtenberg über den großen Ozean. Die Lichtenbergerin Andrea Lamatsch schaffte mit ihrem Schauspieltalent den Sprung in die USA. In Österreich wurde sie durch die Fernsehserie Schlosshotel Orth bekannt.

Von Gerald Muthsam. Erstellt am 05. Mai 2021 (03:45)

Die gebürtige Lichtenbergerin Andrea Lamatsch wurde als Schauspielerin ab 1996 durch ihre Rolle der Sissy Hofer in der erfolgreichen österreichischen Familienserie Schlosshotel Orth bekannt. Doch zuvor arbeitete die Handelsschul-Absolventin neben beruflich als Fotomodell, drehte Werbefilme, hatte Hauptrollen in US-amerikanischen Film produktionen, absolvierte ihr Schauspiel-Studium mit Auszeichnung am Prayner Konservatorium in Wien und spielte an Theatern in Deutschland, Wien und Wien-Umgebung. Seit 1997 ist sie „glücklichst“ mit Manfred Lielacher verheiratet, wie sie betont, und ist Mutter von drei Kindern. Die NÖN sprach mit ihr über ihr bewegtes Leben.

NÖN: Wie kamen Sie zu den Rollen in den USA? War die Sprache bzw. der Akzent ein Problem?

Andrea Lamatsch: Ein Werbefilm führte mich nach Südfrankreich, und im Mai finden dort immer die Filmfestspiele statt. Ich hatte wohl Glück, war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und wurde zu Probeaufnahmen eingeladen. Nach einigen Wochen wurde ich angerufen, dann hatte ich 1990 tatsächlich meine erste Rolle, sogar die weibliche Hauptrolle in „The Hunted“ ergattert. Das Produzentenehepaar war irrsinnig entzückend und fürsorglich zu mir, organisierte sogar einen weiblichen Bodyguard, da wir auch in Manila drehten. Ich hatte auch Karate- Unterricht.

Den einen oder anderen ungefährlichen Stunt habe ich selbst gemacht. Ich war damals nur meines Schulenglisches (British English) mächtig, habe aber schnell gelernt, denn der amerikanische Akzent meiner Kollegen war anfänglich eine große Herausforderung. Aber dem Regisseur Folge zu leisten, war kein Problem. Wieder in Wien auf Kurzbesuch, nahm ich Englisch-Unterricht, um mir den „American Accent“ anzueignen.

Bis Mitte der 1990er Jahre spielte ich weitere weibliche Hauptrollen in US-Filmproduktionen, in spannenden Actionfilmen wie „Sudden Thunder“ und „Blood Ring“. Zwischendurch hatte ich eine Nebenrolle im Kriegsepos „Escape to No-where“. Beruflich war es die aufregendste Zeit meines Lebens. Damals wurde mir die Greencard angeboten, und eine Filmagentur aus Los Angeles wollte mich unter Vertrag nehmen. Ich war blutjung und der Sprung über den großen Ozean kam so plötzlich, dass ich abgelehnt und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben hatte. Mein großer Wunsch war zu der Zeit, das subtile Handwerk zu erlernen, und mein Ziel war, in Wien Schauspiel zu studieren. Ich war im eigenen Land und über die Landesgrenzen hinaus so beschäftigt, dass ich nicht in Überdimensionen dachte, sprich nach Hollywood zu emigrieren.

Wie sah Ihr Werdegang in jungen Jahren aus?

Lamatsch: In Lichtenberg verbrachte ich meine naturverbundene Kindheit und einen Teil meiner Jugend am Bauernhof. Aber ich hatte eine harte, keine unbefangene Kindheit. Ich musste schnell erwachsen werden. Meine Eltern brachten mir Bodenständigkeit bei, die mich in meiner persönlichen Entwicklung und in meinem beruflichen Werdegang prägten.

Ich absolvierte die Handelsschule in Waidhofen, bin dann nach Wien gegangen und habe mit 17 Jahren als Sekretärin bei der NÖ Wirtschaftskammer begonnen. Diese Tätigkeit übte ich vier Jahre aus, parallel dazu jobbte ich als Model und drehte Werbefilme, sogar Kinovorspannfilme.

Bei der Gelegenheit möchte ich mich an dieser Stelle bei der NÖN auf das Allerherzlichste bedanken, denn durch den Wettbewerb zur „Nettesten Niederösterreicherin“ 1986 haben sich Türen und Tore geöffnet und Chancen geboten, die ich ergriffen habe. Tausend Dank für diese beruflich spannenden erfahrungsreichen 16 Jahre. Durch den Sieg bei dem Bewerb wurden viele Zeitungen auf mich aufmerksam, und eine Modellagentur-Agentin aus der Agentur „Insider“ nahm mich unter Vertrag. Ich arbeitete nebenberuflich als Fotomodell, drehte Werbefilme war lebensgroß auf Plakaten zu sehen, und es riss mich hin und her zwischen Haupt- und Nebenberuf. Durch die verwandten Branchen verliebte ich mich unwiderruflich in die Schauspielerei.

Wie gestaltete sich Ihr Einstieg in die Schauspielerei? Wie kamen Sie zum „Schlosshotel Orth?“

Lamatsch: Ich nahm Privatunterricht bei Schauspielerin Ariane Calix, studierte anschließend drei Jahre am Prayner-Konservatorium, wurde während meiner Schauspielausbildung schon am Theater engagiert und spielte mit bekannten Publikumslieblingen. Meine erste Begegnung mit dem professionellen Theater war die Kleine Komödie. Ich spielte noch zweimal in diesem Theater u. a. mit Gunther Phi lipp in „Mein bester Freund“. Danach wurde ich für längere Zeit in Deutschland engagiert. Als ich nach Österreich zurückkam, erhielt ich die Hauptrolle in Schlosshotel Orth.

Vier Jahre drehte ich für diese Serie und machte immer wieder Ausflüge in andere Produktionen. So drehte ich z.B. für SAT1 vier Folgen der Fernsehserie Kurklinik Rosenau sowie Episodenrollen in Medicopter, Weiß-Blaue Geschichten und vieles mehr.

Wie haben Sie die Dreharbeiten zu Schlosshotel Orth über die Jahre erlebt? Welche Erinnerung haben sie heute daran?

Lamatsch: Es war wie eine große Familie. Die bekanntesten erfahrenen Schauspieler habe ich sehr kollegial ohne Allüren erleben dürfen. Es haben sich auch nette Freundschaften entwickelt. Auch schätzte ich es als naturverbundener Mensch immer sehr, im schönen Salzkammergut drehen zu können.

Einen großen Respekt habe ich auch vor dem Team hinter der Kamera, das dafür Sorge trägt, uns Schauspielern einen malerischen wie auch einen dramaturgischen Hintergrund zu verschaffen und uns ins rechte Licht zu rücken.

Lässt sich Ihr Beruf überhaupt mit der Familie koordinieren?

Lamatsch: Der Schauspielberuf ist sicher nicht sehr familienfreundlich. Man muss flexibel sein, um mit Sack und Pack in eine andere Stadt gehen zu können, und wenn man eine Familie hat, ist das doch ein sehr, sehr breiter Spagat. Als ich 1999 zum ersten Mal Mutter wurde und mich ein Theater-Engagement nach Bad Kissingen führte, nahm ich meinen damals zehn Monate alten Buben Tristan natürlich mit. Mit Mutter im Gepäck als Kinderfrau alternierend mit meinem verständnisvollen Ehemann konnte ich das Sommerengagement ohne schlechtes Gewissen über die Bühne bringen. Es folgten weitere Engagements in Berndorf, Mödling etc. Bei Kind Nummer drei habe ich mich entschlossen, meine Hauptrolle bei und mit meiner Familie zu spielen. Ich schrieb ein Sprachförderungskonzept für Kinder in der Vorschul- und Volksschulzeit und arbeite seit fast zehn Jahren an der Sprachkompetenzerweiterung für diese Altersgruppe. Mein innigster Wunsch war, Zeit zu haben für meine Familie, das hätte ich mir auch in meiner eigenen Kindheit so sehr gewünscht. Deshalb wollte ich für eine weitere Karriere mein Familienglück nicht riskieren. Ich bekomme nach wie vor Rollenangebote, aber zur Zeit passt es noch nicht für mich. Ich hätte auch eine Idee für einen Roman mit autobiografischen Zügen. Vielleicht setze ich den um.

Haben sie Vorbilder?

Lamatsch: Ein Vorbild ist Senta Berger. Romy Schneider gefällt mir auch sehr gut.

Haben sie Hobbys?

Lamatsch: Spazierengehen, Wandern, die Natur Beobachten. Aber auch Skifahren und Lesen - gerne auch Biografien über Künstler und Schauspieler.